«Wir kaufen jede Art von Schmuck oder gebrauchten Gegenständen aus Gold und Silber», heisst es auf dem Flyer, der seinen Weg in diesen Tagen in viele Oltner Briefkästen fand. Schon wieder so ein Papier, mögen sich einige gedacht haben. Denn Ende März machte bereits ein Ungar ebenfalls per Flyer auf seine private Sperrmüllaktion aufmerksam. Damals wusste man nicht genau, ob der Ertrag wirklich wie angegeben «armen Ungarn» zur Verfügung gestellt wurde, oder ob es sich um einen Gauner handelte (wir berichteten). Olten, ein Mekka für Trickbetrüger?

Die neuste Sammelaktion kommt auf den ersten Blick weniger dubios daher. Für drei Tage, von Montag bis Mittwoch dieser Woche, haben sich die Schmuckhändler im Hotel Astoria eingemietet und dafür 1050 Franken Raummiete hingeblättert. Jeweils von 10 Uhr bis 16 Uhr bieten die Veranstalter potenziellen Kunden «persönliche Beratung und faire Preise».

Auskunft geben will der Organisator aber nicht. Dabei hat Herr G. sogar seine Handynummer auf dem Informations-Flyer hinterlassen. «Wir haben nichts zu verstecken und nichts preizugeben. Deswegen äussern wir uns nicht. Meinen Flyer und meinen Namen will ich nicht in der Zeitung sehen», so die Botschaft per Telefon. Vielleicht bringt ein Augenschein vor Ort Licht ins Dunkel?

Film statt Schmuck

Ein Zettel beim Eingang des Hotels Astoria weist den Weg. «Gold-Ankauf im Seminarraum im fünften Stock» steht darauf. Oben angekommen dröhnen Filmmusik und Filmdialoge aus dem Zimmer, in dem eigentlich der Wert von Uhren und Halsketten geschätzt werden sollte. Das Klopfen an der Tür lässt die Geräusche pausieren. «Bisher war keiner da», sagt G. junior kurz angebunden. Er wartet gemeinsam mit einer Kollegin im Seminarzimmer auf Kundschaft.

Auskunftsfreudiger als die Schmuckankäufer ist Remo Buchser. Der Chef vom Hotel Astoria sagt: «Die Veranstalter sind seriös, haben zum Beispiel die Firmenadresse hinterlegt.» Seit mehreren Jahren reservieren zwei unterschiedliche Schmuckankäufer jeweils zwei bis dreimal im Jahr den Seminarraum des «Astoria». «Wir gehen davon aus, dass es die Schmuckankäufer ehrlich meinen. Es gab noch nie Beschwerden, wobei wir davon ausgehen, dass sich die Personen definitiv bei uns gemeldet hätten», sagt Buchser.

Der «Astoria»-Chef vermutet auch, dass sich der Ankauf von Schmuck schnell rechnen kann: «Laut Auskunft der Ankäufer reicht ein Kunde mit vollen Taschen schon, damit sich die zwei bis drei Tage gelohnt haben». Meist sind es Erbstücke, die verkauft werden. Die Erbenden benötigen etwas nicht mehr und freuen sich, wenn sie noch etwas dafür bekommen.