Dieses Frühjahr hat Susanne Kunz unerwartet die Stelle verloren. Mit 59 Jahren. Nach dem Schock stellte sie fest: Es gibt viele Arbeitslose über 50 wie sie. Jetzt gründet sie eine Selbsthilfegruppe, die sich ab Ende November in Olten treffen wird.

«Es war verletzend und machte mich traurig und wütend.» 12 Jahre hatte sie in einer Führungsfunktion bei einer Nonprofitorganisation gearbeitet. Die Organisation wuchs, der Vorstand holte einen externen Organisationsberater. Am Schluss stand die Neubesetzung der Leitung.

«Die Bestandesaufnahme war gut, aber die Schlussfolgerung fand ich nicht so toll», sagt Kunz. Aus ihrer Sicht wäre es möglich gewesen, das geforderte Management-Know-how anders hereinzuholen – zum Beispiel durch eine temporäre Unterstützung, durch Weiterbildung. Aber Berater und Vorstand hätten sich gegen sie entschieden. «Es war kein Prozess, ich wurde nicht einbezogen. Der Entscheid wurde mir Knall auf Fall mitgeteilt.»

Den Namen der Organisation will sie nicht in der Zeitung lesen, sie will ihr nicht schaden: «Die Arbeit, die gemacht wird, ist gut und die Mitarbeiterinnen sind toll.» Und: «Immerhin sprachen wir darüber und ich konnte mich verabschieden. Es gibt unmenschlichere Beispiele.»

Stellen gibt es viele, aber …

Eine neue Stelle hat Susanne Kunz bisher nicht gefunden. «Meine heutige Arbeit ist: Bewerbungen schreiben.» Sie habe realistische Vorstellungen und suche keine Führungsposition. «Es gibt tolle Stellen auf dem Markt. Ich würde jede nehmen, für die ich mich beworben habe.» Dennoch wurde sie noch zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen – trotz lückenlosem Lebenslauf und guten Zeugnissen. Die Begründung der Absagen sei meistens nichtssagend. Sie selbst kommt zum Schluss: «Es ist wohl schon das Alter.»

Eines hat Susanne Kunz festgestellt, seit sie selber betroffen ist: «Es gibt viele Arbeitslose über 50, und ab 60 eine Stelle zu finden ist noch schwieriger.» Im Austausch habe sie gemerkt, dass viele verstimmt, niedergeschlagen und deprimiert seien. Es gibt Fälle von Suizid.

Das muss nicht sein, findet Susanne Kunz. Sie selbst ist Mitglied des Vereins 50plus outIn work, der sich den Arbeitslosen über 50 widmet und Betroffene vernetzt (www.50plusoutinwork.ch). Die nächstgelegene Gruppe ist aber in Brugg. In Olten, wo Kunz vom RAV betreut wird, gibt es kein solches Angebot. So entschloss sich die Schönenwerderin, eine neue Selbsthilfegruppe in Olten zu gründen und zu leiten. «Ich habe Zeit und Kraft dafür», sagt sie. «Und ich habe Erfahrung im Leiten von Gruppen.» Unterstützt wird sie von der Kontaktstelle Selbsthilfe im Kanton Solothurn.

Austausch pflegen und Ideen holen

Was kann das Mitmachen in einer Selbsthilfegruppe bringen, wo man auf Männer und Frauen in einer ähnlichen Situation trifft? Wird man da nicht noch tiefer ins Elend gezogen? «Wenn das so ist, wird es die Gruppe wohl nicht lange geben», lacht Susanne Kunz. Sie verspricht sich vielmehr gegenseitige Ermutigung. In der Gruppe soll es möglich sein, über die Gefühle von Wut, Angst und Enttäuschung zu sprechen, sich aber auch Ideen für erfolgreiche Bewältigungsstrategien zu holen. Wertschätzung und Mitfühlen zu erfahren, sei wertvoll. Es gebe auch positive Beispiele von Betroffenen, die wieder eine Stelle fanden. Kunz hat einen Bekannten, der sich selbstständig machte.

Für Susanne Kunz steht fest: «Arbeit soll nicht das Einzige sein, was im Leben zählt.» Darum findet sie, auch an die Adresse derer, die (noch) Arbeit haben: «Es ist ganz wichtig, was man neben der Arbeit noch hat.» Auch im Hinblick auf die Pensionierung seien Nebenbeschäftigungen sinnvoll.

Für sie selbst war nach dem Schock des Stellenverlusts die Unterstützung von Familie, Freunden und der Kirchgemeinde wichtig, auch der Hund und die Hobbys helfen ihr. Als Freiwilligeneinsatz in ihrer Freikirche engagiert sie sich beim Kirchenkaffee und in der Leitung der Seniorenferien. «Wenn man jemandem etwas helfen kann, haben beide etwas davon.»

Rentenalter erhöhen? «Ein Witz»

Unbezahlte Arbeiten anzunehmen, findet sie allerdings nicht das richtige Rezept. «Das führt dazu, dass die Alten das Gleiche unbezahlt machen sollen.» Kritisch äussert sich Susanne Kunz auch zu den aktuellen Bestrebungen auf politischer Ebene, das Rentenalter zu erhöhen. «Das ist ein Witz», findet sie mit Blick auf die Realität des Arbeitsmarktes: «Dann fallen noch mehr ältere Leute aus der bezahlten Beschäftigung.» An Gesprächsstoff wird es in der Selbsthilfegruppe nicht fehlen.