Amtsgericht Olten-Gösgen

Sechs Monate dafür, dass er mit 130 km/h durch Hägendorf raste

Mit 130 km/h donnerte der damals 29-Jährige im Juli 2015 auf der Hägendörfer Solothurnerstrasse in Richtung Dorfzentrum.Bruno Kissling

Mit 130 km/h donnerte der damals 29-Jährige im Juli 2015 auf der Hägendörfer Solothurnerstrasse in Richtung Dorfzentrum.Bruno Kissling

Der Mann, der 80 km/h zu schnell durch die 50er-Zone fuhr, bekommt 6 Monate Haft. Dies entschied das Amtsgericht Olten- Gösgen bei der Verhandlung am Dienstag.

Er hätte sich eigentlich nicht ans Lenkrad setzen dürfen: Der heute 30-Jährige aus der Region Olten war schon seit 2006 nicht mehr im Besitz seines Führerausweises. Dieser wurde ihm damals entzogen, weil er unter Cannabis-Einfluss Auto fuhr.

Dennoch entschied sich der Mann in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli letzten Jahres gegen 0.30 Uhr dazu, im 315 PS starken Audi Avant RS2 seines Kollegen eine Runde zu drehen. Auf der Strecke, die ihn von Hägendorf über Härkingen und Egerkingen zurück zum Startpunkt führte, überschritt er die Höchstgeschwindigkeit massiv.

Eingangs Hägendorf wurde der Wagen schliesslich in der 50er-Zone geblitzt – mit rund 130 km/h. Gemäss Strassenverkehrsgesetz handelt es sich somit um eine Straftat, die seit der Umsetzung der «Via sicura»-Massnahmen 2013 mit 1 bis 4 Jahren Haft geahndet werden muss.

«Leider keine Gedanken gemacht»

«Ich weiss nicht, was mich da geritten hat», erklärte der Mann gestern dem von Präsidentin Barbara Hunkeler geleiteten Amtsgericht, vor dem er sich wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln und dem Fahren ohne Führerausweis verantworten musste.

Es habe ihn einfach gereizt, einmal dieses spezielle Auto zu fahren. Derart schnell unterwegs zu sein, sei dabei nicht der Plan gewesen. Er sei eingangs Hägendorf aus dem Kreisel herausgefahren und habe dann etwas zu fest aufs Gas gedrückt. «Dann ist man ziemlich schnell mit diesem Tempo unterwegs.»

Warum er denn rund 600 Meter nach dem Kreisel noch immer so schnell gefahren sei, obwohl er bereits im Dorfzentrum war, wollte Hunkeler vom Angeklagten hören. Er hätte als damaliger Einwohner Hägendorfs ja wissen müssen, wo er sich befinde. «Darüber habe ich mir in diesem Moment leider keine Gedanken gemacht», so der Beschuldigte. Heute wisse er jedoch, dass es «nicht die gescheiteste Idee war».

Einfache Körperverletzung

Es war nicht das erste Mal, dass der Mann, der heute aufgrund gesundheitlicher Probleme arbeitslos ist, trotz fehlenden Führerausweises Auto fuhr. Auch 2014 wurde er bei einer unerlaubten Fahrt erwischt – wiederum nach dem Konsum von Cannabis. Wegen seines damaligen Jobs, der bereits frühmorgens begann, sei ein Benutzen des öVs nicht möglich gewesen, verteidigte der Angeklagte seinen damaligen Verstoss.

Und auch zuvor wurde der heute in Niedergösgen Wohnhafte bereits straffällig. 2012 verstiess er gegen das Betäubungsmittelgesetz, 2009 wurde er in Spanien wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Niemand zu Schaden gekommen

Dennoch sei der Angeklagte 2015 wieder straffällig geworden, hielt Staatsanwalt Marc Finger in seinem Plädoyer fest. «All diese verschiedenen Sanktionen haben nichts genützt.» Und weil das «Damoklesschwert» der bedingten Haftstrafe offenbar keine Wirkung gezeigt habe, müsse der Angeklagte nun einen «Schuss vor den Bug» bekommen.

Folglich sei dem Beschuldigten diesmal eine zumindest teilbedingte Haftstrafe auszusprechen, führte Finger aus. Konkret forderte er, den Raser zu 25 Monaten Gefängnis zu verurteilen, wovon 8 Monate unbedingt verbüsst werden müssten.

Anders sah dies der Verteidiger des Beklagten. Zwar würde man die begangenen Delikte nicht bestreiten. Doch sei zu berücksichtigen, dass der Vorfall auf einer trockenen Fahrbahn stattfand und dies zu einer Uhrzeit, zu der kaum Passanten anzutreffen wären. Zudem leide die Partnerin des Angeklagten an Brustkrebs, eine Operation stehe bevor.

Wäre ihr Freund während dieser Zeit nun im Gefängnis, hätte das «massive Konsequenzen» für sie. Letztlich sei bei der rasanten Fahrt auch niemand zu Schaden gekommen. Das Strafmass sei deshalb auf bedingte 14 Monate Haft sowie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 50 Franken festzusetzen.

Das dreiköpfige Gericht gestand dem Grossteil dieser Umstände keine strafmildernde Wirkung zu. Gerade in einer sommerlichen Samstagnacht könne es gut sein, dass noch Passanten auf den Strassen unterwegs seien. Dass es zu keinem Unfall kam, sei nur der Abwesenheit anderer Verkehrsteilnehmer zu verdanken. Der Angeklagte habe das Risiko von Schwerverletzten oder gar Todesopfern bewusst in Kauf genommen.

Es möge zwar sein, dass ihn die Freundin momentan brauche, doch daran könne das Gericht nichts ändern. Auch angesichts seiner Vorstrafen entschieden sich die Richter dazu, den Beschuldigten zu 22 Monaten Haft bei einer Probezeit von 4 Jahren zu verurteilen. Davon sind 6 Monate unbedingt abzusitzen. Falls er bis zum Antritt der Haftstrafe eine Arbeitsstelle hat, darf er das halbe Jahr womöglich auch in Halbgefangenschaft verbüssen.

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