Nein, die Papapalagi Gugge aus Olten setzt andere Prioritäten, als etwa die Herkunft ihres Zungenbrechernamens ein für allemal zu klären. Ei, warum nur? Zu Recht. Insider nennen sie doch nur «Lagis». Aber: Zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringt Raphael Belser, seit sechs Jahren bei der Gugge mit von der Partie und seit drei Jahren auch deren Präsident. Er lacht: «Also ganz klar ist die Sache nicht», gesteht der Euphoniumspieler. «Da gabs vor ein paar Jahrzehnten mal ein ziemlich populäres Buch über einen Südseeindianerhäuptling mit dem Titel ‹Der Papalagi›.

Und dann soll auch noch eine damalige Fasnachtsgrösse aus dem Oltner Schöngrundquartier ihre Finger bei der Namensgebung mit im Spiel gehabt haben.» Belser lächelt, als ob er selbst nicht so richtig an die Geschichte glauben könne. Halt auch schon lange her; vier Jahrzehnte. Da war der heute 27-jährige gelernte Diätkoch am hiesigen Kantonsspital noch nicht mal auf der Welt. Wie die Zeit vergeht.

Ziemlich unaufgeregt

Aber eben: Heuer feiert die Gugge ihren 40. Geburtstag. Mit allem fasnächtlichen Drum und Dran; aber das machen die «Lagis» sowieso jedes Jahr: feiern nach eigenem Gusto. O. k., ein paar Supplements gibts schon zum Geburtstag: Eine mehrtägige Jubireise, deren Ziel geheim gehalten werden soll, da etwa ein Special, dort ein Goodie. Eine besondere Maske, ein Kostüm auch. Sieben unterschiedliche Kopftypen werden es sein, die ebenso viele unterschiedliche Stimmungen vertreten.

Darum lassen die «Lagis» für einmal die Rohlinge auswärts kleben, sorgen lediglich noch für den Feinschliff, das Endtuning: Farbe halt, Haare, Zuschnitt, Mütze. Die Kostüme dagegen werden in Eigenarbeit hergestellt. Heuer sollen sie eher einfacher Art sein, wie Belser meint. «Das jedenfalls hat meine Mutter gesagt, die stets für mein Kostüm besorgt ist.» Belser sagt das alles ganz unaufgeregt, schon fast nüchtern. Exaltiertheit bei den «Lagis» – Fehlanzeige. «Wir sind nicht eine derart traditionsorientierte Gugge, wir erzwingen nichts, sind stark auf Mitsprache im Verein aus», sagt er. Die Fünf mal grad sein lassen, fällt einem da ein. Belser nickt.

«Fisch» als Lieblingsstück

Es lässt sich mit fast allen Guggenvertretern trefflich über das musikalische Rüstzeug reden. Belser macht da keine Ausnahme. Woher die heutige Versessenheit nach dem perfekten Sound kommt, ein gespieltes fis anstelle eines f schon als fasnachtsakademische Musikkatastrophe empfunden wird, ist auch für ihn ein Rätsel, der den «Fisch» zu seinem Lieblingsstück erklärt: Fisch? «Ja», sagt Belser, «das Stück ‹Stand By Me› von Ben E. King haben wir so oft gespielt, dass es schliesslich abgegriffen und ausgelutscht wirkte und als Metapher gesehen fast zu stinken begann. So bekam es eben den Namen Fisch.»

Er lacht, findet den «Fisch» noch heute gut. Ein eigentlich melancholisches Stück, gewiss nicht der Archetyp eines Gassenhauers. «Lagis» haben eben allen Fazetten drauf. Musik, die erhellt. «Wir probieren immer wieder Stücke, die man kennt und – die wir auch gerne spielen», sagt Belser, übrigens einer von lediglich acht Männern bei den «Lagis». Heutige Hits hätten sehr viel Elektrosound dabei. Das sei für eine Gugge fast nicht mehr zu spielen.

Mehr wäre besser

Aktuell zählen die «Lagis» 27 Köpfe, darunter 19 Frauen. «In den letzten Jahren sind keine Männer zu uns gestossen», schmunzelt Belser. Wo die Männer denn abbleiben? «Mag sein, dass die Guggi diese anzieht», scherzt Belser. Die Guggi ist nämlich eine reine Männer-Gugge. So wünscht sich der gebürtige Winznauer eben ein paar «Lagis» mehr. Denn auch Gugge kennen mittlerweile leise Nachwuchssorgen. «Es ist offenbar nicht mehr so angesagt bei den Jungen», mutmasst Belser. «30 bis 35 Aktive, das wäre optimal», sinniert er. Und warum nicht mehr? «Je grösser die Gugge, desto eher entstehen Untergruppen», weiss der Präsident. Und das sei nicht optimal für den inneren Zusammenhalt. Guggen sind wie alle Gruppen komplexe Sozialgefüge mit lebendiger Eigendynamik.

Und Wünsche für die nächsten 40 Jahre? Belser stutzt nicht mal bei der Frage. Am Fortbestand der «Lagis» arbeiten. Das ist schon schwer genug. «Es steckt doch ziemlich viel Zeit dahinter», sagt er noch. Belser ist bereit, die Stunden und Tage zu investieren, damit man in 40 Jahren wieder fragt: Woher kommt eigentlich der Name Papapalagi?

Raphael Belser, Präsident Papapalagi: «Wir sind nicht eine derart traditionsorientierte Gugge, wir erzwingen nichts.»

Raphael Belser, Präsident Papapalagi: «Wir sind nicht eine derart traditionsorientierte Gugge, wir erzwingen nichts.»