«Tink.ch»

Schweizerisches Jugendmagazin verlagert Zentrum in die Region

Teamsitzung: Vivienne Kuster (Mitte oben) diskutiert mit leitenden «Tink»-Mitgliedern das weitere Vorgehen bezüglich Neustrukturierung ihres Magazins. Von links: Sonja Gambon (Leiterin Marketing), Julia Neudert (stv. ChefredaktorinD-CH), Sofiya Miroshnyk (Chefredaktorin D-CH).

Teamsitzung: Vivienne Kuster (Mitte oben) diskutiert mit leitenden «Tink»-Mitgliedern das weitere Vorgehen bezüglich Neustrukturierung ihres Magazins. Von links: Sonja Gambon (Leiterin Marketing), Julia Neudert (stv. ChefredaktorinD-CH), Sofiya Miroshnyk (Chefredaktorin D-CH).

Olten soll «ziemlich in der Mitte» der Hauptakteure des Onlinemagazins «Tink.ch» liegen. Deshalb zieht das Sekretariat in das Provisorium 8. Dieses erhält durch den Einzug der Jungjournalisten einen Zustupf, die Stadt vielleicht eine neue Redaktion.

Künftig sollen die elf Lokalredaktionen des schweizweit tätigen, von Jugendlichen betriebenen Onlinemagazins Tink.ch von Olten aus unterstützt werden. Seit diesem Monat betreibt dessen Leitung im Provisorium 8 ihr neues Generalsekretariat, das zuvor im bernischen Moosseedorf lag.

Im Zuge der aktuellen Neustrukturierung des bald zehnjährigen Internetmagazins hat man sich dazu entschieden, sein Zentrum an einen Ort zu verlagern, der für alle Mitwirkenden gut erreichbar ist.

Für die mit der Suche beauftragte Projektleiterin Vivienne Kuster war daher von Beginn an klar, dass die Wahl auf Olten fallen muss: «Unsere Hauptakteure befinden sich momentan in Bern, Zürich, Basel, Luzern und der Romandie. Olten ist da ziemlich in der Mitte.»

Wichtig war ihr zudem, dass sich der neue Arbeitsplatz in einem Gemeinschaftsbüro befindet. Das sorge für zusätzliche Inspiration und Inputs durch die Büro-Mitnutzer, wovon schon am vorherigen Standort profitiert werden konnte. Ein zu «Tink» passender Geschäftszweck der Co-Mieter war somit ebenso Voraussetzung.

Schnell sei man so auf die Jugendarbeit am Rötzmattweg gestossen, die die geeignetste aller geprüften Einrichtungen zu sein schien, so Kuster.

Zustupf fürs Provisorium

Auch seitens Provisorium 8 war auf Anhieb Interesse am Einzug der jungen Journalisten vorhanden: «Ein Jugend-Onlinemagazin schien uns spannend, da es hier einige mögliche Synergien gibt», sagt Nina Müller, Vorstandspräsidentin des Vereins Provisoriums 8.

Die Betriebsleitung habe schon zuvor gute Erfahrungen mit Mitnutzern gemacht. Beispielsweise mit der kantonalen Jugendförderung, die vor ihrer Dislozierung nach Solothurn ebenfalls am Rötzmattweg ansässig war.

Da die drei mit dem Betrieb betrauten Mitarbeiter des «P8» nicht den ganzen Raum ihres Büros benötigen, sei der Platz ohnehin frei gewesen.

Durch den Neueinzug der Jungjournalisten, offiziell Untermieter, fliessen nun zudem 220 Franken pro Monat in die Betriebskasse des Provisoriums. «Auch für Sport- und Tanzkurse oder Partys, die in unseren Räumen stattfinden, bezahlen die Nutzer einen moderaten Mietpreis», erklärt Müller.

Somit können gewisse Einnahmen in Ergänzung zur städtischen Finanzierung erzielt werden. In diesem Jahr betrugen die so generierten Mieterträge an die 22 000 Franken. Von der Stadt Olten erhielt das Provisorium 8 in diesem Jahr einen Betriebsbeitrag von 242 000 Franken (wovon rund 72 000 Franken in Form von Raummiete wieder an die Stadt als Vermieterin zurückfliessen), im kommenden Jahr werden es wiederum so viel sein.

In der Parlamentssitzung vom vergangenen Monat wurde diese Summe zusammen mit dem Budget 2016 beschlossen. Ein Antrag der SVP, der vorsah, diesen Beitrag um 30 000 Franken zu kürzen, wurde dabei mit 21 zu 20 Stimmen knapp abgelehnt.

Die Jungjournalisten von «Tink» finanzieren ihre Mietkosten und weiteren Auslagen durch diverse Quellen – darunter Mitgliederbeiträge, Spenden von Gönnern und Sponsorengelder.

Auch überlege man derzeit, auf dem Onlineportal Werbung zu schalten. Solche war in der früher zusätzlich herausgegeben Printversion des Magazins stets vorhanden. «Weil uns der Hauptsponsor abgesprungen ist, mussten wir die Druckversion aber leider sistieren», bedauert Vivienne Kuster.

Weniger Nebel in Olten

Nebst dem Erledigen administrativer Arbeit werde man am Oltner Standort regelmässige Chefredaktions- und Vorstandssitzungen sowie Workshops abhalten. «Vielleicht wird gar ein Fotoentwicklungskurs im hauseigenen Labor möglich sein», hofft Kuster.

Solche Kurse stehen im Übrigen zu geringen Preisen auch Nichtmitgliedern offen. Doch begrüsse man selbstverständlich Neueintritte, gerne auch von jungen Oltnerinnen und Oltnern.

«Es wäre natürlich schön, eine Lokalredaktion in Olten aufbauen zu können.» Wer gerne schreibt und über Zeit und Motivation verfügt, sei willkommen. Dabei müsse man auch keineswegs Studentin oder Student sein, erklärt Kuster, die selbst Medienwissenschaften in Basel studiert.

Thematisch darf man sich bei «Tink» fast allem widmen, inklusive Politik, Gesellschaft, Kultur und Sport.

«Ebenso setzen wir auf lokalspezifische Themen oder auch einfache Event- und Partyberichte.» «Tink»-Autoren schreiben ihre Beiträge, ohne dafür bezahlt zu werden. Ihre Texte werden jedoch unentgeltlich redigiert, und durch die regelmässig stattfindenden Workshops wird den Mitgliedern ein Einstieg in den Journalismus ermöglicht.

Auch Kuster selbst wird sich bald journalistisch mit Olten befassen: Sie möchte der Stadt auf ihrem Onlineportal nächstes Jahr ein Porträt widmen. Nebst den für sie positiven Aspekten wie der «sehr schönen Altstadt» oder der Alternativen Bank Schweiz, die ihren Hauptsitz in Olten hat, wird sie sich dabei wo nötig auch kritisch äussern, wie sie durchblicken lässt.

Eine bereits durchgeführte Umfrage unter hiesigen Fussgängern habe schon einmal ergeben, dass Olten heute scheinbar weniger oft vom Nebel heimgesucht werde als früher.

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