Olten
Sie haben alle ein Ziel klar vor Augen: eine komplette Sammlung

Besuch an der Herbstbörse des Philatelistenvereins in Olten, wo der Nachwuchs ausbleibt. Dennoch ist die Stimmung aufgeräumt und herzlich. Man kennt sich.

Urs Huber
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Präsident Reinhold Huber, rechts, und Vorstandsmitglied Heinz Kim an der Börse

Präsident Reinhold Huber, rechts, und Vorstandsmitglied Heinz Kim an der Börse

Urs Huber

Draussen am Eingang mahnt eine übergrosse «Rayon I» an die im Hotel Olten stattfindende Briefmarkenbörse des Philatelistenvereins Olten. Sie ist eine jener Briefmarken, die ab 1850 als erste von der schweizerischen Bundespost ausgegeben wurden.

«Rayon I», so ist später drinnen unter dem Fachpublikum zu erfahren, war eine 5 Rappen starke Wertschrift, die für Briefe gültig war, deren Weg zwischen Absender und Empfänger höchstens zwei Stunden oder 9,6 Kilometer betrug. Jä so!

Nicht nur Männerwelt

Es ist eine Männerwelt, die Welt der Briefmarken und Ansichtskarten. «Nicht ganz», verrät Reinhold Huber, seit 15 Jahren Präsident des hiesigen Philatelistenvereins. «Etwa zehn Prozent im Verein sind Frauen», präzisiert er.

Und: In Sammlerkreisen sei die Streuung doch deutlich breiter, Frauen und Männer interessieren sich für all das, was die rund 12 Händler in Schachteln, Bergen von Alben, auf Gestellen in Olten und anderswo zu Markte tragen, darunter Ersttagsbriefe, Marken von Pro Juventute, Pro Patria, Ansichtskarten und sogenannte «Kitschkarten», die irgendwelche romantisierten Bilder zeigen, mit Zierrat besetzt Idylle verbreiten. «Für einen Franken sind sie zu haben», sagt der Händler aus dem Bernbiet und verrät dabei noch, dass auch bei diesen Preisen gefeilscht werde. «Ja, ja, das kommt regelmässig vor», schiebt er hinterher.

Das sei Usanz in diesen Kreisen. Und dass gelegentlich nicht unterschieden werden könne zwischen Mein und Dein ebenso. «Klar kommen Diebstähle vor», sagt der Berner. Aber meist sei das nicht so tragisch. «Die fetten Brocken nehme ich nicht mit an die Börse.» Mit «fette Brocken» meint der Mann die wertvolleren Raritäten, die man solventer Privatkundschaft zeigt. Zu Hause, am Stubentisch, im Büro. Wertvoll? «Ja, so ab 500 Franken», sagt der Händler. Jä so.

Lust auf Vollständigkeit

Was aber treibt den Sammler oder die Sammlerin eigentlich an? Reinhold Huber lächelt. «Eine komplette Sammlung in einem Gebiet vorweisen zu können», sagt er. Das mache Freude.

Der Präsident selbst nimmt sich gleich mehrerer Spezialgebiete an: Marken, welche die stehende Helvetia zeigen, solche mit Helvetia und Schwert, Helvetia im Brustbild. Und er sammelt auch Ansichtskarten; solche die Aarburg, Olten oder Trimbach zeigen. «In Aarburg bin ich aufgewachsen, Olten und Trimbach sind aktuelle oder einstige Wohnorte», erklärt Huber. Diese Sammelpraxis sei weit verbreitet, sagt er noch. Jä so.

Nachwuchssorgen plagen

Daneben werden die Philatelisten von Nachwuchssorgen geplagt. «Zu Beginn meiner Präsidentschaft waren wir noch unserer 180», sagt Huber leicht wehmütig. Heute sinds noch rund 80. «Die Jungen fehlen, besonders hier im Mittelland», weiss er, der seine ganze Freizeit in die Philatelie steckt und zur Frage, wer ihn als Präsidenten ablöse, nur sagt: «Fragen Sie mich was Einfacheres!» Dabei hätte er durchaus Tipps für Einsteiger, die sich begeistern liessen.

«Vorbeikommen, hier um Rat fragen, Anregungen abholen», zählt Huber auf und fügt hinzu: «Briefmarkensammeln muss – entgegen der verbreiteten Meinung – gar nicht teuer sein.» Jä so.

Eine klassische Philatelistenkarriere hat Heinz Kim aus Hägendorf durchlaufen. Dessen Vater war schon mit Briefmarken zugange. «Später hats mir dann den Ärmel so richtig reingenommen», erzählt er. Kim sammelt Luftpostmarken eidgenössischer Provenienz, auch Wertzeichen von Pro Patria und Pro Juventute.

Aber mittlerweile will sich der Mann doch von vielem trennen. Obwohl: Loslassen ist einfacher gesagt als getan. «Aber was ich doppelt und dreifach habe in meiner Sammlung, das kommt jetzt weg», verrät der frühere Automobilexperte. «He ja, mit meinen bald 80 Jahren», begründet er seinen Entschluss. Jä so.