6:59 Uhr, Basel. Eine junge Frau schreit in ihr Handy. «Wenn du dich beeilst, schaffst du’s vielleicht noch.» Die Kollegin am anderen Ende der Leitung hört das Wort Sommerfahrplan gerade zum ersten Mal. Schmerzlich muss sie erfahren, dass ihr angepeilter 7.04-Uhr-Zug über Olten nach Luzern nicht fährt und sie den Ersatzzug verpasst. Oder doch nicht? Eigentlich hätte der Zug nach Olten schon vor zwei Minuten abfahren sollen, doch noch steht er.

7.01 Uhr, Basel. «Oh, jetzt fährt er grad los.» Der Zug wartet offensichtlich doch nicht. Die Zuspätkommerin am Telefon wird den Anfang ihres Fotografie-Kurses in Luzern verpassen. Das Lästern beginnt. «Es regt mich schon auf, dass ich jetzt den ganzen Sommer immer in Olten umsteigen muss.» ... «Wie wird das wohl, wenn auf dem Heimweg alle verschwitzt stinken.» ... «Zum Glück habe ich immerhin einen Sitzplatz gefunden.»

7.12 Uhr, Liestal. Niemand muss stehen. Auch die Passagiere, die in Liestal zusteigen, finden alle einen Sitzplatz. So mancher kann es sich sogar erlauben, seine Tasche auf den Nebenplatz zu stellen. Die Massnahmen der SBB, verlängerte Züge und Doppelstock-Wagen, wirken.

Eine schöne Abwechslung

7.18 Uhr, Läufelfingen. Hier wird der Zug umgeleitet. Erst im vergangenen Jahr sprach sich das Baselbieter Stimmvolk mit 65 Prozent dagegen aus, die Regionalbahn einzustellen. Die SBB hätte die Alternativstrecke durch den alten Hauenstein ohnehin aufrechterhalten. Der aktuelle Sommerfahrplan zeigt warum. «Diese Strecke ist auch schön. Es freut mich, wieder einmal hier vorbeifahren zu können», sagt ein älterer Herr zum Kondukteur. Der lächelt zurück. Der befürchtete Pendlerstress ist bisher ausgeblieben. Die meisten Passagiere wussten vom Sommerfahrplan und haben sich darauf eingestellt. Auch die durch den Sommerfahrplan getrennten Freundinnen tratschen am Handy mittlerweile über ihre Wochenendausflüge. Der Zug fährt kurz darauf durch den 160 alten Hauenstein-Scheiteltunnel.

7.28 Uhr, Olten. Drei Minuten nach der geplanten Ankunftszeit kommt der Zug in Olten an. Die reine Fahrzeit war trotz des Halts in Liestal nur drei Minuten länger als die Direktverbindung. Wie an jedem Morgen strömen die Pendler aus und in die Züge. Mehr als sonst, scheinen es nicht zu sein. Nur wenige halten stirnrunzelnd vor den Anzeigebildschirmen in der Unterführung an und studieren die Neuerungen, die der Sommerfahrplan mit sich bringt. Zwei SBB-Mitarbeiter helfen ihnen weiter. «Bis jetzt ist alles ruhig geblieben», sagt eine der beiden. Auch für die Kassiererin am Kiosk ändert sich kaum etwas: «Bis jetzt merken wir nichts vom Sommerfahrplan. Die Leute sind immer gestresst. Heute nicht mehr als sonst auch.»

8.30 Uhr, Olten. Auch der Betrieb in die Gegenrichtung ist nicht überlastet. Üblicherweise fährt der IC61 um diese Uhrzeit auf Gleis 7 ein und startet um 8.32 Uhr die Fahrt in Richtung Liestal und Basel. Meist trifft der Zug mit leichter Verspätung am Ziel ein. Nach Sommerfahrplan fährt der IC jetzt sogar eine Minute später ab. An diesem Morgen aber steht der Zug ungewohnt früh im Oltner Bahnhof.

Exakt um 8.33 Uhr rollt der Doppelstöcker los, passiert Trimbach und verschwindet im Hauenstein-Scheiteltunnel. Dem östlich in den Berg führenden Basistunnel bleibt für die Sommermonate die Nebenrolle. Wegen der Wartungsarbeiten zwischen Tecknau und Gelterkinden bleibt auf dem 4,3 Kilometer langen Streckenabschnitt nur ein Geleise offen. Die SBB ersetzt zwischen den Baselbieter Ortschaften Schotter, Schwellen und Schienen.