Olten

Sie nahm den Lift ins Haus der Museen: Die Oltner Madonna ist zurück

Sie ist heimgekehrt, zumindest für 5 Jahre: Als Teil des einstigen Kirchenschatzes weilt die sakrale Figur jetzt im Oltner Haus der Museen.

Fein säuberlich verpackt kam sie an, wenn auch etwas verspätet: die Oltner Madonna aus dem mittleren 18. Jahrhundert, einst Teil des hiesigen Kirchenschatzes, behütet in einem Rahmengestell, stabil gehalten von Sagex-Elementen mit gepolsterten Kanten und ebensolchen Hohlräumen. Ein unscheinbarer Kleintransporter hatte als Taxi gedient, sozusagen. Keine äusseren Anzeichen waren am Wagen auszumachen. Das Etikett «Wir transportieren für Sie wertvolles Kulturgut» fehlte.

Der Begriff Oltner Madonna meint eigentlich Maria, auf der Weltkugel stehend, um die sich die Schlange mit dem Apfel im Rachen windet. Als Hintergrund ein beeindruckender Strahlenkranz. Material, so verrät die Deklaration: Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, teilvergoldet. Ein Schatz. Jetzt steht die Madonna wieder in Olten. Nicht in einer Kirche, nein, sondern im neuen Haus der Museen, zweiter Stock. Die Madonna nahm für die Überwindung der Höhendifferenz, wenig überraschend, den Lift.

Schon in den Jahren 2001 und 2013 auf Kurzbesuch

Absender des kostbaren Guts: das schweizerische Nationalmuseum Zürich, auch Landesmuseum genannt. Dort wird die Oltner Madonna seit Jahrzehnten als Legat verwahrt, unterbrochen von zwei Aufenthalten an ihrem einstigen Herkunftsort Olten; kurz nach der Jahrtausendwende zur 800-Jahr-Feier der Ersterwähnung Oltens, später, 2013, bei der Ausstellung «200 Jahre Stadtkirche St. Martin». Nun hat sie in ihrer Heimat eine Bleibe für die nächsten fünf Jahre gefunden. «Vorausgesetzt, wir können der Madonna optimale klimatische Bedingungen und deren Sicherheit garantieren», sagt Luisa Bertolaccini, Leiterin des Historischen Museums. Keine Sorge. Das Glas, hinter welchem die Madonna zusammen mit andern sakralen Objekten zu sehen sein wird, sei bruchsicher, das Raumklima bestens. «Wir werden die Probezeit von sechs Monaten bestehen», so die Leiterin lächelnd. Sollte der sakralen Figur wider Erwarten dennoch etwas passieren: Eine entsprechende Versicherung in sechsstelliger Höhe wurde abgeschlossen. «Die Madonna ist letztlich eine gute Repräsentantin des hiesigen Kulturkampfes», so Bertolaccini.

Es fehlte, wie immer, das liebe Geld

Zum Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die späteren Christkatholiken von den Römischkatholiken abwandten und eine eigene Glaubensgemeinschaft gründeten, gings um die Aufteilung des einst gemeinsam beschafften Kirchenschatzes. Die Madonna fiel den Christkatholiken zu. Aber nur drei Jahre nach der Aufteilung des Schatzes sahen sich die in der Stadtkirche verbliebenen Christkatholiken im Jahr 1900 aus Geldgründen gezwungen, die Madonna zu veräussern. Zwar hatten die Römischkatholiken ein Vorkaufsrecht, brachten aber ihrerseits die Kaufsumme innert der gegebenen Frist nicht zusammen. Und so ging die sakrale Figur, um 1750 vom damaligen Oltner Pfarrer Joseph Heinrich in Auftrag gegeben und vom Augsburger Goldschmied Joseph Ignaz Saler geschaffen, an eine Privatperson. Nach deren Tod Mitte der 1930er-Jahre ging die Oltner Madonna als Legat ans Landesmuseum in Zürich. Der Augsburger Saler hat übrigens auch die «Maria Immaculata» in Silber für Aschaffenburg geschaffen, die der Oltner Madonna doch ziemlich ähnlich sieht.

Es ist kein Geheimnis: Die Bemühungen, die Madonna wieder nach Olten zu holen, haben eine lange Geschichte, scheiterten aber nicht etwa, wie man meinen möchte, an den Sicherheitsanforderungen, sondern an jenen in raumklimatischer Hinsicht. Diese konnten vor der Umwandlung ins Haus der Museen nicht erfüllt werden. So legte man die Causa Madonna ad acta. Mit dem Umbau bot sich aber eine neue Chance. Der Kommunikationsprofi und FDP-Kantonalpräsident Stefan Nünlist regte schliesslich an, die Oltner Madonna in die neue Dauerausstellung des Historischen Museums zu integrieren.

Et voilà: Die Bemühungen waren erfolgreich. Das Landesmuseum nämlich begegnete der Leihanfrage aus Olten positiv. Für Luisa Bertolaccini eine Freude, das wertvolle Kulturgut beherbergen zu dürfen: «Die Madonna gehört zu den kulturhistorischen Glanzlichtern der Stadt», meint sie und streift nach einer ersten Überprüfung der Lieferung die Latexhandschuhe ab.

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urs huber

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