Schulhaus-Abstimmung in Olten
Womöglich der höhere Spareffekt: Lieber eine neue Dreifach- als eine sanierte Stadthalle

Soll neben das Schulhaus im Kleinholz-Quartier auch eine neue Dreifachturnhalle gebaut werden? Ja, weil damit die Möglichkeit besteht, die unrentable Stadthalle abreissen zu können, die bald einmal saniert werden muss.

Fabian Muster
Fabian Muster
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Die Stadthalle fährt jedes Jahr ein Defizit von mehreren Hunderttausend Franken ein.

Die Stadthalle fährt jedes Jahr ein Defizit von mehreren Hunderttausend Franken ein.

Bruno Kissling

Die Oltner Bevölkerung kann nach jahrelanger Planung am 13. Juni endlich über die neue Schulanlage Kleinholz abstimmen. Eigentlich müsste zumindest das Schulhaus längst stehen, weil die Kinderzahlen bei den vergangenen Jahrgängen schon steigend sind. Die Stadt musste daher das Zementi-Schulhaus in Olten SüdWest als Übergangslösung einrichten. Das heisst: Ein neues Schulhaus ist zum einen dringend nötig, zum anderen ist es im stark wachsenden Kleinholz-Quartier am richtigen Ort. Im neuen Quartier Olten SüdWest hat sich die Stadt bereits ein grösseres Grundstück für eine mögliche Schule gesichert – bis dort alles fertig gebaut ist, könnte es aber noch Jahrzehnte dauern. Auch im politischen Olten ist der Neubau des Schulhauses unbestritten – ausser bei Teilen der SVP, die im letzten Moment auf den Nein-Zug aufgesprungen sind.

Umstritten ist hingegen, ob neben dem neuen Schulhaus zusätzlich eine Dreifachturnhalle gebaut werden soll. Darum stellt der Stadtrat die Variantenfrage, um nicht das gesamte Projekt zu gefährden. Zwar ist eine Mehrheit der Parteien ebenfalls für eine neue Halle; doch wie erwähnt die SVP, aber auch Teile der FDP sind dagegen. Diese sagen, dass die projektierten 14 Millionen Franken für eine neue Turnhalle zu hoch sind und es gleich daneben bereits eine Stadthalle gibt, die als Turnhalle genutzt werden kann. Das zusätzliche Geld solle für andere Projekte verwendet werden, die in Olten in den nächsten Jahren anstehen – sei es für einen Neubau Kunstmuseum, eine Sanierung der Badi oder für die Umsetzung der Klimaschutzmassnahmen, die wegen des Netto-Null-Ziels der Stadtverwaltung bis 2040 folgen werden.

Diese Argumentation scheint attraktiv – und wird zudem durch finanzielle Grundsätze unterstrichen, die sich der Stadtrat kürzlich selbst gegeben hat. Gemäss diesen Richtlinien soll der Finanzplan 2022–2028 mit folgenden Vorgaben ausgearbeitet werden: Bei einem Steuerfuss von 112 Prozent (4 Punkte mehr als bisher) und einer maximalen Pro-Kopf-Verschuldung von 4000 Franken (per Ende 2020: 1438 Franken) ist ein maximales Investitionsvolumen für die nächsten sieben Jahre von netto 97,1 Millionen Franken möglich, steht im Ende April publizierten Stadtratsprotokoll. Daraus folgt: «Bei der Investitionsplanung wird sich der Stadtrat nebst den notwendigen Erhaltungsinvestitionen auf zwei bis drei Schlüsselprojekte (ab dem Jahr 2022) festlegen müssen.» Das heisst: Neben den unbestrittenen Projekten Schulanlage Kleinholz (bis zu 40 Millionen mit Dreifachturnhalle) und Neuer Bahnhofplatz (bis zu 30 Millionen Anteil der Stadt Olten) hat es höchstens noch für ein weiteres Grossprojekt Platz. In diesem Sinne wäre der Verzicht auf eine neue Dreifachturnhalle ein willkommener Spareffekt.

Dagegen gibt es zwei Bedenken: Erstens ist der Finanzplan nur ein Planungsinstrument, dessen Zahlen nicht in Stein gemeisselt sind. Im Gemeindeparlament fiel – notabene von einem FDP-Politiker – sogar einst der Begriff «Makulatur», der Finanzplan sei also ein wertloses bedrucktes Papier. Denn: Verändert der neue Stadtrat oder verändern sich aufgrund äusserer Umstände gewisse Zahlen, so ergeben sich ganz andere Schlussfolgerungen. Zweitens gehen die Gegner einer neuen Dreifachturnhalle davon aus, dass die Stadthalle künftig vorwiegend für den Schulsport genutzt wird. Dies bedingt jedoch Umbauten, während derer die Stadthalle nicht zur Verfügung stünde. Zudem käme es weiterhin zu Überschneidungen mit Veranstaltungen, für welche die Stadthalle wohl weiterhin gebraucht werden soll, wie etwa die derzeitige Nutzung als Impfzentrum zeigt. Nicht zuletzt würden Tribüne und Foyer mitbetrieben, was zusätzliche Kosten fürs Heizen auslöste.

Die Stadthalle wird seit Februar als Corona-Impfzentrum genutzt. Hier ein Bild von den Aufbauarbeiten durch den Zivilschutz.

Die Stadthalle wird seit Februar als Corona-Impfzentrum genutzt. Hier ein Bild von den Aufbauarbeiten durch den Zivilschutz.

Bruno Kissling

Daher ist es keine gute Idee, die Stadthalle künftig vorwiegend für den Schulsport zu nutzen. Eine neue Dreifachturnhalle, die betrieblich auf den Schul- und Vereinssport ausgerichtet und baulich auf dem neuesten Stand ist, ergibt viel mehr Sinn – auch wenn höhere Anfangsinvestitionen nötig sind. Mit einem Ja zur Dreifachturnhalle hätte der Stadtrat ferner die Möglichkeit, tabulos darüber nachzudenken, was mit der über 30-jährigen Stadthalle passieren soll. Diese muss bald einmal saniert werden, was einen einstelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Die Frage stellt sich: Soll sich Olten eine Eventhalle leisten, die jährlich Defizite von mehreren Hunderttausend Franken einfährt (2020: 530'000 Franken) und mitten in einem boomenden Quartier steht? Vielleicht wäre deren Abriss und der Bau von Wohnungen, die neue Steuerzahler anlockte, die bessere Strategie? Womöglich ergäbe der Rückbau der Stadthalle sogar langfristig den höheren Spar­effekt als der Verzicht auf eine neue Dreifachturnhalle. Darum, wenns finanziell hart auf hart kommt: Lieber eine neue Dreifach- als eine sanierte Stadthalle.

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