Olten

«Schreibe lieber Choreografien»: Tanztage-Leiterin will nicht mehr selber auf der Bühne stehen

Ursula Berger, die künstlerische Leiterin der Oltner Tanztage, posiert auf der extra aufgestellten Zuschauertribüne im Kulturzentrum Schützi, in welchem die Aufführungen stattfinden.

Ursula Berger, die künstlerische Leiterin der Oltner Tanztage, posiert auf der extra aufgestellten Zuschauertribüne im Kulturzentrum Schützi, in welchem die Aufführungen stattfinden.

Die Oltner Tanztage starten am Mittwoch mit der 23. Ausgabe. Die künstlerische Leiterin Ursula Berger sagt im Interview, welche Vorstellung sie einem Einsteiger empfehlen würde.

Ursula Berger hat in Olten ihr eigenes Tanzstudio und eine eigene Formation. Seit 1996 organisiert die 68-Jährige mit ihrem Verein TanzInOlten die Oltner Tanztage, die dem zeitgenössischen Tanz eine Plattform bietet. Beim Interview am Dienstagmorgen in der Schützi mit der diplomierten Tanzpädagogin und Choreografin gab es viel zu lachen. Nach der zweiten Frage stand sie beispielsweise auf und versuchte, ihre mündlichen Erklärungen zum Teil mit tänzerischen Einlagen zu ergänzen.

Frau Berger, der zeitgenössische Tanz gilt als schwer zugänglich. Wieso soll man als Laie trotzdem die Oltner Tanztage besuchen?

Ursula Berger: Eine Vorstellung ist real und nicht virtuell, der Tanz ist Bewegungskunst und braucht, um sich auszudrücken, keine Sprache und ist daher potenziell für alle verständlich. Im letzten Punkt könnte aber zugleich die Schwierigkeit liegen, die der zeitgenössische Tanz hat: Wir Menschen wollen verstehen, aber mit einer Kunstform, die fast ohne Sprache auskommt, haben wir oft Mühe. Zudem geht es beim Tanzen auch nicht um ein Mitfiebern wie etwa bei Sportanlässen. Unsere Aufgabe besteht nun darin, das Publikum so zu verführen, dass es sich auf den Tanz einlässt. Dazu braucht es eine aktive Kommunikation von unserer Seite, aber auch eine gewisse Offenheit der Zuschauer, sich auf die Kunstform Tanz einlassen zu wollen.

Welche Aufführung würden Sie einem Einsteiger empfehlen?

Ganz sicher den heutigen Abend: Bei der Vorstellung der Cinevox Junior Company treten 20 Tänzerinnen und Tänzer auf, die innerhalb eines Jahres für die grossen Bühnen dieser Welt ausgebildet wurden. Zudem werden am gleichen Abend drei unterschiedliche Stilrichtungen gezeigt. Das Tänzerische bewegt sich dabei in der Nähe schon bekannter Ausdrucksformen.

Sie arbeiten mit Schulen zusammen, um die Kunstform Tanz stärker zu vermitteln. In diesem Jahr haben Jugendliche der Kanti Olten eine Aufführung einstudiert. Wie kam dieses Engagement zustande?

Zur Zusammenarbeit kam es dank Sportlehrerin Luzia Schmuziger, die offen für die Tanzkunst ist. Die Kanti hat bemerkt, dass die Tanzvermittlung an Junge für uns zentral ist und daher das Projekt auch finanziell unterstützt. Das Ziel wäre, dass in ein paar Jahren Tanzpädagogen an der Kanti unterrichten, wie dies heute Musik- oder Zeichnungslehrer tun. Zum Projekt haben sich die Schülerinnen – leider sind keine Schüler dabei – freiwillig angemeldet. Ein Aussteigen war nach dem Beginn der Proben nicht mehr möglich, obwohl ein Mädchen, das von einem anderen Tanzstil her kam, dies tun wollte. Der Grund: Es wird kein populärer Tanz aufgeführt, den man zum Beispiel von der TV-Werbung her kennt und der für ein Produkt in den Dienst gestellt wird, sondern die Beteiligten müssen mit dem Tanz etwas Eigenes ausdrücken.

Heute starten die 23. Tanztage unter Ihrer Ägide. Wie sieht die Zukunft der Veranstaltung aus?

Ich fühle mich trotz meiner 68 Jahre auch dank des Tanzens noch sehr jung und lebendig und will in naher Zukunft die Tanztage weiterhin als künstlerische Leiterin führen. Doch ich bin jetzt daran, vor allem junge Leute in den Trägerverein zu holen, die dann möglicherweise einen Teil der Verantwortung übernehmen könnten. So will ich mich absichern, dass es optimal weitergeht, bin aber zugleich offen für Neues.

Apropos Tanzen: Wann sehen wir Sie wieder mal auf der eigenen Bühne?

Während der Tanztage bin ich bisher zweimal selbst in einer Formation aufgetreten. Schon damals musste ich mich allerdings dazu überwinden, weil ich meine eigene Veranstaltung eigentlich nicht als Plattform dafür nutzen will. Daher kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Dazu kommt, dass ich ja lieber Choreografien schreibe und so versuche, mit den Körpern der Tänzerinnen und Tänzern als Instrument etwas ausdrücken zu lassen. Dafür kann man mich sogar buchen (lacht).

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