Olten
Sie bewirbt die Eisenbahnstadt Olten und gewann damit gleich eine Grafik-Auszeichnung

Rubina Schafer aus Olten hat die Fachklasse für Grafik in der Stadt Basel mit dem besten Resultat abgeschlossen. Mit ihrer selbstgestalteten Broschüre zur Eisenbahnstadt Olten überzeugte sie die Jury.

Isabel Hempen
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Rubina Schafer hat in der Stadt Basel als beste Grafikerin ihres Jahrgangs abgeschlossen.

Rubina Schafer hat in der Stadt Basel als beste Grafikerin ihres Jahrgangs abgeschlossen.

Bruno Kissling

Du musst ein bisschen Hipster sein. Als Grafiker jedenfalls. Das sagt Rubina Schafer, schwarze Lederjacke, olivgrünes T-Shirt, weite schwarze Stoffhosen, Stoffschuhe, schwarzer Lederrucksack am Rücken. Ein bisschen Hipster ist sie. Und sie hat gerade die Fachklasse für Grafik in Basel abgeschlossen, als Beste ihres Jahrgangs.

Nicht so festgefahren

«Ich hatte mega Glück», sagt die 22-Jährige. Sie ist in Olten aufgewachsen, wohnt immer noch im Bifang-Quartier. Sie lächelt, wie so häufig während des Gesprächs. Ihre eisblauen Augen strahlen unter den dezent geschwärzten Wimpern hervor. Vier Jahre lang besuchte sie die Schule für Gestaltung in Basel. Das Thema der Abschlussarbeit war vorgegeben: «Tourismus Kanton Solothurn». Ein Zufall. Rubina Schafer musste nicht lange überlegen. Sie setzte auf ihre Heimatstadt Olten.

Die Vorgaben: Ein Reiseführer sollte es sein, als Medium kam Print oder Web infrage. Eine Woche stand zur Verfügung für die Erstellung eines Konzepts, eine weitere für die Umsetzung. Rubina Schafer entschied sich für eine gedruckte Broschüre, die die Dreitannenstadt bewerben soll. «Die Idee kam mir, weil es in meiner Klasse immer hiess: Ach Olten, das ist doch nichts», erklärt sie. Von ihren Mitschülern aus der ganzen Schweiz bekam sie das immer wieder zu hören.

Aber Rubina Schafer findet: «Jede Stadt hat doch was Schönes.» An Olten gefällt ihr, dass trotz der geringen Grösse kulturmässig viel laufe. Die Stadt sei nicht so etepetete, und das sollte sich auch in ihrem Design widerspiegeln. «Ich wollte etwas machen, das nicht überheblich wirkt. Sondern authentisch ist und nicht zu viel verspricht.»

Die dünne Broschüre, die sie gestaltet hat, wirkt luftig und frisch. Das Titelblatt zieren ein «Olten»-Schriftzug und eine stilisierte Darstellung des Eisenbahnnetzes. Und die Aufforderung: «Aussteigen und entdecken». Auf der Rückseite: ein ebenso stilisierter Stadtplan der Eisenbahnstadt. Im Innern Blindtext, aber der zählt nicht. Wichtig ist einzig die grafische Umsetzung. Sie folgt auch inwendig einer klaren Linie.

Das Design entspricht dem Zeitgeist. Ihren Stil beschreibt Rubina Schafer als «modern» und «jung». Sie schaue auf Trends, probiere aber immer auch, etwas Eigenes einzubringen. «Ich bin nicht so festgefahren», sagt sie. Experimentieren hält sie für wichtig. «Wenn du nicht experimentierst, entsteht nichts Neues», ist sie überzeugt. Die Freude am Beruf sei ihr nach dem zweiten Ausbildungsjahr gekommen. «Als ich selbstständiger arbeiten konnte, hat es angefangen zu sprudeln.» Die Angst, Fehler zu machen, verschwand.

«Ich dachte, ich schaffe es nicht»

Schon als Kind zeichnete Rubina Schafer gerne. Nach der Kanti in Olten absolvierte sie den Vorkurs an der Schule für Gestaltung Invers, damals noch in Trimbach. An der Schule für Gestaltung in Basel ergatterte sie anschliessend einen von 16 Plätzen in der Fachklasse für Grafik. In Biel und Luzern hatte sie zuvor Absagen erhalten. «Ich stellte meine Bewerbungsmappe im Zug nach Basel vor dem Aufnahmegespräch fertig», erinnert sie sich lachend.

Nun hat sie in der Stadt Basel als beste Grafikerin des Jahres abgeschlossen. «Das ist natürlich eine Bestätigung. Aber ich werde weiterhin gute Sachen abliefern», sagt sie. Gerade hat sie ein halbjähriges Praktikum in Sempach angefangen.

Wohin es sie anschliessend verschlägt, weiss sie nicht. Hauptsache, sie kann sich kreativ austoben. «Ich habe das Gefühl, in der Kulturbranche kann ich die spannendsten Sachen machen. Da bin ich am freisten in der Gestaltung», glaubt sie. Gemerkt hat sie das, als sie drei Monate als Praktikantin in Berlin verbrachte. «Da gefiel es mir mega gut.»

Sie würde wieder hingehen. Oder auch eine Stelle in Zürich antreten. Oder in Bern. «Ein bisschen die Welt anschauen», sagt sie. Aber letztlich, da ist sie sich sicher, würde sie immer wieder nach Olten zurückkehren.

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