Der langjährige Schützi-Geschäftsführer Oli Krieg geht Ende Jahr frühzeitig mit 64 Jahren in Pension. Neben privaten Gründen hat er auch den derzeit vertragslosen Zustand zwischen der Stadt und dem Kulturzentrum erwähnt. Das ruft nun die Politik auf den Plan: Daniel Kissling von Olten jetzt! und Florian Eberhard von der Fraktion SP/Junge SP wollen in einem Vorstoss Antworten vom Stadtrat, wie es nach der letztes Jahr ausgelaufenen zehnjährigen Leistungsvereinbarung weitergeht. In ihrer dringlichen Interpellation, die in der heutigen Parlamentssitzung traktandiert ist, schreiben sie, dass es «besorgniserregend» sei, dass «die Stadt Olten nicht imstande ist, mit einem so zentralen Player wie der Schützi eine Einigung zu finden». Die Interpellanten wollen etwa wissen, wieso bisher noch keine Vereinbarung getroffen werden konnte, welchen Stellenwert der Stadtrat der Schützi in der Oltner Kulturlandschaft beimisst und was mit der Schützi passiert, wenn es zu keiner Einigung mit dem Trägerverein kommt.

Grund für den derzeit vertragslosen Zustand sind Differenzen, wie die neue Vereinbarung aussehen soll: Die Schützi will Anpassungen und fordert bis zu 30'000 Franken für den Unterhalt ihrer technischen Anlage und die jährlichen Sicherheitsüberprüfungen. Die Stadt will den bisherigen Leistungsvertrag so weiterführen wie bisher. Ob die Laufzeit wieder zehn Jahre betragen wird, ist laut Stadtschreiber Markus Dietler noch offen. Trotz der vertragslosen Situation kommen Stadt sowie Schützi ihren Verpflichtungen nach.

Die beiden Interpellanten sehen Parallelen mit dem Provi 8, bei dem der Trägerverein im Herbst 2016 den Bettel von sich aus hinschmiss, weil die Stadt Olten nur noch eine einjährige Leistungsvereinbarung abschliessen wollte. Das brachte den ehrenamtlich tätigen Verein an die Kapazitätsgrenze. Der damalige Betriebsleiter des Provi 8 verliess den Betrieb, die Stadt sprang vorübergehend ein und führte das Jugendkulturhaus mit einem reduzierten Angebot weiter. Ab August betreibt die Jugendförderung Wohlen den Eventraum im Provi 8 und ein mobiles Jugendbüro.

«Wir wollen verhindern», dass sich der Fall Provi 8 wiederholt», sagt Gemeindeparlamentarier Daniel Kissling auf Anfrage. Die Schützi sei immens wichtig für die städtische Kultur. «Die Stadt ist sich wohl nicht bewusst, wie günstig sie zu so einem Kulturzentrum kommt», sagt der Betreiber des Kulturlokals Coq d’Or. Die Stadt Olten stellt als Besitzerin die Liegenschaft zwar kostenlos zur Verfügung und übernimmt auch die Nebenkosten (Strom, Heizung und Wasser) sowie Versicherungsprämien und Unterhalt des Gebäudes. Im Budget 2018 sind dafür 86'000 Franken vorgesehen. Im Gegenzug finanziert der Schützi-Verein den Betrieb hingegen selbst mit einem Budget von jährlich rund 220'000 Franken mithilfe von Gönner- und Mitgliederbeiträgen sowie den Vermietungen.

Kulturleute aufseiten der Schützi

Auch in der Oltner Kulturszene wird das Vorgehen der Stadt nicht goutiert. Theaterkabarettist Rhaban Straumann, der mit seiner Late-Night-Show Nachtfieber zehn Jahre lang in der Schützi zu Gast war, erkennt darin eine fehlende Wertschätzung für die Schützi. «Der vertragslose Zustand ist extrem respektlos und ein absolutes No-Go.» 30'000 Franken zusätzlich sei für die Stadt kein grosser Brocken und müsste absolut drinliegen. Eine weitergehende Unterstützung findet Straumann aber genauso wie die Schützi-Verantwortlichen nicht für nötig. «Die Stadt würde lieber Geld für kleinere Kulturlokale wie die Vario Bar oder das Coq d’Or ausgeben.»

Auch Kulturveranstalter Rainer von Arx, der in der Poetry-Slam-Szene oder neu bei den Oltner Kabarett-Tagen organisatorisch tätig ist, findet es von aussen betrachtet nicht für nachvollziehbar, wieso die beiden Parteien bisher «keinen Weg für einen konstruktiven Dialog gefunden haben». Die Bedeutung der Schützi für die hiesige Kultur sei «riesig» und es wäre in seinen Augen «sicher hilfreich», wenn die Schützi zusätzlich 30'000 Franken erhalten würde.
Walter Rickenbacher, der Präsident des Schützi-Trägervereins, sieht die Sache etwas entspannter. Er geht davon aus, dass man sich mit der Stadt einigen kann auf eine neue Vereinbarung ab Anfang 2019. Nach den Sommerferien soll der erste Termin stattfinden, bis zu den Herbstferien der neue Vertrag aufgesetzt sein. In seinen Augen müsste die Laufzeit mindestens 7 bis 8 Jahre betragen. Es gäbe keinen Plan B, wenn man sich nicht einigen könnte. «Soweit denken wir gar nicht.» Den Bettel hinzuschmeissen, sei weder bei ihm noch im Vorstand bis jetzt je ein Thema gewesen. Er widerspricht damit den Parallelen zum Fall Provi 8, wie es die beiden Gemeindeparlamentarier in ihrer Interpellation sehen.