Aus fernen Tagen

SBB Historic macht Bilder rund um die Werkstätten Olten öffentlich

SBB Historic hat Fotografien der SBB Werkstätte Olten für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht; ein Rückblick in Grautönen.

Sie galten gemeinhin als Profiteure des praktizierten Liberalismus im Betrieb: die sogenannten Werkstättler, die in Olten bei der SBB im technischen Betrieb agierten und die gegen halb fünf Uhr abends schon daheim herumwerkeln konnten. «Typisch Sozi», stiessen die andern zwischen ihren zusammengepressten Lippen hervor. Werkstättler wurden sie abschätzig von jenen genannt, die seinerzeit nicht von genau dieser freiheitlichen Betriebskultur profitieren konnten und in der Privatwirtschaft ihre Arbeitskraft verdingen mussten.

Dort, wo der angeblich rauere Wind zu wehen pflegte. «Derfür sie’s fuuli Cheibe!», hatte man ihnen etwas neidisch und zum Trotz nachgesagt. Und immer wieder die Geschichte kolportiert, wer als Werkstättler im Betrieb einfach ein bisschen herumgehen wolle, führe mit Vorteil ein Werkzeug oder Werkstück mit sich. Damit man meine, er sei geschäftig unterwegs.

Als die Werkstättler und ihre Arbeit noch wundernahmen

Die Welt des Werkstättlers blieb den andern verborgen. Aber deren Bewusstsein und Gehabe prägte ganze Landstriche der Region. Viele von ihnen waren Sozialdemokraten, sorgten für politisch-geistige Unruhe, nicht nur in der bürgerlich assortierten Stadt Olten. Wer heute an einem Sonntagmorgen ebendiese Stadt erkundet und in einem Garten – zwischen Holunderstrauch und Stangenbohnen, einen Mann im leicht gespannten weissen ärmellosen Unterleibchen und kaltem Stumpen entdeckt, dem sei gesagt: So stellte man sich früher den Werkstättler vor. Die Welt gehörte eben auch ein bisschen ihm.

Nun, solcherlei ist vorbei. Nach der Umwandlung der SBB in eine Aktiengesellschaft und der Divisionalisierung kurz vor der Jahrtausendwende wurden aus den Hauptwerkstätten die «Industriewerke». Das verstehe wer will. Aber eben: Heute gehen die Werkstättler, würde man ihnen noch so sagen, im Brei der Beschäftigten sowieso unter. Ihre Typologisierung ist verschwunden, zumindest stark aufgeweicht.

Und eigentlich nimmt niemanden mehr wunder, wie deren Arbeitsstätte heute aussieht. Damals schon. Wo Schmiede, Schlosserei und Dreherei unter einem Dach vereint waren, später noch die Wagenmontage und Raddreherei hinzukamen, musste etwas sein, was Moderne bedeutete und stützte. Und die Eisenbahn galt als eine ihrer Galionsfiguren.

Bühne frei! – für das Wirken in der Werkstatt

Jetzt hat SBB Historic den Schleier gelüftet und Fotografien zu SBB in und rund um Olten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Interessant: Auf den gut 200 Fotografien finden sich äusserst wenige Werkstättler abgebildet: Vielmehr werden Produktionsprozesse veranschaulicht, Maschinenanlagen und Erweiterungsbauten gezeigt, Schadensfälle dokumentiert, Rollmaterial gezeigt.

Nur gelegentlich spielt der Mensch eine Rolle, etwa die Lehrlingsabteilung am Schraubstock oder die Kellnerinnen der Kantine, die vor aufgereihten Suppentellern posieren.

Drei Kellnerinnen in der Kantine

Drei Kellnerinnen in der Kantine

Und natürlich hält die Fotodokumentation auch fest, wie sich Bahnhof und Werkstätte Olten in die Landschaft einfügen oder – um es etwas weniger pathetisch auszudrücken – ihren Spuren hinterlassen. Und zweifelsohne noch hinterlassen wird. Denn die Bahn und ihr Platzbedarf wachsen, schier unaufhörlich. Von 1975–1979 entstand im Tannwald-Areal eine neue, auf den rationellen Unterhalt der Einheits- und Leichtstahlwagen ausgelegte Revisionshalle.

Die alte Infrastruktur konnte der Länge der neuen Einheitswagen I nicht mehr gerecht werden. 1996 wurde ein speziell auf IC-Doppelstockzüge ausgelegter Hallenbau auf dem Tannwald-Areal eingeweiht. Und zwischen 2003 und 2005 wurde die Tannwald-Halle erweitert, ein neues Hochgebäude für Verwaltung, Detailmontage und Lager sowie ein neues Personalrestaurant realisiert.

Bilder rund um Bahn und Hauptwerkstätte Olten gibts auf Wikimedia Commons.

Verwandtes Thema:

Autor

urs huber

urs huber

Meistgesehen

Artboard 1