Einen Wunsch aus touristischer Sicht habe er per Fingerschnippen frei für die Region Olten. Welchen? «Eine gute Frage», sagt Christian Gressbach, der s

cheidende Direktor der Tourismusregion Olten. Dann dreht er auf dem Bürostuhl hin und her. «Das Wichtigste wäre wohl die Angebotsentwicklung», sagt er dann. Darunter sei zu verstehen, dass die Region ein Angebot zu schaffen hätte, welches die Touristen dazu bringt, länger als einen Tag in der Gegend zu verweilen. «Obwohl», schiebt er hinterher, «Olten und die Region werden nie eine Destination im Sinne des Ferien- und Freizeittourismus werden.» Gressbach sagts zwar nicht, aber ums in einer Metapher auszudrücken: Olten ist halt irgendwie Werktag. Die touristischen Stärken der Region liegen nämlich woanders. Im Konferenz- und Seminartourismus, oder wie man in Gressbachs Branche sagt, im Businesstourismus.

Der Toggenburger und ausgebildete Primarlehrer nickt. Wie er als Lehrer überhaupt zum Tourismus kam? «Ja, das Toggenburg ist zumindest eine semitouristische Region», sagt er. Da liege ein solcher Wechsel doch nicht so fern. Und weil Tourismusdirektoren keine Klosterbrüder sind und sich mit Wünschen nicht zurückhalten können, meint der 34 Jährige: «Ich hätte noch einen zweiten Wunsch: Ich glaube, die Region Olten sollte sich vermehrt auch als solche verstehen.» Ob regionales Denken beziehungsweise ein solches Bewusstsein denn fehlt? Gressbach schmunzelt kurz. «Es ist sicher ausbaufähig», meint er.

Weder Danuser noch Illi

Gut zweieinhalb Jahre sind bei Gott keine Ewigkeit. So lange war Gressbach Tourismusdirektor der Region Olten. Kurz; zu kurz? «Ich glaube nicht», sagt er. Es brauche immer wieder neue Ideen, neue und frische Kräfte. «Einen Hanspeter Danuser (langjähriger Kurdirektor in St. Moritz) oder einen Kurt Illi (langjähriger Verkehrsdirektor der Stadt Luzern) wird Region Olten Tourismus nicht hervorbringen», meint der Toggenburger lachend. Dafür spiele die Region eben in einer andern Liga. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, Olten und Umgebung kennenzulernen. «Ich habe mir hier zwar keinen riesigen Freundeskreis aufgebaut, aber ich war häufig mit dem Bike unterwegs», erklärt er.

Jenseits der Handelswege, sprich Hauptstrassen. Und er hat den offenen Geist der Region geschätzt. «Man ist schnell Teil der Stadt, ohne sich darum bemühen zu müssen.» Unkomplizierte Leute halt. Aber wo Licht – da auch Schatten: Der Noch-Tourismusdirektor lächelt. Es gebe halt verschiedene Ebenen. Im Grunde sei der Oltner doch sehr zufrieden mit seiner Umgebung; erst der Vergleich mit andern Orten, die eigentlich gar nicht vergleichbar seien, lasse ihn zum «Mötzler» werden, wie der Toggenburger das Phänomen liebevoll umschreibt.

Auswärtige, die nach Olten kommen, würden die Stadt hübsch, ruhig, angenehm, unaufdringlich finden. «Auch meine Eltern und Freunde aus dem Toggenburg waren schon hier», sagt Gressbach. «Wenn die Leute erst mal da sind, finden sie Gefallen an der Stadt und ihrer Umgebung. Die Frage ist also: Wie bringt man die Leute erst mal hierher. Wie eingangs gesagt: Die Angebotsentwicklung wäre zu optimieren.»

Kirchgasse und Andaare

Bei allem Werk- und Alltag: Die umgestaltete Kirchgasse hält Gressbach für touristisch sehr wertvoll. «Wohl etwas vom Wertvollsten, was in den letzten Jahren entstanden ist.» Als noch wertvoller aber taxiert er das auf Eis gelegte Projekt Andaare. «Letzteres wäre effektiv im ersten Moment schon augenfällig, während ein Tourist die Kirchgasse überhaupt erst finden muss», begründet er seine Einschätzung.

Gefunden wurden auch Kunden durch die von Olten Tourismus unter der Ägide Gressbachs geschaffenen Plattform «Olten Meetings», auf der sich sechs Anbieter der Region für Seminare empfehlen. Seit gut einem Jahr in Betrieb, gibt sich Gressbach zufrieden mit dem Zwischenresultat. «Die Bilanz wird programmgemäss nach drei Jahren gezogen», sagt er.

Nun wartet auf den Toggenburger aber eine andere Welt; bereits Ende August verreist der Mann mit seiner Freundin Richtung Südamerika; später folgen Ozeanien und Südostasien. Fünf Monate soll die Reise dauern; Ende Januar will das Duo wieder in heimischen Gefilden landen. «Auf Reisen zu gehen hatte ich schon immer im Auge», sagt der Mann, der in diesem Zusammenhang nur ungern von einer Weltreise spricht. «Gut möglich, dass wirs einmal rundherum schaffen, aber ists deswegen schon eine Weltreise?», fragt Gressbach reiselustig. Afrika lassen die beiden nämlich aus.

Was kommt nach der Reise?

Und was kommt danach? Gressbach lacht. Da liege noch einen Menge Zeit dazwischen, meint er. Vielleicht versuche er seine zwei Berufe, Lehramt und Tourismus, zu verbinden. Zwischenzeitlich hat der Mann im Fernstudium an der Uni Bayreuth noch seinen Master in Business Administration (MBA) gemacht. Gressbach ist gerüstet für die Zukunft. Da lässt sich leicht Wilhelm Busch zitieren, der einst geschrieben hat: «Froh schlägt das Herz im Reisekittel, vorausgesetzt man hat die Mittel.»