Einem Oltner erklären zu wollen, wer Alex Capus, Franz Hohler und Pedro Lenz sind, das wäre wohl, wie Wasser in die Aare zu tragen – Olten kennt seine Dichter. Auf eine Vorstellung der drei Herren konnte Moderatorin und «Meteo»-Sprecherin Sandra Boner daher getrost verzichten, als am Samstag im Oltner Stadttheater der Schweizer Schriftstellerweg offiziell eröffnet wurde. 

Der Schriftstellerweg soll die Stadt in 33 Geschichten und drei grossen Audiotouren durch Olten literarisch auf die Schweizer Landkarte setzen. Die Kurzgeschichten, die mittels QR-Code aufs Handy geladen werden können, werden von den Autoren selbst vorgelesen. Wie der Solothurner Landammann Roland Fürst in seinem Grusswort erwähnte, sei der Weg auf eine Weise geplant worden, dass er künftig um neue Touren erweitert werden könne. Schliesslich haben mehrere andere bedeutende Schweizer Schriftsteller – Peter Bichsel, Ulrich Knellwolf oder Silja Walter zum Beispiel – einen Bezug zu Olten.

Stadtpräsident Martin Wey sah in der Dreitannen-, Eisenbahner-, Sport- und neu auch Literaturstadt Olten gut gelaunt auch gleich die künftige Schweizer Hauptstadt. Olten mit seinen 18'000 Einwohnern habe eine unglaublich grosse Dichte an Dichtern. Er selbst musste zwar gestehen, dass vor der Literatur bei ihm der EHC an erster Stelle stehe. Dennoch lese auch er hin und wieder gerne, vorausgesetzt, das Buch verfüge über eine grosse Schrift und kurze Kapitel. Er ermunterte die Oltner, die «Literatour» nicht nur den Touristen zu überlassen. Sondern auch selbst auf Wanderschaft zu gehen und die Stadt neu zu entdecken. Nicht zuletzt bedankte er sich bei den Autoren, die das ganze Jahr über für Olten Werbung machten.

Dem Nebel sei Dank

Werbung macht auch Olten Tourismus. Olten als Literaturstandort soll künftig schweizweit eine grössere Bedeutung zukommen und nicht zuletzt mehr Hotelbetten füllen. Der Schriftstellerweg, der zu einem Drittel von Sponsoren, zu einem grossen Teil jedoch aus einem Tourismusfonds finanziert ist, wird denn auch kräftig angepriesen. Etwa mit bedruckten Zuckersäcklein und Schöggeli, die auf die neue Touristenattraktion aufmerksam machen. Franz Hohler indes bemerkte, dass Literatur seiner Erfahrung gemäss kaum die breite Masse anziehen werde.

Zu seiner Verbindung zu Olten gefragt, erklärte Hohler, der in Olten aufwuchs, die Strassen der Stadt seien für ihn mit Erinnerungen gepflastert. Alex Capus kam 5-jährig mit seiner Mutter von Paris nach Olten. Er sagte, er sei rückblickend froh, dass die Stadt ihn so geduldig ertragen habe. An Olten schätze er, dass es hier nicht so darauf ankomme, was man mache und was man habe. Auch Pedro Lenz verbindet mit Olten frühe Erinnerungen: Olten war die nächste «Grossstadt» von Langenthal, wo er aufwuchs. Hier habe er die erste Pizza gegessen – Olten sei quasi sein Italien, scherzte er. Und: «Das Schöne an Olten ist, dass es nicht so schön ist. Man muss die Stadt nicht dauernd rühmen.»

Wie kommt es nun überhaupt, dass Olten so viele Schriftsteller hervorgebracht hat? Diese Frage wusste Alex Capus schlüssig zu klären: Des Nebels wegen. Olten als «das übelste aller Nebellöcher» (Wetterfrau Sandra Boner erhob Einspruch: Mit durchschnittlich 91 bis 100 Tagen im Jahr versinke Olten zusehends weniger im Nebel) verleite zum «Wachen, Lesen, lange Briefe Schreiben», zitierte er Rilke. Würde das einem einfallen, wenn hier dauernd die Sonne schiene? Vielleicht eher nicht. Dem Nebel sei Dank.