Der Erst-Lehrjahr-Stift wischt Dreck von seiner Arbeitskleidung, der Lernende im vierten Jahr zieht sein Käppi ab. Es wird Besuch erwartet. Beim Betreten der Werkstatt wird klar, wer: «Das Oltner Tagblatt kommt» steht in grossen schwarzen Lettern auf der weissen Flipchart neben dem Eingang.

Die vier Schreiner-Lernenden der Oltner Firma made by Innenausbau Augsburger sind nervös. Grund für die Nervosität ist die Präsentation ihres Lehrlingsprojekts, welches seit einem Jahr läuft.

Das Lehrlingsprojekt ist nicht ein solches im normalen Sinne. Die vier Schreiner-Lehrlinge stellen nicht, wie üblicherweise bei solchen Projekten, ein Objekt im Alleingang her. Ihr Lehrlingsprojekt ist etwas anders aufgegleist.

David Niklaus, der Lernende im vierten Jahr, versucht sich mit einer Erklärung: «Bei unserem Lehrlingsprojekt geht es darum, dass jeder Lernende schon früh einfachere Aufträge von A bis Z selbstständig durchführen kann». Von A bis Z bedeutet in diesem Fall von der Planung bis hin zur Montage.

Jeder trägt Verantwortung

Bei Dominik Gerber, Lernender im zweiten Lehrjahr, war dieser Punkt im ersten Jahr nach ungefähr vier Monaten erreicht: Er stellte ein kleines Möbel her, wo später eine Kaffeemaschine ihren Platz darauf finden sollte.

Die Planung des Auftrages übernahm sein Oberstift Manuel Stutz, der dies erstmals alleine tat. «Unsere Unsicherheit war am Anfang enorm», erzählen die beiden übereinstimmend und lachen dabei. Das Endprodukt sei gut gekommen, meinen sie und geben aber zu, dass nicht alles ganz wie am Schnürchen gelaufen sei.

Das Lehrlingsprojekt made by Innenausbau Augsburger wird in drei Teile eingeteilt: «Lehrlingsprojekt», «Kommunikation gegen aussen» und «Lehrlingsverantwortung». Für jeden Aspekt ist jeweils ein Lehrling verantwortlich, beim ersten sind es deren zwei.

Die Umsetzung funktioniert folgendermassen: Manuel Stutz (3. Lehrjahr) und Dominik Gerber (2. Lehrjahr) sortieren die Aufträge und suchen jene aus, die für das Projekt geeignet sind. Also jene, die einfach umzusetzen sind.

Anschliessend sorgen sie dafür, dass die dafür benötigten Arbeitsabläufe geregelt und aufgeschrieben sind. Die Produktion des Auftrages übernimmt dann einer der vier Lernenden.

Lernende helfen sich gegenseitig

Für den zweiten Punkt, «Kommunikation gegen aussen», ist David Niklaus zuständig. Er bearbeitet die Homepage und die Facebook-Seite des Unternehmens. Den dritten und letzten Aspekt, «Lehrlingsverantwortung», hat Virgile Cornaz, der seine Schreiner-Lehre anfang August angefangen hat, unter sich.

Nachdem er bereits ein kurzes Briefing erhalten hat, soll er dann später dafür sorgen, das die Rechten und Pflichten der Lehrlinge geregelt und ausformuliert werden.

Entstanden ist die Idee vor etwas mehr als einem Jahr. Zu diesem Zeitpunkt hat der damalige Lehrlingsbetreuer seine Stelle bei der Schreiner-Firma gekündigt. Also ging man daraufhin erfolglos auf die Suche nach einem Nachfolger.

Daraus entstand die Idee, dass sich die vier Lernenden selbst umeinander kümmern. Hilfe können sie jederzeit bei den neun anderen Angestellten der Schreiner-Firma holen.

«Das Ziel ist es, dass wir vier Lernenden ein selbstständiges Team bilden», erklärt David Niklaus. Dies scheint geklappt zu haben, und zwar nicht nur, wenn es darum geht, die vier für ein «nicht ganz gestelltes» Foto für die Zeitung vor die Linse zu bringen.