Im Mai dieses Jahres hatte sich in Olten der Verein «Schlafguet» formiert. Dessen ambitionierte Zielsetzung: die Errichtung einer Notschlafstelle bis Oktober 2017. Daraus wird nun nichts. Einer der Gründe für das Scheitern: das Geld. Ein zweiter Grund: die offenkundig negative Akzeptanz einer Notschlafstelle beziehungsweise von deren Nutzern. Etwas Anrüchiges soll ihnen anhaften. «Schlafguet» hatte sich mehrfach vergeblich bemüht, Lokalitäten zu finden.

Gescheitert ist auch der Versuch, Räumlichkeiten der römisch-katholischen Kirchgemeinde Olten/Starrkirch-Wil im Säliquartier anzumieten. Grund hier: Die monatlichen Mietzinskosten, die dem Verein als zu hoch erschienen. Rund 1000 Franken blieb dessen Offerte hinter den Erwartungen der Vermieterin zurück. Deren Vorstellungen über die monatlichen Zahlungen sollen sich aber eher im sozial verträglichen Bereich befunden haben, wie aus Kirchenkreisen zu erfahren ist. Auf jeden Fall deutlich unter 4000 Franken. Zuzüglich Nebenkosten übrigens. Und was «Schlafguet» ebenfalls schreckte: Die Vermieter sahen auch einen mehrjährigen Mietvertrag vor, da die Nutzung der Räumlichkeiten als Notschlafstelle für den Besitzer mit Vorinvestitionen in Höhe von 30 000 bis 40 000 Franken verbunden gewesen wäre.

«Schlafguet» hingegen ging lediglich von einer bis zu dreijährigen Versuchsphase aus.
An der gemeinsamen Sitzung im Juni, bei der auch Vertreter anderer Kirchgemeinden anwesend waren, fielen keine Entscheide. Vielleicht auch darum, weil die römisch-katholische Kirchgemeinde sich nach einem möglichen Betriebskonzept erkundigte, dieses aber von «Schlafguet» noch nicht definitiv vorgelegt werden konnte. Die Vermieterin gab im Weiteren zu verstehen, einem gewissen Zeitdruck zu unterliegen, da sie noch um eine ganze Reihe anderer Mietinteressenten wisse. Seither herrscht zwischen den Parteien Funkstille. Heute gehen im Grunde genommen beide Seiten davon aus, dass eine künftige Zusammenarbeit eher nicht mehr infrage kommt.

Das Betriebskonzept wird im November an der ersten Mitgliederversammlung von «Schlafguet» vorgestellt. Rund 60 Personen zählt der Verein, aus dem sich auch Freiwillige finden, die sich aktiv auf der Notschlafstelle einbringen. «Selbstverständlich wird der Verein auch mit den Privatpersonen das Gespräch suchen, welche sich für eine Notschlafstelle engagieren und Räume anbieten, um mögliche Formen der Zusammenarbeit zu klären», wie es in einer gestern verschickten Mitteilung heisst. Dies als Reaktion auf die gestrige Meldung dieser Zeitung, dass die Kung-Fu-Schule ihr Schulungslokal als Notschlafstelle zur Verfügung stellt. Im Verein hat sich die Überzeugung breitgemacht, die Vorbereitungszeit zu knapp veranschlagt zu haben. Man will das Projekt Notschlafstelle auf den Winter 2018/19 stemmen und mittelfristig festigen, sagt Initiant und Pastoralraumleiter Andreas Brun gestern auf Anfrage. Mit gut 20 000 Franken in der Portokasse, gespeist von unterschiedlichen Geldgebern, will man im kommenden Herbst die erste Saison der Notschlafstelle angehen können.

Stadt Olten sieht kein Bedarf

«Schlafguet» sieht die Notwendigkeit einer Notschlafstelle als gegeben. Aber man will nicht ausschliessen, dass die Erfahrungen aus der Versuchszeit auf wenig Bedarf hindeuten könnten. Zu diesem Schluss kommt das offizielle Olten bereits jetzt, welches die Lage deeskalierend beschreibt: Auf eine im Dezember 2016 eingereichte Interpellation der Jungen SP hatte der Stadtrat die Frage, ob er die Notwendigkeit einer Notschlafstelle gleich wie verschiedenen Hilfswerke beurteile, mit einem trockenen «Nein» beantwortet. «Bis anhin konnte für alle Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz im Einzugsgebiet der Sozialregion Olten, die sich auch vor Ort aufhalten und mit den zuständigen Stellen zusammen arbeiten, Obdach gefunden werden», schrieb der Stadtrat. Und: «Personen ohne zivilrechtlichen Wohnsitz können im Rahmen der Nothilfe für eine Nacht untergebracht werden und Hilfe zur Rückreise an den Ort ihres zivilrechtlichen Wohnsitzes erhalten.» Für Martin Wey ist klar: «Eine Notschlafstelle wirkt auch immer als Anziehungskraft auf Randständige. Diesen Prozess möchten wir nicht fördern», so der Stadtpräsident auf Anfrage.