Eppenberg
SBB-Tunnel bringt mehr Züge und Sitzplätze

Alle zwei Minuten braust hier ein Zug vorbei, die Doppelspur zwischen Aarau und Däniken ist ein nationales SBB-Nadelöhr erster Güte. Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer informiert vor Ort über den Vierspurausbau von Aarau nach Olten.

Hans Lüthi
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Ein Tunnel soll mehr Kapazität bringen.

Ein Tunnel soll mehr Kapazität bringen.

Keystone

Mit 510 Zügen täglich ist die Kapazität absolut am Limit, Eppenbergtunnel heisst die Lösung. Wird ja nicht so schwierig sein, denkt sich der Laie und staunt bei einer Begehung der heiklen Stellen des 800 Millionen Franken Bauwerks. «Wirklich eine echte Herausforderung», sagt Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer. Denn: Die Verkehrs-Hauptschlagader Ost–West muss ohne Abstriche am Fahrplan funktionieren, die Hauptstrasse auch, während daneben, darunter und darüber die neue Linie entsteht.

Westportal in Gretzenbach

Zum 3,2 Kilometer langen Tunnel – mit Bohrmaschine oder Ausbruch ist offen – kommen viele knifflige Teilprojekte dazu. Schon bei der Ausfahrt Olten Ost «brauchen wir ein viertes Gleis, zwischen Dulliken und Däniken ebenfalls», erklärt der Projektleiter. Dann stehen wir in Gretzenbach, dort, wo der Bach die Bahn heute unterquert. Er muss definitiv zurückverlegt werden und darf sich künftig durch neues Auenland zur Aare schlängeln.

Bei Gretzenbach SO beginnt der Eppenbergtunnel, in Wöschnau bei Aarau ist das Ostportal

Bei Gretzenbach SO beginnt der Eppenbergtunnel, in Wöschnau bei Aarau ist das Ostportal

Barbara Adank

Die Oltnerstrasse wird nur temporär verlegt, unter ihr durch fahren die Züge dereinst mit Tempo 160 ins Westportal des Eppenbergs. «Wir haben sehr viele Varianten studiert, die Kosten waren ein entscheidendes Kriterium», betont Thomas Schweizer.

Vor den Toren Aaraus ans Licht

In Wöschnau, bereits mit Blick auf Aarau, verlässt die Neubaustrecke den Berg und kommt kurz vor der Strassenüberführung zur Stammlinie zurück. Für einen kreuzungsfreien Betrieb ist hier eine zusätzliche Unterwerfung nötig, wie die Fachleute den 500 Meter langen Tunnel unter den übrigen Gleisen durch bezeichnen. Zum Projekt gehört eine komplette Erneuerung der Bahnhöfe Dulliken und Däniken mit höheren und neuen Perrons. Die Blockabschnitte müssen verdichtet werden, es braucht zwei Stellwerke für die neue Sicherungsanlage. Wenn der Fernverkehr ab 2020 durch den Eppenberg braust, wird damit der Viertelstundentakt Zürich–Bern zu den Spitzenzeiten möglich.

Der Ausbau ist die Grundlage für den Intercity-Halbstundentakt Biel–Zürich und für den durchgängigen Halbstundentakt zwischen Aarau und Olten sowie die Direktverbindung Zofingen–Olten–Aarau. Dank offener Informationen für die Gemeinden stosse das Projekt bisher auf viel Verständnis, versichert der Projektleiter. Um die Bevölkerung direkt zu informieren, planen die SBB in Schönenwerd im März 2013 einen Infopavillon.

Bessere Angebote bis 2025

Der Eppenberg ist laut ZEB-Projektleiter Georg Schmalz das grösste Einzelprojekt für die «Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur» bis 2025. Das Parlament hat dafür 5,4Milliarden Franken bewilligt. Diskutiert werden Bau und Finanzierung der Tunnels Chestenberg, Wisenberg und eines weiteren Tunnels ins Limmattal. Die 100 Einzelmassnahmen bilden die Basis für 400 Meter lange Doppelstockzüge auf der Ost-West-Achse. Damit steigt die Kapazität massiv, denn diese Züge haben Platz für bis zu 1400 Passagiere.