Schönenwerd
Seoner Immobilienfirma interessiert sich für Kosthaus

Das ehemalige Bally-Kosthaus steht kurz vor dem Verkauf. Die Bromer Immobilien AG aus dem aargauischen Seon hat Interesse bekundet.

Beat Wyttenbach
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Die Bromer Immobilien AG aus dem aargauischen Seon möchte das Gebäude einer Umnutzung zuführen.

Die Bromer Immobilien AG aus dem aargauischen Seon möchte das Gebäude einer Umnutzung zuführen.

Ueli Wild

Zurzeit ist es noch Teil der Konkursmasse der Kosthaus Immobilien AG von Sozialunternehmer Miodrag Stojanovic, dem das kantonale Amt für Soziale Sicherheit im August 2010 die Betriebsbewilligung für seine Betreuungsinstitution Waldheim AG nicht mehr erneuert hatte. Für das Kosthaus und einige dazugehörende Nebengebäude - Parkstrasse 32, 34 und 36 - liegt ein schriftliches Kaufangebot über 4,767 Mio. Franken vor, wie das kantonale Konkursamt im Amtsblatt publiziert hatte. Am Kauf interessiert ist die Bromer Immobilien AG, Seon AG, wie deren Geschäftsleiter René Brogli auf Anfrage bestätigte.

Was Brogli aus dem Gebäude machen würde, konnte er aber nicht sagen. «Das wissen wir selber noch nicht, aber ich bin zuversichtlich, dass es etwas Handfestes sein wird.» Er verwies dabei auf die alte Kleiderfabrik Ritex in Zofingen, in der heute die Postfinance einquartiert ist. Der Homepage (www.bromer.ch) ist weiter zu entnehmen, dass die Bromer Immobilien AG in der Region recht aktiv ist, unter anderem verkauft respektive vermietet sie Liegenschaften in Olten (Höhenstrasse West) und Winznau (Rennweg). Zudem hat das Unternehmen den ehemaligen abgebrannten Gourmettempel «Kaltenherberge» in Roggwil BE nach dessen Wiederaufbau in ein Kunsthaus umfunktioniert.

Denkmalschutz

Das Kosthaus steht unter Denkmalschutz, entsprechend darf an dem Gebäude nicht alles verändert werden, wie Stefan Blank, Chef des Amts für Denkmalpflege, auf Anfrage erklärte. «Die Substanz der historisch relevanten Teile muss erhalten bleiben», machte er klar. Dies betreffe insbesondere die Struktur, den Grundriss, die beiden Treppenhäuser und die Fassade. «Wir legen grossen Wert darauf, dass dies intakt bleibt», so Blank.
Und: Bei jedem Konzept, das der Investor vorlege, müsse das Amt involviert sein. Speziell, was die Fassade betrifft, seien auf der Rückseite - also Richtung Parkstrasse hin - grössere Eingriffe möglich, «aber auch hier im Rahmen eines tauglichen Gesamtkonzepts, das mit uns abgesprochen werden muss. Das Konzept muss sich in jedem Fall dem Gebäude unterordnen».

Zur Zone rund ums Kosthaus hielt der Denkmalschützer des Kantons ergänzend fest, dass der Bally-Park «keinesfalls beeinträchtigt werden darf». Ein Neubau auf dem Gelände schliesslich sei nicht à priori auszuschliessen, aber auch hier seien die Möglichkeiten beschränkt. (bw)

«Dem Gebäude gerecht werden»

Schönenwerds Gemeindepräsident Peter Hodel zeigte sich erfreut darüber, dass ein Kaufinteressent für das Kosthaus vorhanden ist. «Die Gemeinde begrüsst dies. Es ist gut, wenn wieder Leben in das Haus kommt», meinte er. Jedoch forderte er, dass die künftige Nutzung der Geschichte des Gebäudes gerecht werden soll. Dabei solle auch Rücksicht genommen werden auf den öffentlich zugänglichen Bally-Park. Zudem müsse der neue Nutzer auch die Immissionen mit einbeziehen, die sich durch die benachbarten KMU-Betriebe an der Parkstrasse ergäben. «Dies wurde ihm seitens der Gemeinde auch so mitgeteilt», hielt Hodel fest.

Aus Sicht des Präsidenten der Einfachen Gesellschaft Bally-Park, der das Parkgelände ohne das Kosthaus gehört (die Einwohner- und Bürgergemeinden von Gretzenbach, Niedergösgen und Schönenwerd, Anmerkung der Redaktion), meinte Hodel: «Der Park ist ein Bijou. Und aus Sicht der Einfachen Gesellschaft soll das Gebäude als Teil des Parks erhalten bleiben und seinen öffentlichen Charakter behalten». Park und Kosthaus gehörten als eine Einheit zusammen, deshalb sei es wichtig, dass ein künftiges Nutzungsvorhaben darauf abgestimmt werde. Hodel stellte dabei in Abrede, dass vonseiten der Gesellschaft jemals eine Absicht bestanden habe, das Gebäude zu kaufen. «Es ist für uns finanziell einfach nicht machbar. Zudem lässt das Konstrukt der Einfachen Gesellschaft dies gar nicht zu», erklärte Hodel.

«Ensemble soll erhalten bleiben»

Ganz ähnlich sieht es Philipp Abegg, Präsident der Stiftung für Bally- Familien- und -Firmengeschichte: «Unser Wunsch ist, dass das Ensemble, das das Kosthaus einerseits mit dem Parkgelände und andererseits mit den übrigen ehemaligen Bally-Gebäuden an der Parkstrasse bildet, erhalten bleibt.» Die Nutzung als solche sei für die Stiftung sekundär, «wenn sie sich sorgfältig vollzieht».

Er räumte ein, dass sich auch die Stiftung für den Kauf des Kosthauses interessiert habe; dies auf einer Non-Profit-Basis. «Aber das wäre nur gegangen, wenn der Verkaufspreis deutlich tiefer angesetzt worden wäre, als dies momentan der Fall ist», schränkte er ein. Die Räumlichkeiten hätte man für Ausstellungen, als Archiv oder für Büroeinheiten nutzen wollen. Auch Events, Generalversammlungen oder Tagungen wären auf den insgesamt 5000 m2 Fläche denkbar gewesen, ja sogar die Eröffnung eines Cafés. - Wie sich die Umnutzung gestalten wird, wird also die Zukunft zeigen. René Brogli seinerseits zeigte sich überzeugt, dass niemand anders das Kosthaus erwerben wolle.

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