Kirchgemeinde Olten
Selbst der Stellenetat steht zur Debatte – der rigorose Sparkurs sorgt für Kritik

An ihrer Budgetgemeindeversammlung haben die Stimmberechtigten der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Olten dem Verkauf von Stockwerkeigentum an der Jurastrasse knapp zugestimmt. Der rigorose Sparkurs ruft Kritik aus den eigenen Reihen hervor.

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Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde verkauft ihr Stockwerkeigentum im Jurahof.

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde verkauft ihr Stockwerkeigentum im Jurahof.

Bruno Kissling

Soll man einen Teil des Familiensilbers veräussern? Oder anstelle dessen nach anderen Einnahmequellen suchen? Eine der Fragen, welche die Gemeindeversammlung der evangelisch- reformierten Kirchgemeinde Olten umtrieb. Denn weder die Zahlen zum Budget 2021 noch jene in die weitere Zukunft verheissen Gutes. Konkret: Der Kirchgemeinderat geht fürs kommende Jahr von einem Aufwandüberschuss von knapp 120'000 Franken und Netto investitionen von 450'000 Franken aus.

Bei sinkenden Mitgliederzahlen und ebensolchen Erträgen notabene. Gingen in der Rechnung 2019 und bei 8567 Mitgliedern noch 4,5 Mio. Franken ein, so rechnet die Kirchgemeinde im kommenden Jahr mit 8220 Mitgliedern und Steuereinnahmen von 4,1 Mio. Franken. Auch die Beiträge aus dem kantonalen Finanz ausgleich sind geschmolzen und haben sich seit 2019 um 370'000 Franken auf 154'000 Franken verringert. Unter solchen Vorzeichen, das wurde mehr als einmal hervorgehoben, stehe auch der Stellenetat zur Diskussion. Nicht nur Kirchgemeinderatspräsident Peter Schweri liess dies durchblicken.

Fachschaft Musik wehrte sich

Der Stellenetat hatte denn auch schon vor der Budgetdebatte zu Verwerfungen geführt und noch an der Gemeindeversammlung für Wortmeldungen gesorgt. Stichwort: Organistenpensen. Eine Vollzeitstelle wurde auf Intervention der Fachschaft Kirchenmusik nicht, wie vom Kirchgemeinderat vorgeschlagen, um 50 Prozent gekürzt, sondern um 25 Prozent. Ein Kompromiss. Die Fachschaft hatte dem Rat vorgehalten, bei der Pensenfrage nur ungenügend einbezogen worden zu sein. Offenbar hatte es in den beiden Lagern unterschiedliche Beurteilung in der Auslastung der Pensen gegeben.

Guter Rat war grundsätzlich teuer an diesem Versammlungsabend: Um den sinkenden Einnahmen zu begegnen und Schulden zu tilgen, hatte der Rat auch vorgeschlagen, das Stockwerkeigentum in der Liegenschaft Jurastrasse 20 in Olten zu veräussern. Der zu erwartende Erlös: zwischen 800’000 und 900’000 Franken. Das Familiensilber; oder zumindest ein Teil davon.

Büros neu bei der Friedenskirche

Mit dem Verkauf des Stockwerkeigentums an der Jurastrasse 20 in Olten bezieht die Administration Räumlichkeiten bei der Friedenskirche. Dafür wird die Sigristenwohnung umgebaut. Auch der administrative Arbeitsort von Pfarrerin Melanie Ludwig ist dort angesiedelt.

Weiter werden die Räumlichkeiten der Pfarrwohnung bei der Pauluskirche umgebaut, wo weitere kirchliche Einrichtungen Platz finden. Die Umbauten, mit 130'000 Franken veranschlagt, wurden von der Versammlung gutgeheissen. Das Bedauern über die im Fall von Pfarrerin Ludwig erfolgte geografische Trennung von Wirkungs- und Administrationsort blieb in weiten Kreisen der Versammlung spürbar. (hub)

Ein knappes Mehr für den Verkauf

Ein Geldbeschaffungsvorschlag, der mit 18 Stimmen, eine Stimme über dem absoluten Mehr, eine hauchdünne Mehrheit fand. Béatrice Temperli etwa hatte zuvor angeregt, andere Finanzquellen zu erschliessen: «Es ist etwas unpopulär, aber warum nicht Steuererhöhungen?» Schweri erklärte, dass dieser Schritt allenfalls zu noch mehr Kirchenaustritten führen würde. «Austritte erfolgen meist, wenn die Steuerrechnung kommt», schickte er hinterher.

Jenseits davon: Nicht wenigen schien das Geschäft generell zu wenig transparent vorgestellt: Verlangt etwa wurde Auskunft danach, wie denn die Rechnung bei einer Vermietung aussehen würde. «Mietertrag zwischen 3500 bis 4000 Franken monatlich», gab Schweri zu verstehen. Schon beim Eintreten aufs Geschäft hatte er auf eines hingewiesen: Vom Immobilienfachmann dahin gehend beraten worden zu sein, die Verkaufschancen seien grösser als die Chance auf Vermietung.

Störend empfunden wurde auch, dass Pfarrerin Melanie Ludwig ihre Wohnung an der Grundstrasse verlassen musste, obwohl der Entscheid zum Verkauf des Stockwerkeigentums zum damaligen Zeitpunkt noch nicht beschlossene Sache war. Die Frage blieb unbeantwortet.

Aufschlussreich war noch der von Ratsmitglied Johan Post präsentierte Finanzplan bis 2025: Auch Post sah Veränderungen im Stellenetat vor der Tür stehen. Ändert sich nichts im Haushalt, so schmilzt das Eigenkapital der Gemeinde von aktuell 1 Mio. auf 150'000 Franken zusammen.

Neben Budget, Investitionen für Kirchturmsanierung Friedenskirche (305'000 Franken) sowie Sanierung Orgel Zwinglikirche Dulliken (50'000 Franken) hiess die Versammlung auch den unveränderten Steuerfuss von 18 Prozent der einfachen Staatssteuer gut.

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