Olten

Senioren ziehen auf Berg: «Wenn man oben ist, bessert es sicher» sagen sie.

Einsteigen bitte! Die Fahrt auf den Allerheiligenberg wird im Car und über Langenbruck absolviert.

Einsteigen bitte! Die Fahrt auf den Allerheiligenberg wird im Car und über Langenbruck absolviert.

Bis am Mittwoch ist der Umzug der Bewohner vom Alters- und Pflegeheim Stadtpark auf den Allerheiligenberg abgeschlossen.

«Geschlafen?», fragt der 66-jährige Peter Loeb. Und dann: «Sehr gut, ich könnte nicht klagen.» Peter Loeb gehört zu jenem Drittel der rund 80 Pensionärinnen und Pensionäre, die bereits am Montag auf den Allerheiligenberg gezogen sind. Rund anderthalb Jahre hat er zuvor im Alters- und Pflegeheim Stadtpark zugebracht, welches nun wegen Bau- und Sanierungsarbeiten für rund zwei Jahre geschlossen wird, dessen Bewohner darum in den Räumlichkeiten der ehemaligen Klinik Allerheiligenberg ob Hägendorf untergebracht werden. Im Vorbeigehen fragt er Heimleiterin Sandra Zimmerli nach Zigaretten. Seine angebrochene Packung ist fast leer. Und – siehe da, selbst daran hat die Heimleitung gedacht. «Im Moment hab ich sie nicht griffbereit, aber ich besorge Ihnen welche», sagt die Heimleiterin heiter. Und nur wenig später kehrt sie zurück, eine frische Packung in Händen. «Ich glaube nicht, dass ich die Stadt vermissen werde», sagt Peter Loeb noch auf die Frage, obs ihm hier oben gefalle. «Der Umzug hat mir Spass gemacht.»

«Vor uns hergeschoben»

Nicht alle Heimbewohner blicken dem Umzug so positiv entgegen. Gestern Dienstag etwa warteten Ruth Weibel (1933) und Ella Young (1925) im Frühstücksraum sitzend auf ihre Umzugsfahrt. «Über die Züglete haben wir beide gar nie geredet», meint Ruth Weibel. «Die haben wir immer vor uns hergeschoben.» Beide lachen. Noch nie, betonen sie, hätten sie jemanden positiv über das Bevorstehende reden hören. «So etwas sorgt bereits im Vorfeld für eine gewisse Unruhe», sagt Ella Young. Die ertrage man in einem gewissen Alter eben weniger gut. Aber schliesslich gelte es, sich dreinzuschicken. «Wenn man oben ist, bessert es sicher,» schiebt die fast 90-Jährige, die einst in Kanada lebte und als tuberkulöses Kind bereits auf dem Allerheiligenberg weilte, mit leiser Wehmut hinterher.

Bewohnerinnen und Bewohner sicher an ihren neuen Ort bringen, ist das eine. Das andere ist der Transport der ganzen betriebsinternen Infrastruktur und die der Bewohner. «Es ist sicher hilfreich, wenn man sich auf ein solches Vorhaben logistisch gut vorbereitet», sagt Claudia Häberli, Leiterin Pflegedienst. Und die intensiven Vorbereitungen, die bereits letztes Jahr starteten und sich in diesem Jahr intensivierten, haben sich gelohnt. Der ganze Umzug verlaufe gar viel besser als erwartet, meint Heimleiterin Sandra Zimmerli. Eigentlich sei für Mittwoch ein umzugsfreier Tag vorgesehen gewesen: «Aber nun kommen wir dermassen gut vorwärts, dass nach drei Tagen alles vollzogen ist.» Mitgeholfen bei der logistischen Meisterleistung hat neben der Umzugsfirma Jost aus Reinach BL auch eine Reihe von Zivilschutzdienstleistenden. «Wir haben Wert gelegt auf das Engagement einer Umzugsfirma, welche sich im Umzug von Heimen auskennt», sagt Sandra Zimmerli. Und die zupackenden Hände der Zivilschützer werden ebenfalls gelobt. «Es klappt alles wirklich wunderbar», erklären Häberli und Zimmerli unisono.

Packen und einsteigen

Kurz vor neun Uhr machen sich gestern Dienstag weitere 25 Heimbewohner auf den Weg Richtung Allerheiligenberg. Die vor dem Haus parkierten Umzugswagen füllen sich. Es mutet etwas nach Schulreise an; eine gewisse Aufregung unter den Senioren ist spürbar, aber alles in einem gemächlichen Gang. Ein paar von ihnen schaffen den Einstieg in den Car noch über die gängige Treppe, andere lassen sich via Hebebühne aufs Einstiegsniveau bringen, von wo ihnen helfende Hände entgegenrecken. Einige wollen unbedingt mit ihrem Rollator in die Höhe gehievt werden, anderen genügen beruhigende Worte und vertraute Gesichter. Und während sich der Bus langsam mit Passagieren füllt, werden Gehstöcke, Handtaschen oder Schals nachgereicht und komplettieren die Reisegesellschaft allmählich.

Voraus dann fahren die Packwagen, die auf dem Allerheiligenberg zügig ausgeladen werden. Schliesslich wollen die Senioren nach dem Mittagessen möglichst rasch ihre Zimmer beziehen können. Ein Teil von ihnen wird dort zwar auf den sonst üblichen Komfort der zimmereigenen Nasszelle verzichten müssen; nicht aber auf vertraute Gesichter wie die der Coiffeuse oder der Podologin. Die sind nämlich mitgekommen. «Ganz wichtige Personen für unsere Bewohner», sagt Sandra Zimmerli.

Zweigleisiger Betrieb

Noch bis heute Mittwoch fährt man im Stadtpark zweigleisig. Kochen, essen pflegen, betreuen in Olten und auf Allerheiligen. Rund 100 Mitarbeitende kümmern sich um die Senioren, die mit einem Gottesdienst Abschied genommen haben von ihrer alten Bleibe. «Auch das war ein sehr wichtiger Moment im ganzen Prozess», weiss Sandra Zimmerli. Immerhin vier Bewohner wollten sich den Umzug nicht antun und haben andere Lösungen gefunden. Selbst eine Rückkehr in familiäre Kreise kam vor. Auch zwei Angestellte des Heims haben ihre Stelle deswegen gekündigt. «Der Arbeitsweg für nicht Autofahrende ist durch den Umzug natürlich schon etwas komplizierter geworden», erklärt die Heimleiterin.

Die Infrastruktur auf Allerheiligen jedenfalls ist bereit. Selbst das Telefonsystem ist das Alte geblieben. «Das wollten wir nicht wechseln. Alle Oltner Nummern bleiben auch hier auf dem Berg gültig», sagt Sandra Zimmerli. Nur eine von vielen Problemstellungen, für die im Verlauf der ganzen Umzugsaktion eine Lösung gefunden werden musste.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1