Olten

Simon Chen, Frölein Da Capo und Co. im Schwager Theater

Simon Chen, Meister der Pauschalisierung, gastiert im Schwager Theater

Die Saison 19/20 im Schnelldurchlauf; was das Schwager Theater Olten für seine Gäste bereithält.

Schubert, Beethoven, Rossini – das Schwager Theater Olten wartet zu Beginn der neuen Saison mit Musik bekannter Komponisten auf. Auf der Bühne: zwei bekannte Gesichter der Oltner Kulturszene. Sängerin und Musicaldarstellerin Michaela Gurten und Mike Baader, Teilnehmer an zwei Finals des Oltner Kabarett-Castings. In der zynischen Liebes-Komödie «Du sollst nicht lieben» demonstrieren sie den Lebensweg eines Paares, vom Kennenlernen bis zum letzten vergifteten Spaziergang im Altersheim – ein Stück gespickt mit fatal-ironischen Kommentaren.

Herr der Pauschalisierungen

Simon Chen weiss es schon lange: Alle Ausländer sind kriminell, alle Politiker untauglich, alle Kabarettzuschauer Lehrer. Alle Lehrer sind links. Und alle weiblichen Formen sind mitgemeint. Nur zu gerne nimmt er das Publikum mit auf diese Gratwanderung, von einer Pauschalisierung zur nächsten. Frölein Da Capo zeichnet lieber und macht Musik. Ganz nebenbei gibt sie ihre innersten Gedanken preis und wagt den Schritt vor die Tür ihres Musikkämmerlis.

Vor der Tür stehen Schuhe, viele Schuhe. Aber, wie Lisa Christ findet, nicht genug. Sie braucht unbedingt wieder ein neues Paar, denn sie muss ja schliesslich mithalten können. In ihrem ersten Kabarett- und Spoken-Word Programm sinniert sie über die Rolle der Frau in heutiger Zeit und stellt sich grundsätzliche Fragen über Leben und Identität, auf eigene charmante Art, natürlich. Die Urstimmen suchen derweil in «Heidis Keller» nach dunklen Geheimnissen. Und räumen dort auf, wo schon mal etwas unter den Teppich gekehrt wurde. Die Theater/A-Capella-Formation gewährt einen Blick unter die Oberfläche von Schweizer Postkarten-Idyllen.

Das Duo Calva bewegt sich in anderen Sphären: Im Himmel können die Cellisten ihren musikalischen Vorbildern näherkommen. Dementsprechend bereiten sie dem Publikum auf der Erde wahrhaft himmlisches Vergnügen.

Ein Zirkus ohne Sägespäne, Tiere, Artisten, gar ohne Zelt? Dieses Kunststück gelingt dem Wakouwa Teatro; mit nur wenigen Requisiten und ganz viel Enthusiasmus. Grosse Nostalgie-Ansteckungsgefahr! InterroBang beschränken sich darauf, im Garten zu reden – wobei das eigentlich masslos untertrieben ist. Die beiden Slam-Kabarettisten erzählen nicht nur kleine Geschichten des Alltags. Mit Sprachwitz und Körpereinsatz berichten sie auch von grossen Geschichten.

Blick hinter die Kulissen

Beim Duo Luna-tic darf das Publikum hinter die Kulissen zweier «Heldinnen» blicken. Mademoiselle Olli aus Paris spielt die Hauptrolle, Claire aus Berlin kümmert sich um den Rest: urkomisch, temperamentvoll und furchtbar tragisch. In scheinbarer Eintracht teilen sich Bewohner ganz unterschiedlicher Couleur ein Haus. Doch hinter den Fassaden geht es tierisch ab. Kathrin Bosshard, bekannt aus dem «Bundesordner», bringt ein schräges Spiel um Reichtum, Macht, Anerkennung und Ruhm auf die Bühne. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen ist zufällig, aber unvermeidlich.

Veri lebt in der jobmässigen Gefahrenzone. Auf dem Amt soll seine Arbeitsmarktfähigkeit ermittelt werden. Gehört er schon zum alten Eisen? «UniVerität» ist die kabarettistische Antwort auf Bildungslücken, Fachkräftemangel und Pisastudien. Nicht immer politisch korrekt. Aber witzig und träf. Esther Hasler hingegen findet partout keinen Grund zum Verzweifeln: Am Ende des Tunnels warten nämlich «Lichtjahre». Hauptsache, man kämpft allzeit tapfer gegen schwarze Löcher und bleibt in der Bio-Blumenerde verwurzelt.

Weitere Highlights: An jedem letzten Mittwoch im Monat improvisiert das Kommunikationstheater «dito» und bringt Ideen des Publikums auf die Bühne. Das Sendeformat «Persönlich» ist erneut zweimal zu Gast und nebst dem Kabarett-Casting finden vier Gastspiele der Kabarett-Tage im Schwager Theater statt. 

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