«Es ist schon ein Luxus, was wir hier haben», meint Lehrer Mathieu Hegner über den neuen Anbau des Schulhauses Späri, der seit den Sommerferien in Betrieb ist. Sein Klassenzimmer befindet sich allerdings noch im alten Teil des Schulhauses, womit er beinahe ein wenig neidisch werden könnte auf die Möglichkeiten seiner Lehrerkollegen.

Besonders ins Auge sticht das «White Board». Darauf können per in der Decke fix installierten Beamer Bilder und Filme projiziert werden. «Bei der visuellen Arbeit hilft das auf jeden Fall», meint Lehrer Marc Studer über die neuen Möglichkeiten. «Ich stamme noch aus der Generation Hellraumprojektor und benötigte daher einen Moment, um mich damit arrangieren zu können.» Und für Primarlehrerin Daniela Keiser ist klar, dass dies die Unterrichtsmöglichkeiten erweitere.

Die Lehrkräfte zeigen sich ob der hohen und hellen Räumlichkeiten begeistert, einzig die Teppiche sind aus hygienischen Gründen aus ihrer Sicht ein Minuspunkt. Ansonsten stellen sie mit ihren Aussagen den Architekten Claude Belart und Rolf Flück sowie dem Bauverwalter Walter Müller ein gutes Zeugnis aus. Entsprechend zufrieden dürfen sich die Verantwortlichen bei der Einweihung gestern Sonntag zeigen.

Der Anbau fügt sich perfekt an das bestehende Schulhaus an. Der Vorteil war sicherlich, dass mit Rolf Flück derselbe Architekt den Zuschlag fürs Projekt erhielt, der bereits den bestehenden Bau realisierte. «Wir kannten daher auch den ungefähren Kostenrahmen», so Flück. Der signifikanteste Unterschied zum bestehenden Gebäude ist, dass der neu erstellte Anbau mit Holz und nicht konventionellen Materialien realisiert wurde. Bauverwalter Walter Müller ist stolz, dass das Projekt einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat. «Ich hoffe gleichwohl, dass ich nicht noch einmal ein Schulhaus bauen muss», sagt er schmunzelnd.

Bewegte Vorgeschichte

Zum Start der Einweihung übergab Gemeindepräsident Albert Studer der Schulleiterin Patricia Segura und dem Schulleiter Max Wyss symbolisch den Schlüssel für den Neubau mit sechs Schul-, drei Gruppenzimmern sowie diversen Nebenräumen. Studer dankte allen Involvierten und zeigte sich glücklich, das Projekt Schulhauserweiterung abschliessen zu können.

So kurz die Ansprache des Gemeindepräsidenten war, so lange die unfreiwillige Zangengeburt des Anbaus. Die Vorgeschichte begann nämlich vor über vier Jahren, als eine Erhebung zeigte, dass in naher Zukunft in Hägendorf zu wenig Schulraum zur Verfügung stehen würde. Damals griff der Gemeinderat die Idee auf, sich mit der Nachbargemeinde Rickenbach zusammenzuschliessen, da diese an Schulraumüberschuss verfügte. Die gut gemeinte Idee, solidarisch vorzugehen und sich gegenseitig zu ergänzen, ging aufgrund fehlender Informationspolitik der Gemeinde Hägendorf gründlich in die Hose.

Folglich verwarf der Souverän die Pläne an der Gemeindeversammlung vom 13. Dezember 2012. Dafür genehmigte die Bevölkerung bereits am 3. März 2013 ein Neubauprojekt in der Höhe von 3,2 Millionen Franken auf dem Schulhausareal Späri. Kurz danach nahmen die Ereignisse erneut eine andere Wendung.

Da die Besitzerin des Nachbargrundstückes des bestehenden Schulhauses Späri im Frühjahr 2013 verstorben war, bestand für die Gemeinde plötzlich die Möglichkeit, das Land zu kaufen. Damit war es nun möglich, anstatt einen Neubau einen Anbau an das bestehende Schulhaus Späri zu realisieren. Am 18. Mai 2014 hiessen die Hägendörfer schliesslich einen neuen Verpflichtungskredit in Höhe von 5,7 Millionen Franken an der Urne gut.