Ruppoldingen
Schafe fressen die Problempflanzen einfach weg

Beim Alpiq-Kraftwerk in Ruppoldingen sind Landschafe gegen Neophyten im Einsatz.

Kelly Spielmann
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Rund um das Wasserkraftwerk Ruppoldingen sorgen Neophyten schon seit mehreren Jahren für Probleme.
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«Sie verbreiten sich schneller als einheimische Pflanzen und nehmen diesen somit den Lebensraum weg», weiss Roland von Arx, Umweltverantwortlicher der Alpiq Hydro Aare AG.
Die Neophyten gilt es deshalb zu bekämpfen.
Aber wie?
Das Schild zeigt, was hier geschieht: Naturpflege.
Schafe fressen die Neophyten nämlich einfach. Beweidung nennt sich das.
Roland von Arx bei den Schafen
«Naturorientierte Alternativen gefallen mir sehr, daher wollte ich der Idee mit den Schafen eine Chance geben», sagt von Arx.
Und die Beweidung klappt bestens.
Landschafe sind beim Alpiq-Kraftwerk in Ruppoldingen gegen Neophyten im Einsatz

Rund um das Wasserkraftwerk Ruppoldingen sorgen Neophyten schon seit mehreren Jahren für Probleme.

Bruno Kissling

Rund um das Wasserkraftwerk Ruppoldingen sorgen Neophyten schon seit mehreren Jahren für Probleme. «Besonders mit dem Sommerflieder, der Goldrute und den armenischen Brombeeren haben wir Mühe. Sie verbreiten sich schneller als einheimische Pflanzen und nehmen diesen somit den Lebensraum weg», erklärt Roland von Arx, Umweltverantwortlicher der Alpiq Hydro Aare AG. Im Auftrag des Amts für Umwelt des Kantons Solothurn setzt er sich mit der Bekämpfung der Problempflanzen auseinander.

Gesetzlich gibt es noch keine Vorschriften, ob und wie gegen die invasiven Pflanzen vorzugehen ist. Der Regierungsrat wurde zwar beauftragt, gesetzliche Änderungen vorzunehmen, um eine Bekämpfungspflicht gegen Neophyten einzuführen, aber bis dies in Angriff genommen wird, muss sich von Arx selber um die Lösung des Problems kümmern. «Bisher haben wir die Neophyten so weit zurückgeschnitten, dass sie die Fussgänger auf dem Kiesweg nicht stören.» Doch durch die schnelle Ausbreitung wurden auch die Wege zum Wasser immer stärker versperrt, weshalb eine neue Lösung gefunden werden musste.

Tierische Lösung

Das Umweltbüro Daniel Knecht in Aesch lieferte dazu die richtige Idee: die Grünflächenpflege durch Beweidung. Florian Neumann aus Bubendorf BL bietet diese an, wofür er Tiere alter Pro Specie Rara-Rassen einsetzt. Pro Specie Rara ist eine Stiftung, welche sich unter anderem für die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen einsetzt.

Dazu gehören auch die von Neumann gezüchteten Skudden, Spiegelschafe, die Walliser Landschafe und Schwarzhalsziegen, welche jeweils für andere Bedürfnisse der Beweidung dienlich sind. Nach eingehender Betrachtung der Problemgegend unterhalb des Kraftwerks empfahl der Naturpfleger eine Herde von Walliser Landschafen.

Das Praktische an dieser alten Schafrasse ist, dass die Tiere bei der Wahl ihres Futters ganz und gar nicht anspruchsvoll sind – das Walliser Landschaf frisst, was andere Tiere liegen lassen würden. Sogar dornige Pflanzen und Gehölze kommen auf den Speiseplan der Schafe, was sie für die Problematik in Ruppoldingen zur idealen Lösung macht. Auch von Arx war von der Idee begeistert. «Naturorientierte Alternativen gefallen mir sehr, daher wollte ich der Idee mit den Schafen eine Chance geben», so der Umweltverantwortliche. Bevor die Schafe jedoch auf dem gesamten Gebiet grasen dürfen, sollte zuerst ein Versuch auf einer Teilfläche durchgeführt werden. Dieser begann vor einem Monat und wird am Sonntag enden.

Erhöhte Biodiversität

Wenn man am abgezäunten Gebiet vorbeispaziert, ist deutlich zu erkennen: Neumanns Walliser Landschafe waren hungrig. Wo früher Brombeeren wucherten, sind heute noch einige dornige Äste zu erkennen. Wo bis anhin die einige Meter hohe Goldrute wütete, stehen nun nur noch abgeknabberte Zweige. «Zum ersten Mal seit langer Zeit können wir vom Kiesweg aus wieder bis zum Wasser sehen», staunt von Arx.

Besonders im direkten Vergleich mit den noch unbehandelten Gebieten ist der Unterschied gut sichtbar. «Wir wollten nicht einfach alles bodeneben machen und warten, bis die Neophyten wieder nachwachsen», so der Umweltverantwortliche. Daher seien die Schafe und ihr selektives Fressen ideal. «Die Problempflanzen wurden zwar nicht komplett ausgerottet, aber der Bestand ist definitiv stark zurückgegangen.»

So kann endlich wieder Licht zum Boden durchdringen und andere, einheimische Pflanzen erhalten nun die Möglichkeit, zu wachsen und sich zu verbreiten. Durch das Zurückdrängen der dominanten Problempflanzen kann so eine heterogene Vegetationsstruktur mit höherer Biodiversität entstehen, ohne dass einzelne Pflanzenarten komplett eliminiert werden müssen. «Mit dem bisherigen Ergebnis sind wir sehr zufrieden», erklärt der Umweltverantwortliche. «Im November sind die Schafe erneut für einen Monat hier, nächstes Mal aber auf der anderen Inselseite.» Wenn auch der zweite Weidegang überzeugt, sollte man die Landschafe auch nächstes Jahr wieder in Ruppoldingen antreffen können.