Fernsehstudio

Seit 25 Jahren wird Sendung «Fenster zum Sonntag» in Wangen bei Olten aufgezeichnet

Einem 14-köpfigen Team steht in der Ey ein professionell eingerichtetes Fernsehstudio mit Schnittplätzen und allem Drum und Dran zur Verfügung.

Einem 14-köpfigen Team steht in der Ey ein professionell eingerichtetes Fernsehstudio mit Schnittplätzen und allem Drum und Dran zur Verfügung.

In der Ey in Wangen bei Olten gibt’s seit 30 Jahren ein Fernsehstudio. Seit genau 25 Jahren produziert hier Alphavision die Sendung «Fenster zum Sonntag».

«Wir zeigen, was das Leben zu bieten hat», sagt Mike Bischoff. Er ist Chefredaktor der Fernsehsendung «Fenster zum Sonntag», die heute vor exakt 25 Jahren zum ersten Mal im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. Über Geschichten und Schicksale wolle man aus christlicher Perspektive berichten, sagt er. Weder «Glanz und Gloria» noch «10vor10» konkurrenzieren. «Die Leute für schwierige Themen sensibilisieren, das gehört bei uns dazu. Aber den investigativen Journalismus überlassen wir lieber den Leuten, die es besser können.»

Von der Schreinerei zum Fernsehstudio

In dem unauffälligen Haus, wo jetzt klein «Wollywood» Zuhause ist, war früher eine Schreinerei untergebracht. «Vor 35 Jahren wurde die Produktionsfirma Alphavision gegründet, vor 30 Jahren sind wir hier mit unserem Studio eingezogen und seit 25 Jahren ist das ‹Fenster zum Sonntag› im Schweizer Fernsehen auf Sendung», erzählt Peter Stolz, Mitglied der Geschäftsleitung der Alphavision AG, aus der Geschichte des heute jubilierenden Unternehmens.

Mit «Bibelstunde» und «Frömmler-TV» wurde das «Fenster zum Sonntag» in der Zeitung mit den besonders grossen Lettern damals betitelt. «Am Anfang gab es tatsächlich Befürchtungen, dass wir ein Sektenfernsehen sein könnten oder dass es sich um einen Prediger handeln könnte, der Spendenaufrufe lanciert», blickt Stolz zurück. «Man stellte uns in den beiden ersten Jahren eine Expertenkommission zur Seite, welche die Inhalte kontrollierte. Erst dann attestierte man uns, dass wir ungefährlich sind, und erteilte uns die definitive Konzession.»

«Es geht mir nicht um Religion, sondern um eine moderne Sicht auf den Glauben.» So erklärt Moderatorin Aline Baumann ihr ebenfalls bereits 15-jähriges Engagement beim christlichen Fernsehprogramm. «Ich begann mich als Teenager für den Glauben zu interessieren und spürte, wie Kirchenbesuche mein Leben positiv beeinflussten.»

Moderatorin Aline Baumann bereitet sich im Studio auf die Aufnahme vor.

Moderatorin Aline Baumann bereitet sich im Studio auf die Aufnahme vor.

Positives dem Negativen gegenübergestellt

«Das Schöne an unserer Sendung ist die positive Nachricht. In den Medien wird sehr viel Negatives gezeigt. Es ist wichtig, dem etwas gegenüberzustellen. Es ist nicht immer alles nur schlimm, es gibt auch Hoffnung», sagt Baumann. Sie spricht vom Glauben als Lebenshilfe. «Wir suchen den anderen Ansatz, wollen relevante Gesellschaftsthemen aufgreifen und hoffnungsvolle Ansätze aufzeigen.» Dem 14-köpfigen Team stehen dafür ein professionell eingerichtetes Fernsehstudio mit Schnittplätzen für die digitale Produktion sowie die komplette Infrastruktur für redaktionelles Arbeiten zur Verfügung.

Wäre es ein muslimisches Fernsehen, würde man fragen, ob das Geld dafür von Fundamentalisten aus Saudi-Arabien komme. Welche Interessen verfolgen aber die Geldgeber eines christlichen Senders? «Wir sind redaktionell absolut unabhängig und bekommen von den Landeskirchen kein Geld», sagt Stolz. Auch aus dem Topf der obligatorischen Fernsehgebühren, die jeder Haushalt bezahlen muss, komme nichts, betont er. «Wir sind am Werbeblock vor unserer Sendung beteiligt und haben verschiedene Sponsoren, die wir nennen dürfen. Ein wichtiger Teil der Gelder kommt von kleinen Spendern.»

Probleme als eigentlichen roten Faden

Gewisse Grundthemen ziehen sich wie ein roter Faden durchs Programm: «Schwierigkeiten, Krankheiten, der Umgang mit dem Tod, Zweifel, Ängste; das interessiert die Leute immer», sagt Bischoff. «Die Mehrheit der Leute, die wir vorstellen, sind nicht prominent. Ab und zu kann es aber auch ein bekannter Fussballer wie Ridge Munsi sein.»

Christenlehre gebe es auf seinem Sender nicht, sagt der Chefredaktor. Er hat evangelische Theologie studiert und arbeitete früher als Pfarrer in einer Freikirche. «Wir wollen spannende Lebensgeschichten erzählen», sagt er. Im «Talk» passiere das in Gesprächsform, im «Magazin» mit Reportagen und Porträts über Menschen.

Wozu denn ein christliches Fernsehen?

Warum braucht es in aufgeklärter Zeit, in der fast niemand mehr an die Unfehlbarkeit des Papstes oder Wunder wie die Brotvermehrung glaubt, noch ein christliches Fernsehen in der Schweiz? «Viele Christen sind froh über unser lebensnahes Format und wir decken für Leute, die auf der Suche sind, vielseitige Aspekt der christlichen Religion ab», sagt Mike Bischoff.

Wäre es auch möglich, ein «Fenster zum Sonntag» mit einem bekennenden Atheisten zu produzieren? «Es wäre grundsätzlich möglich, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir das schon einmal gemacht hätten. Die Verbindung zum Christentum ist immer erkennbar, aber das Spektrum ist sehr breit gefasst», sagt der Chefredaktor. «Ich habe Sendungen mit Reformierten, Katholiken, Orthodoxen, Syrisch-Orthodoxen und Leuten aus Freikirchen produziert.»

Eine Glaubenserfahrung gehöre dazu. Und wie sieht es mit dem Islam aus? Schliesslich gibt es in Wangen bei Olten auch eine Moschee. «Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam thematisieren wir ab und zu», sagt Mike Bischoff, «aber unser prioritäres Mandat ist und bleibt es, den christlichen Glauben abzubilden.»

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