Olten
Scharfe Kontrollen in der Innenstadt hinausgeschoben

Für Nutzer des Verkehrsregimes hätte diese Woche die 14-tägige Angewöhnungszeit enden sollen. Vielen Lenkern fällt die Gewöhnung an die neuen Tempo-Regelungen aber noch etwas schwer. Kontrollen werden deshalb um zwei Wochen hinausgeschoben.

Urs Huber
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Hübelistrasse Süd: Das Verkehrsschild rechts findet auch 14 Tage nach Einführung des neuen Verkehrsregimes Innenstadt wenig bis gar keine Beachtung.

Hübelistrasse Süd: Das Verkehrsschild rechts findet auch 14 Tage nach Einführung des neuen Verkehrsregimes Innenstadt wenig bis gar keine Beachtung.

HR Aeschbacher

20 Stundenkilometer in der Oltner Innenstadt, 30 auf den Zufahrtswegen und eine für den motorisierten Verkehr gesperrte Hübelistrasse Süd; das ergibt eine explosive Mischung.

Die Bemerkung, er sei mit seinem Wagen eben verbotenerweise durch die Hübelistrasse Süd gefahren, quittiert er mit Erstaunen. Wo das geschrieben stehe, fragt er. Der Verweis auf die angebrachte Signalisation bei der Einfahrt hilft nicht viel. «Die habe ich nicht gesehen, ist irgendwie auch nicht gescheit montiert», sagt er. Früher habe man doch die Strasse passieren können, fügt der Mann noch an und den Hinweis darauf, die neue Verkehrsordnung sei erst 14 Tage alt, veranlasst ihn schliesslich zu einer Unbeherrschtheit: «So etwas kommt doch nur Hornochsen in den Sinn!» Dann schleicht er sich von dannen. Seinen Namen! Er winkt ab. Ob ihn nicht doch das schlechte Gewissen umtreibt?

Falls ja, er müsste bei Gott nicht der Einzige sein. Quasi im Minutentakt passierten beim Augenschein motorisierte Fahrzeuge die Hübelistrasse Süd; beileibe nicht bloss Auswärtige mit kantonsfremden Kontrollschildern. Schon tags zuvor wars nicht besser. Ein Paar durchfährt die fragliche Stelle und parkiert sein Fahrzeug dann an der Hübelistrasse Nord. Er löst den Parkschein, sie wartet auf dem Trottoir im Schatten. Ob er die Verbotstafel nicht gesehen habe? Er verneint, sie schweigt. Davon hätten sie nichts gewusst – eben aus den Ferien zurück.

«Irgendwie muss man doch in die Stadt kommen», sagt er dann. Nun müsse man eben um den Häuserblock rumfahren. Aha. «Aber das gibt doch wieder mehr Kilometer und alle möchten was tun gegen den CO2-Ausstoss», sagt er fast belustigt. Er findet das alles irgendwie doof. Dass die Konradstrasse mittlerweile mit einem Tempolimit von 20 km/h belegt ist, das haben die beiden aber wahrgenommen. Wie? «Es ist doch aufgemalt», sagt er. Ob er das gut finde, die Limite? Und ob er sich dran halte? «Ja, ist das eine Frage», tönts zurück. «Da kann ich doch nichts machen, ich muss mich daran halten.» Dann verschwindet er mit seiner Partnerin in der Konradstrasse.

Scharf kontrolliert wird später

Statistische Auswertungen der Stadtpolizei nach knapp 14 Tagen zeigen, dass die Akzeptanz des neuen Verkehrsregimes noch nicht so weit fortgeschritten ist wie erhofft. Darum wird die Zeit der scharfen Kontrollen um zwei Wochen hinausgeschoben, wie der stellvertretende Kommandant der Stadtpolizei, Ulrich Pfister, sagt. «Wir haben zwar über die Medien zum neuen Verkehrsregime orientiert, haben Flyer verteilt, per Fusspatrouillen gezielt fehlbare Lenkerinnen und Lenker gemahnt und ans neue Regime erinnert.» Aber offenbar blieb der schlagende Erfolg dieser Aktionen hinter den Erwartungen zurück.

42 km/h: Der Fahrausweis ist in höchster Gefahr.

42 km/h: Der Fahrausweis ist in höchster Gefahr.

Dass in der Hübelistrasse Süd das Verbot noch immer grosszügig ignoriert wird, ist dem stellvertretenden Kommandanten bekannt. «Es ist natürlich auch nicht so einfach: Wer 20 Jahre lang auf einer Strasse verkehrt ist, gewöhnt sich nicht so rasch an eine neue Situation.» Und er erinnert auch an die ungeheure Signaldichte. «Das gilt für die ganze Schweiz», sagt Pfister. Sicherere Aussagen über die Akzeptanz des neuen Verkehrsregimes aber könnten noch keine abgegeben werden. «Das braucht sicher ein halbes Jahr Erfahrungen», so Pfister. Weiter im Einsatz bleiben die sogenannten Speed-Displays, welche den vorbeifahrenden Automobilisten ihre aktuell gefahrene Geschwindigkeit anzeigen und auch mahnend wirken sollen.

Mann und Frau hinter dem Steuer stossen bei solch tiefen Tempi durch unkorrektes Verhalten nämlich relativ rasch in jenen Bereich vor, der den Entzug des Führerscheins mit sich bringt. Es gelten im Übrigen die üblichen Konditionen: Bereits wer die Höchstgeschwindigkeit mit 16 bis 20 km/h überschreitet, hat gegebenenfalls mit einem Ausweisentzug zu rechnen, ganz sicher aber bei einem solchen zwischen 21 und 24 km/h.

Mit dem Blick am Tacho

Und was sagen etwa Fahrlehrer zum neuen Verkehrsregime? Gerry Grütter (Fahrschule Grütter Stoss AG) erklärt: «Uns kommen zunehmend Gebiete abhanden, in denen wir unsere Schüler mit herkömmlichen Verkehrssituationen konfrontieren können. Wer heute mit einem Fahrschüler durch die Konradstrasse fährt, muss sich vor allen Dingen zuerst mal auf das Einhalten der korrekten Geschwindigkeit konzentrieren.» Mehr liege da fast nicht mehr drin. Ein generelles Tempolimit von 30 km/h wäre für ihn sinnvoller gewesen.

Wo bitte gehts hier lang? Plötzlich ist ein bisschen «viel Schild»auf einem Fleck vereint.

Wo bitte gehts hier lang? Plötzlich ist ein bisschen «viel Schild»auf einem Fleck vereint.

Mit Tempo 20 hat Fahrlehrer Jan Neuhaus keine Schwierigkeiten, obwohl er einräumt «dass ein Fahrschüler schon sehr mit diesem Limit zu kämpfen hat» und mit den Augen deshalb wohl mehr am Tacho hänge als an der Umgebung. Aber im Grunde sieht er in den wechselnden Tempi 50–30–20 keine Probleme. «Fahrschüler sind vermehrt besonders vorausschauend – weil weniger routiniert – unterwegs; da machen ihnen neue Signalisationen weniger Schwierigkeiten als einem erfahrenen Fahrer.» Obwohl Signale auch hin und wieder zu dicht oder ungünstig angebracht seien. Er pflege jeweils zu raten: Unbedingt bewusst Auto fahren.

Diese Maxime wird wohl in den kommenden Monaten in der Oltner Innenstadt sowieso gelten. Auch wenn Fehlverhalten offiziell erst ab Anfang August geahndet wird.