Restaurant Bahnhof
Sie ist die gute Seele vom «Gleis 13»

Seit 37 Jahren führt Margrith Hochenwarter das Restaurant Bahnhof. Sie sagt: «I mag Olten, aber im Herzen bin i ä Kärntnerin geblieben.» Und die Konkurrenz sagt über sie: «Sie ist ein Unikat, ich wünschte mir, es gäbe mehr Menschen wie sie.»

Trudi Stadelmann
Drucken
Teilen
Margrith Hochenwarter: «I kimm grad» gehört zu ihren legendären Bemerkungen.

Margrith Hochenwarter: «I kimm grad» gehört zu ihren legendären Bemerkungen.

Bruno Kissling

Beim Wort «Gastroszene Olten» denkt man vielleicht zuerst an die «Felsenburg» oder an den «Salmen». Zu dieser Szene gehören aber auch die Quartierbeizen. Nur, von denen gibt es nicht mehr so viele. Der «Jakobsbrunnen» ist längst Geschichte. Der legendäre «sure Mocke» von der «Traube» ist nur noch Erinnerung. Aber es gibt sie noch, die Quartierbeiz, und es wird sie noch länger geben. Das Restaurant Bahnhof wird seit 37 Jahren von Margrith Hochenwarter geführt. Seit 50 Jahren arbeitet sie in Olten und ist damit ein eigentliches Urgestein der Oltner Gastroszene.

Eine richtige Quartierbeiz

Fragt ein Auswärtiger in Olten nach dem Restaurant Bahnhof, ist die Antwort wohl zumeist ein Schulterzucken. Fällt aber der Name «Gleis drizäh», wissen die meisten, wohin sie den Fremden schicken müssen: zu Margrith Hochenwarter, der guten Seele dieses Lokals, das eben noch eine richtige Quartierbeiz ist.

Aber ihre Gäste kennen sie als Greti. Die gebürtige Kärntnerin ist am 15. Februar 1966 nach Olten gezogen. Zuerst arbeitete sie während dreizehn Jahren im Restaurant National, unter der Wirtin Frau Schneider. «Sie war wie eine Mutter für mich», erinnert sich Margrith Hochenwarter. Und diese Frau hat sie bis heute geprägt.

Auch Gretis jetziges Personal weiss nur Gutes zu berichten. «Sie ist die beste Chefin, die ich mir vorstellen kann», meint eine der Serviertöchter. Wobei: Auch die beste Chefin kann zwischendurch die Stimme erheben.

Spricht man mit Stammgästen, so fallen Worte wie «ihre Salatsauce ist die beste».

Tatsächlich ist das Lokal auch für seine gute Küche bekannt. Von Montag bis Sonntag werden wechselnde Mittagsmenus angeboten. Nicht Nouvelle Cuisine, sondern gutbürgerliche bodenständige Kost. «Bei ihr sind alle willkommen, vom Büezer bis zum Banker, sie behandelt alle gleich», so sagen unisono alle Befragten.

Und so erzählt Greti nicht ohne Stolz, dass vor wenigen Tagen eine kleine Gruppe von Nationalräten und -rätinnen bei ihr zu Gast war. «Stell dir vor, Wermuth, Humbel und Glarner waren hier.» Aber auch diese bekamen wohl ihr legendäres «I kimm grad» zu hören. Diese Worte weisen auf ihre Herkunft, und so sagt sie auch: «I mag Olten, aber im Herzen bin i ä Kärntnerin geblieben.»

Auch die «Konkurrenz» lobt

Aber nicht nur die Stammgäste schätzen Greti. Auch die Konkurrenz in der Nachbarschaft findet lobende Worte. So meint Patriot Avdyli vom «Carbonara»: «Greti, das ist nicht Konkurrenz, wir sind Freunde.» Und Martin Allemann vom «Flügelrad»: «Sie ist ein Unikat, ich wünschte mir, es gäbe mehr Menschen wie sie. Es wäre einfacher und schöner.»

Aber wie kam es zum Namen «Gleis 13»? Dieser ist am Stammtisch entstanden, dies, weil Leute, die das Bahnhofbuffet suchten, oft dort landeten. Weil das Lokal gleich hinter dem eigentlichen Gleis 12 liegt, war der Name schnell geboren. Und so kennt Olten seit Jahren «s’Drizähni». So viel zur Vergangenheit; und was bringt die Zukunft? Greti wird im Oktober siebzig Jahre alt. Aber weder der Stammtisch noch Laufkundschaft muss sich Sorgen machen um eine der letzten Quartierbeizen.

«Ich bin glücklich, dass Oli den Familienbetrieb weiterführt.» Oliver ist ihr Sohn, der seit Juli wieder im Restaurant mitarbeitet. Vorher nahm er sich eine mehrjährige Auszeit und reiste durch Nord- und Südamerika. «Das war wichtig für mich, so bin ich jetzt bereit für diese Aufgabe und weiss, was ich will», meint er. Gerüchte, er werde die Beiz total umkrempeln, weist er von sich. «Das ‹Gleis 13› bleibt eine Quartierbeiz, für Alte und Junge, es ist eine Institution.»

Die Restaurantübergabe von Mutter zu Sohn erfolgt fliessend, schliesslich zählt sich Greti noch lange nicht zum alten Eisen. Und so wird man wohl noch einige Male «I kimm grad» hören und zusehen dürfen, wie sie routiniert ein Bier zapft.

Aktuelle Nachrichten