Buchpräsentation
Sepp Blatter in Olten: «Niemand ist Prophet im eigenen Land»

Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter war am Mittwochabend zu Besuch in Olten. Er präsentierte sein neues Buch «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball» und stellte sich in einem Live-Talk einigen Fragen.

Raphael Wermelinger
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Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter,Talk-Moderator Andreas Gross und Buch-Autor Thomas Renggi (von links)
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Um die Präsentation dieses Buches ging es: «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball».
Am Mittwochabend präsentierte Blatter das Werk höchstpersönlich beim Weltbild-Verlag in Olten.
Anschliessend an die Präsentation stellte er sich den Fragen im Live-Talk.
In einem knapp einstündigen Talk fühlte Moderator Andreas Gross dem Ex-Fifa-Präsidenten auf den Zahn.
Sepp Blatter präsentiert sein Buch beim Weltbild-Verlag in Olten
Blatter hatte auch was zu lachen

Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter,Talk-Moderator Andreas Gross und Buch-Autor Thomas Renggi (von links)

Bruno Kissling

Sepp Blatter kämpft mit der Veröffentlichung seines neuen Buchs «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball» um sein Ansehen. Sein Renommee hat in den letzten Monaten arg gelitten. Ein Beweis dafür ist das spärliche Interesse an seinem Auftritt beim Weltbild-Verlag in Olten.

Weniger als fünfzig Gäste nahmen die Chance wahr, einmal im Leben den Mann zu treffen, der 18 Jahre Präsident des Fussball-Weltverbands Fifa war. Davor war Blatter während über zwei Dekaden Fifa-Generalsekretär.

«Sepp Blatter hat in den insgesamt 41 Jahren bei der Fifa hervorragende Arbeit geleistet. Jetzt wird seine gesamte Tätigkeit vom Korruptionsskandal überschattet und auf diesen reduziert», fasste Thomas Renggli Blatters Situation zusammen. Der Autor des Buchs ist von der Unschuld Blatters überzeugt: «Ich lege die Hand ins Feuer, dass sich Sepp Blatter nie persönlich bereichert hat.»

Blatter wurde von Alt-Nationalrat Andreas Gross, der den knapp einstündigen Talk moderierte, auch direkt mit den Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Der 80-Jährige sieht sich als Opfer einer Hetzjagd: «Die Medien haben mich vorverurteilt und der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild vermittelt. Obwohl man mir nichts vorwerfen kann. Ich habe mich weder bereichert noch jemanden erschlagen. Ich bin frei von Schuld.»

Er sprach von einem Komplott der Amerikaner, die gerne die WM 2022 ausgetragen hätten. Diese wurde dann aber an den Wüstenstaat Katar vergeben: «Die Amis waren schlechte Verlierer und sind dann auf die Fifa losgegangen.» Thomas Rengglis Mutmassungen gehen in die gleiche Richtung: «Am 2. Dezember 2010 laufen alle Fäden zusammen. Hätte die USA damals den Zuschlag für die WM 2022 erhalten, wäre Sepp Blatter heute noch im Amt.»

«Eine gewisse Wahrheit»

Im Gegensatz zu Michel Platini habe Sepp Blatter gegen Katar und für die USA gestimmt, warf Moderator Andreas Gross ein. Man sage in der Öffentlichkeit nie, wie man abgestimmt habe, entgegnete Blatter. «Aber es steht so im Buch», hakte Gross nach. «Das Buch enthält eine grosse Portion Humor, sogar Ironie», so Blatters vage Antwort.

«Alles, was im Buch steht, hat eine gewisse Wahrheit.» Dass er sich schon bald selbst dem Sportgericht stellen muss, bezeichnet Blatter als paradox: «Die Fifa klagt ihren eigenen Präsidenten an, der so viel Geld reingeholt hat in den letzten Jahren. Das geht doch nicht.»

Schliesslich sei er es auch gewesen, der sich 2011 für eine stärkere Ethikkommission mit einem Untersuchungs- und einem Rechtssprechungsgremium eingesetzt habe. «Die Geister, die ich rief, sind jetzt da. Das Erste, was die Ethikkommission gemacht hat, war, mich zu entlassen.»

Aus dem Publikum kam die Frage, was mit den ominösen zwei Millionen Franken war, welche die Fifa an Michel Platini überwiesen hat. Blatter wusch sich erneut in Unschuld: «Nicht ich, sondern die Fifa hat Platini das Geld gegeben.» Es habe sich um ausstehende Löhne gehandelt. «Wir haben nur Schulden beglichen, und das steht so auch alles in der Abrechnung drin.»

Ist Sepp Blatter jetzt ein Guter oder ein Böser? Beim Publikum in Olten kam der Walliser jedenfalls gut an. Die Zuhörer nahmen ihm die Rolle des Opfers in einer Hetzjagd ab.

Schliesslich ist sein Verdienst für den Fussball unbestritten. Elf Mitarbeiter hatte die Fifa, als Blatter das Ruder übernahm. Mittlerweile sind es 450 Festangestellte. Als er 1998 zum achten Präsidenten der Fifa gewählt wurde, wies der Weltverband einen Schuldenbetrag von rund 20 Millionen Dollar aus.

Heute steht die Fifa mit einem Vermögen von 1,5 Milliarden da. Vor allem in Asien und Afrika, wo die Fifa seit den Neunzigerjahren viel Entwicklungsarbeit geleistet hat, wird Sepp Blatter immer noch wie ein Staatschef empfangen.

«Niemand ist Prophet in seinem eigenen Land», so Blatter. Er stellte aber sogleich klar, dass es nur die Journalisten seien, die auf ihn losgingen. «Auf der Strasse wurde ich noch nie angepöbelt. Im Gegenteil, die meisten Leute grüssen mich freundlich.»

Thomas Renggli untermauerte dies mit einer Anekdote: «Wir machten einen Ausflug aufs Jungfraujoch. Schon in Lauterbrunnen brach der Verkehr zusammen, weil alle Selfies mit Sepp Blatter machen wollten. Die Eiger-Nordwand war dann auch nicht mehr die Hauptattraktion.»

Den schlechten Ruf, den Blatter bei den Medien habe, sei nicht so leicht zu reparieren, fügte Renggli an. Sepp Blatter selbst ist überzeugt, dass er seine Reputation zurückgewinnen wird: «Meine Hoffnung liegt auf der Wahrheit. Ich glaube daran, dass nach diesem Tsunami, der die Fifa erschüttert hat, doch noch Gerechtigkeit gesprochen wird.»