Wann sonst, wenn nicht zum Digitaltag soll ein Coworking Space eigentlich eröffnet werden? Rhetorische Frage. Heute Donnerstag jedenfalls eröffnete der Berufsverband Angestellte Schweiz mit Sitz an der Martin-Disteli-Strasse in Olten einen solchen: Sechs Arbeitsplätze, ein Seminarraum, ein Kreativ-Raum mit vielfältig einsetzbarem Inventar gehören dazu. Und weiter sind da Räume, die Arbeit, Aufenthalt und Relaxen vermengen und so Networking ermöglichen.

«Die Digitalisierung ist unaufhaltsam und wird die Arbeitswelt und unsere Art zu leben nachhaltig verändern», so Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz. Einen Teil ihrer Büroinfrastruktur stellt der Verband in Olten deshalb gratis zur Verfügung; «für alle, die flexibel arbeiten und mobil sein wollen», so der Geschäftsführer weiter. Natürlich erhofft sich der Verband mit seinen rund 15 000 Mitgliedern von dieser Neuerung auch Einblicke in die stets flexibler werdende Arbeitwelt, in die Bedürfnisse der Nutzer und wünscht sich zudem ein dadurch entstehendes Network. Coworking Spaces haftet quasi das Image eines Jungbrunnens an.

Eine neue Erfahrung

Zu den ersten Nutzern des Angebots gehörte gestern Oltens Stadtpräsident Martin Wey. Als Mitglied des AareLandRat hatte er das Gremium zur Sitzung in den Seminarraum gebeten. «Sicher eine neue Erfahrung, ein Treffen an einem solchen Ort abzuhalten», sagte Wey. Der Ort stehe für eine neue Form der Arbeitswelt, die zwar noch etwas ungewohnt, aber durchaus – im Sinne etwa des Home Working, auch in der Verwaltung Einzug halten könnte.

Was Wey dabei noch etwas fehlte, waren die sonst kurzen informellen Wege unter Entscheidungsträgern, wie sie halt nur in einer zentralen Arbeitsorganisation anzutreffen sind. «Das ist sicher eine wesentliche Erkenntnis: Der Coworking Space ist nicht das Nonplusultra, sondern ist zumindest – Stand heute – situativ zu nutzen», weiss der Arbeitspsychologe Michael Schläppi von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Tendenziell zeige sich, dass die Erledigung von Arbeit immer weniger standortgebunden erfolge. «Für Nutzende mit flexiblem und mobilem Arbeitshintergrund, die auch soziale Kontakte pflegen und erweitern wollen, ist der Coworking Space der richtige Ort.»

Nachfrage werde weiter steigen

Die regionale Wirtschaftsförderung unter Urs Blaser hatte im Jahr 2010 mit Plug & Start schon früh die Coworking-Space-Phase in Olten eingeleitet. Mittlerweile arbeitet die Wirtschaftsförderung mit JuraLAB, einer Einrichtung der Stiftung 3F0 in Olten, zusammen. Zudem hat sie ihr Angebot erweitert, dies im Zusammenhang mit Swissbiolabs. «Drei Start-ups sind dort dabei», weiss Blasers Nachfolger Rolf Schmid.

Der ist überzeugt, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten weiter steigen wird. Ines Preim, mit dem Management von JuraLAB betraut, bestätigt die Einschätzung Schmids. «Das Format wird an Bedeutung gewinnen.» Mit der derzeitigen Auslastung der Coworking Spaces ist sie sehr zufrieden, auch wenn noch «freie Kapazitäten festzustellen» seien, so Ines Preim.

Diese Zeichen der Zeit will Stefan Studer mit der Einrichtung von Coworking Spaces erkannt haben: «Digitalisierung und deren Auswirkung sind für uns als Arbeitnehmerorganisation ein zentrales Thema und gleichermassen ein existenzielles. Wir wollen mit unserem Schritt parat sein für die Arbeitswelt von morgen.»