Andreas Thiel kennt man in Olten. Nicht nur wegen seiner Auftritte als Satiriker, sondern auch aufgrund seines Ausbleibens als geladener Gast. So geschehen letzten Mai bei der Einweihung des Quai Cornichons in Olten. Thiel tauchte nicht auf. Er sei im Stau stecken geblieben, liess er damals verlauten. Auf die Frage, was wirklich los war an jenem Abend, antwortet der Satiriker: «Ich steckte im Stau».

Auch an die Eröffnung des 1. Buchfestivals am Donnerstagabend reiste er mit dem Auto an und blieb wieder im Stau stecken. Doch diesmal kam er rechtzeitig in Olten an. Anfangs Woche sei er mit dem Nachtzug von einer Automobil-Messe in Leipzig zurückgekehrt und habe zwei Stunden Verspätung gehabt. Deshalb zog er für die Reise nach Olten wieder das Auto vor. Dieses Mal habe es knapp gereicht, sagt Thiel mit einem Schmunzeln.

Interview mit Satiriker Andreas Thiel

Interview mit Satiriker Andreas Thiel am 1. Buchfestival Olten

Ein «nettes» Hobby

Der 46-jährige Satiriker wird nicht vom Staat subventioniert. Er trete zwar einmal pro Woche auf, doch das reiche nicht aus, um seine Familie zu ernähren. Gerade deshalb habe er die Anfrage für einen Auftritt am Buchfestival Olten gerne entgegen genommen. «Mein Beruf ist ein nettes Hobby geworden», erklärt Thiel.

Der gebürtige Solothurner, der in seinen Jugendjahren von der Kantonsschule flog, kann der Dreitannenstadt wenig abgewinnen. Er könne zwar nicht verstehen, weshalb man in Solothurn einen auf Gefängnisbau spezialisierten Architekten damit beauftragt habe, eine Schule zu bauen. Doch in Olten habe dieser offenbar eine ganze Stadt errichtet, witzelt der Kabarettist.

Ein Liberaler in linker Umgebung

Weshalb tritt ein bürgerlich-liberaler Künstler im linksalternativen Lokal Coq d'Or auf? «Damit habe ich überhaupt kein Problem» macht Thiel geltend. In unserer Demokratie sei der Liberalismus offen für unterschiedliche Meinungen. Die Horrorvision würde dann eintreffen, wenn alle der gleichen Ansicht wären, referiert er.

Für den Satiriker gehören auch Linksalternative dazu. Doch lustigerweise sei die Idealvorstellung dieser Gruppe genau des Gegenteil: Alle sollten die gleiche Meinung haben — und zwar ihre. Leute mit anderen Meinungen würden für Linksalternative den Horror darstellen. 

Lieber Champagner als Prosecco

Zusammenfassend beteuert Thiel: «Mich als Liberalen stört diese Meinung nicht, da ich mit jeder Meinung klarkomme.» Was ihn hingegen ärgere, sei die Tatsache, dass bei den Linksalternativen nur Prosecco aufgetischt werde, die Liberalen würden Champagner bevorzugen. (hts)