Olten
Schnitzelbank-Abend im Konzertsaal

Er wird nicht in die Oltner Annalen eingehen, der Schnitzelbank-Jahrgang 2017. Es fehlten die vermeintlich ganz grossen oder fein heraus gearbeiteten Themen. Zumindest im Konzertsaal sprang der Begeisterungsfunke deshalb nicht aufs Publikum über. Amüsement aber lag dennoch drin.

Urs Huber
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Besucher im Konzertsaal Olten
24 Bilder
Dreiangel Bully
Dreiangel Bully
Dreiangel Bully
Dreiangel Bully
Bazille
Baszille
Bazille
Banause
Banause
Säli Sänger
Rätschwyber
Rätschwyber
Nachtwächter
Nachtwächter mit Obernaar
Nachtwächter
Hilari
Hilari
Hilari
Hilari
Herregäger
Höckeler
Oltner Schnitzelbankabend
Höckeler

Besucher im Konzertsaal Olten

Bruno Kissling

Der ganz grosse Kracher blieb aus am diesjährigen Schnitzelbank-Abend. Zumindest im Konzertsaal Olten. Zu breit gefächert waren die Themen, als dass irgendwann mal das überraschte und heitere «Läck mir» im Zuschauerraum aufgekommen wäre. Krächerlein kamen vor. Es gab zwei, drei Sujets, über die sich Oltens Schnitzelbank-Sänger am Schmutzigen Donnerstag mehrheitlich auslassen konnten.

Auch wenn nicht alle unter ihnen Donald Trump oder den verregneten «Donnschtig Jass» auf der Kirchgasse in der Agenda führten. Mehrheitlich fanden diese beiden Themen doch Eingang ins Repertoire, während etwa die parteiinterne Affäre um SP-Stadtrat Peter Schafer oder die sehr diskreten Resultate des EHC Olten aus jüngster Vergangenheit kaum Erwähnung fanden.

Offenbar packt der Umstand, dass beim «Donnschtig Jass» Chris von Rohr und damit kein Oltner und keine Oltnerin als Promi-Gast geladen war, mehr bei der Ehre, zeigt der mediale Trump-Overkill Wirkung. Vielleicht liegt die Affäre Schafer halt schon zu weit zurück.

Obwohl: Dass Marion Rauber als Mitglied der Fuko in den Stadtrat will, das war dann schon mehrfach Grund für eine Bank. Indirekten Zugang zur Causa Schafer fand einzig die Guggi-Zunft. Sie spekulierte, dass wohl Marion Rauber bei Schafers verpasster Anmeldung zur Stadtpräsidentenwahl als Pöstlerin eine Rolle gespielt habe. Und die Tannzapfe-Zunft erinnerte sich der EHCO-Erfolgsarmut mit dem Verweis darauf, dass der CVP-Darbellay halt nur wenig Anläufe gebraucht habe, um einen Erfolg (aussereheliche Vaterschaft) feiern zu können.

Schnitzelbank-Zeitung sei Dank

Was das Leben der Gäste jeweils enorm erleichtert, sind die auf Tischen verteilten Schnitzelbank-Zeitungen. Zu häufig nämlich treten die Ensembles als regelrechtes Chorereignis in Erscheinung, was der Verständlichkeit der Verse wenig zuträglich ist. Es sei denn, die Gruppen treten sprachlich sehr diszipliniert und äusserst präzise auf.

Andernfalls verpasst der Zuhörer, derart mit lesen beschäftigt, mögliche Gesten oder andere Feinheit auf der Bühne. Würden die Gruppen ihre Produktionen so präzise gestalten wie ihren Einmarsch inszenieren, reichten Hinschauen und Hinhören aus, um ein gutes Mass an Fasnachtsgenuss erleben zu können.

Neben Trump und «Donnschtig Jass» sind und bleiben Oltens Beizen beziehungsweise deren Betreiber Evergreens: Roger Lang vom «Chöbu» und Sergio Salvi ab der «Felsenburg» etwa geben immer wieder mal wegen ihrer zunehmenden Körperfülle Anlass für eine Bemerkung; Nicolas Castillo von der «Schlosserei-Genussfabrik» wegen seiner undiplomatischen Art.

Überraschend häufig fanden auch Frauenquote beziehungsweise der Inländervorrang Platz im Repertoire. Wenig Publikumserfolg einheimsen lässt sich hingegen mit dem Aufwärmen von Klischees vergangener Tage, als Mann noch ungestraft die Meinung äussern durfte: Frauen könnten nicht parkieren.

Das gilt auch für die Hilari-Zunft. Sie darf für sich in Anspruch nehmen, mit ihrem Vers zu Fahrkünsten von Frauen die heftigsten Reaktionen des Abends ausgelöst zu haben. Da versteht das Publikum heute keinen Spass (mehr).

Stadträte wurden geschont

Auffällig verschont wurden heuer die Stadträte, Thomas Marbet blieb gänzlich unerwähnt. Die Altstadt-Zünfter wünschten sich zwar, dass ein Lichtstrahl Martin Weys Geist erhellen möge und die Rätschwyber misstrauen Benvenuto Savoldelli bezüglich Steuerpolitik.

Und Iris Schelbert, so fanden die Altstädter, stehe als Lehrerin in der Gunst von Sven Engler. Nur dank ihr sei aus ihm was geworden. Dies danke er ihr jeden Montag mit währschafter Verpflegung.

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