Inhaltlich sind sich die Kritiker einig mit der SP-Parteileitung rund um Präsidentin Brigitte Kissling: Es ist richtig, dass der amtsälteste Stadtrat Peter Schafer nach vier Legislaturen nicht mehr antritt. Ex-Parteipräsident Alex Capus sagt dazu: «Es ehrt Peter Schafer, wenn er frischen Kräften Platz macht.» Er betrachtet ihn als einer der «alten Garde», welche beim verpassten Nichtkauf des Areals Olten SüdWest «versagt» hat.

Das Vorgehen allerdings, wie Peter Schafer unter Druck der Parteileitung zum Rückzug seiner Stadtratskandidatur bewogen wird, kommt gar nicht gut an. Der 72-jährige Hubert Jenni, der viele Jahre der städtischen und kantonalen Politik mitgeprägt hat und auch heute noch an Parteiversammlungen anzutreffen ist, sagt auf Anfrage: «Das ist taktisch nicht geschickt, man hätte intern alles vorher klar regeln sollen.»

Ex-Fraktionschef und alt Gemeinderat Daniel Schneider nimmt kein Blatt vor den Mund: «Es ist ein Riesenfauxpas, dass man das Gespräch mit der neuen Bewerberin Marion Rauber früher geführt hat als mit dem amtierenden Stadtrat Peter Schafer.» Die Geschäftsleitung müsse die Kommunikation «massiv verbessern».

In seinen Augen gibt es «einen Graben zwischen der Parteileitung und der Basis, der unbedingt geschlossen werden muss». Er hegt seine Zweifel daran, ob das der aktuellen Präsidentin Brigitte Kissling, die er als «umstritten» bezeichnet, gelingen kann.

Die kritisierte Kissling gibt Fehler in der Kommunikation zu: «Wir hätten uns von der Geschäftsleitung aus schon viel früher Gedanken machen müssen, ob wir mit Stadtrat Schafer in eine fünfte Legislatur gehen wollen oder nicht und mit ihm dann das Gespräch suchen müssen.» Aufgrund dieses Versäumnisses sei es nun zum öffentlichen Hin und Her hinsichtlich seiner Stadtratskandidatur gekommen.

Amtszeit beschränken

Um das künftig zu verhindern, will Kissling die auch von Ex-Präsident Capus vorgebrachte Idee einer Amtszeitbeschränkung thematisieren. Dazu müssten die Statuten geändert werden. An der nächsten Generalversammlung im kommenden Jahr will die Geschäftsleitung der Basis einen Vorschlag unterbreiten.

Capus könnte sich eine Amtszeitbeschränkung bei Stadtratsmandaten auf zwölf Jahre vorstellen, weil «man nachher auch noch etwas anderes machen kann».

Zur Sprache bringen will die jetzige Präsidentin Kissling ebenfalls den Arbeitsaufwand ihres Amts: Welche Ansprüche gibt es ans Präsidium? Was ist neben einem Vollzeitjob realistisch? «Eine Partei zu führen, braucht sehr viel Zeit», sagt sie und will sich künftig wieder für ein Co-Präsidium starkmachen, damit die Aufgaben auf zwei Köpfe verteilt werden können. Trotz der parteiinternen Kritik will die Präsidentin die Partei zumindest in die Wahlen nächstes Jahr führen. Wie es danach weitergeht, lässt sie allerdings offen.