Diesen Samstag wird der Schweizer Schriftstellerweg ein weiteres Mal ausgebaut mit einer Tour des Kappeler Kinderliedersängers Christian Schenker. Wieso kam er zu Ehren nach Alex Capus, Franz Hohler und Pedro Lenz?

Stefan Ulrich: Wir wollten mit den Familien eine neue Zielgruppe für den Schriftstellerweg ansprechen. Weil Christian Schenker nicht nur in der Region, sondern auch in der Deutschschweiz der Kinderliedersänger schlechthin ist, haben wir ihn angefragt – er hat uns nach kurzer Bedenkzeit zugesagt.

Genau zwei Jahre sind es her seit der Eröffnung des Schweizer Schriftstellerwegs. Sie sprachen damals vom Leuchtturmprojekt, welches die Stadt touristisch neu positionieren wird. Ist dies eingetroffen?

Das würde ich auf jeden Fall so sagen. Wir haben mit dem Schriftstellerweg ein Alleinstellungsmerkmal mit einer in der Schweiz beispiellosen Dichte und Breite an Geschichten, welche die Besucher gratis via Smartphone hören können. Insgesamt sind es deren 80 Geschichten von rund 40 Künstlern, rechnet man den Quai Cornichon ebenfalls noch dazu. Nun geht es darum, das Leuchtturmprojekt in den nächsten drei, vier Jahren weiter touristisch zu etablieren.

Sie streben mit dem Schriftstellerweg die Ergänzung zur Positionierung als Seminarstadt an. Sieht man nun Geschäftsleute in der Mittagspause oder nach ihrem Workshop auf dem Schriftstellerweg?

Für die Geschäftsleute ist der Schriftstellerweg ein valables Rahmenprogramm, das laut den Seminar- und Hotelbetrieben regelmässig genutzt wird. Es hat ja den Vorteil, dass man die Geschichten mithilfe des Smartphones und dem auf der Stele angebrachten QR-Code jederzeit hören kann. Aber es ist natürlich nicht so, dass die Geschäftsleute extra deswegen nach Olten kommen würden.

Können Sie uns ein paar Zahlen nennen?

Wir verzeichneten dank dem Schriftstellerweg im Tourist Center rund 1400 zusätzliche Gäste, gesamthaft rund 10 000 gescannte QR-Codes und 45 000 Seitenaufrufe auf der Website oltenliteraturstadt.ch (Zahlen von 2017). Das ist schon ein anständiges Niveau.

Welches aber gesteigert werden soll?

Unser Ziel ist es nun, die Frequenzen zu erhöhen. Wir haben dazu aber keine konkreten Zahlen vorgegeben. Zudem wollen wir die durchschnittliche Verweildauer der Gäste, welche aus der gesamten Deutschschweiz, der Romandie und dem süddeutschen Raum stammen, von bisher rund fünf Stunden erhöhen. Die Leute sollen nicht nur den Schriftstellerweg nutzen, sondern zusätzlich die Gastronomie, im Sommer in die Badi oder wandern gehen oder abends das Stadttheater besuchen. Noch besser wäre es, wenn sie auch mal eine Nacht bleiben würden. An Wochenenden und zu Ferienzeiten haben die Oltner Hotels nämlich noch viele freie Betten. Erste Übernachtungen von Literaturclubs,

Vereinen und Privatpersonen konnten wir schon verzeichnen, Tendenz in diesem Jahr bereits zunehmend.

Welches ist der nächste angedachte Erweiterungsschritt beim Schriftstellerweg nach der Eröffnung der Familientour?

Neue LiteraThek-Standorte zu den bisherigen zwölf Namen sind gut vorstellbar. Wir haben da eine lange Liste von möglichen Namen, allerdings ist noch nichts spruchreif. Zum anderen wollen wir irgendwann auch die Region erschliessen. Ob mögliche Literaturstandorte erwandert, mit dem (Elektro-)Velo abgefahren oder mit dem öV via Kooperation mit den SBB erreichbar sein werden, ist aber noch unklar.

Mit dem in Olten aufgewachsenen Peter Bichsel gibt es einen weiteren grossen Autorennamen, der eine eigene Tour verdient hätte.

Es ist denkbar, dass er eine eigene Tour erhält – diese kann kürzer oder länger, oder auch in Form einer LiteraThek sein. Wir haben mit ihm schon Gespräche geführt. Das braucht aber noch Zeit. Zudem muss die Motivation, beim Schriftstellerweg mit neuen Geschichten mitzumachen, von der Person selbst kommen.

Auch eine Erneuerung der bisherigen Touren der drei Autoren Capus, Lenz und Hohler haben Sie vor zwei Jahren angekündigt. Wie sieht es damit aus?

Die bisherigen Touren zu erneuern, war von Anfang an ein Thema. Bis der Schriftstellerweg in der jetzigen Form als touristisches Produkt voll einschlägt, braucht es bis zu fünf Jahre. In dieser Zeit erreichen wir immer noch neue Leute. Das Potenzial etwa bei den Schulklassen haben wir längst noch nicht ausgeschöpft. Zudem kommen die gleichen Leute auch mehrmals und hören sich die Geschichten an. Eine Erneuerung hat daher in den nächsten beiden Jahren sicher keine Priorität.