Stadttheater Olten
Saison 2016/17 verspricht wieder Höhepunkte à discrétion

Eine Rückschau in Minne auf die vergangene und schwelgende Blicke auf die Saison 2016/17. Das Stadttheater zeigt in der kommenden Spielzeit einmal mehr Feinstes von Feinem und weiss sich dabei– auch dank steigender Abozahlen, auf guten Wegen.

Urs Huber
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Programmgestalter: Herbert Schibler, Madeleine Schüpfer, Regula Grossen und Andreas Egli (von links).

Programmgestalter: Herbert Schibler, Madeleine Schüpfer, Regula Grossen und Andreas Egli (von links).

Bruno Kissling

Es gehört zur lieben Gewohnheit Herbert Schiblers, seiner Präsentation des Spielplans Aphorismen mehr oder weniger bekannter Zeitgenossen voranzustellen. Das war auch bei der Pressekonferenz zur Saison 2016/2017 nicht anders. Der Geschäftsführer der Stadttheater Olten AG bemühte diesmal Eckart Köhne, Archäologe, Kulturmanager und seit 2014 Direktor des Badischen Landesmuseums, der einst gesagt haben soll: «Kultur ist kein Sahnehäubchen, sondern so etwas wie die Hefe im Teig der Gesellschaft.»

Die Hefe wirkt

Nun: Was die Vergangenheit angeht, behält Köhne, zumindest was die Besucherfrequenzen im Stadttheater betrifft, recht. Die Hefe im Teig, den die Stadttheater AG Jahr für Jahr anrührt, wirkt – der Teig geht auf. Zum zweiten Mal in Folge nämlich lag die totale Besucherzahl im Stadttheater Olten bei über 13 000. Noch in der Saison 14/15 war mit 13068 Gästen so etwas wie ein Rekord gebrochen worden; die Marke aber hielt nicht lange.

13 441 Besucher wurden nämlich vergangene Saison gezählt, woraus sich ein Durchschnitt von 406 Gäste pro Vorstellung errechnen lässt. Dazu passt, dass auch die Zahl verkaufter Abos zunahm. Erstmals wurde die Elfhunderterschwelle geknackt. 1101 Abos gingen über den Ladentisch. «Qualität ist uns wichtig», so Schibler mit Hinweis auf Produktionen, die aktuelle Geschehnisse wie Flüchtlingsdramen oder Terror thematisieren und in Olten die Bühne in Beschlag nehmen. Dabei aber dürfe das Recht der Kundschaft auf Unterhaltung nicht vernachlässigt werden, so der Geschäftsführer.

Besuch aus Baden

So sicher wie der Aphorismus zum Auftakt, so sicher betritt später ein badischer Gast die Szenerie, um die Produktionen des EURO-Studio Landgraf vorzustellen. Seit Jahren gehört das Tourneetheater aus Titisee-Neustadt zum festen Kern des Oltner Spielplans. Acht Produktionen bildeten das solide Programmgerippe im Bereich Theater/Musical, darunter Klassiker wie Grass’ «die Blechtrommel» oder «Ziemlich beste Freunde», eine Komödie, «die auf der 2001 erschienenen Autobiografie «Le second souffle» des ehemaligen Pommery-Geschäftsführers Philippe Pozzo di Borgo, basiert», wie Landgraf-Dramaturgin Ulrike Brambeer meinte. Dieser war im Juni 1993 beim Paragliding abgestürzt und ist seither Tetraplegiker. «Ziemlich beste Freunde» erzählt lose von der Freundschaft zwischen ihm und seinem langjährigen Pflegehelfer, der mit seiner unkonventionellen Art dem wohlhabenden, aber isoliert lebenden Philippe neuen Lebensmut gibt.

Solothurner auch da

Ebenfalls mit zwei Produktionen zu Gast in der kommenden Saison ist das Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS). Mit «Don Pasquale» und dem Schauspiel «Terror» bedient das Ensemble zweierlei Geschmäcker: «Don Pasquale» als Opera buffa mag zum Schmunzeln verleiten, während «Terror», ein Erstling aus der Feder von Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach, dem Enkel des einstigen NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach, die Frage nach der Würde des Menschen stellt. Darf Leben gegen Leben abgewogen werden, ungeachtet der Zahlenverhältnisse?

Logisch — Irrwisch

Natürlich, auch musikalische Erlebnisse hält die Saison bereit. Gar eine Premiere wartet. Und erst noch eine solche mit Stammwurzeln in der Region. Kennwort Irrwisch: Die Band feiert ihren 40. Geburtstag; Grund genug, den Auftritt mit klassischem Orchester zu wagen. Am Freitag, 16. September, gastieren Irrwisch und Orchester im Stadttheater für geladene Gäste, tags darauf geht die öffentliche Premiere über die Bühne.

Und sonst? Wie wärs mit Kit Armstrong, dem 24-jährigen Meisterpianisten (26. Oktober) oder Alison Balsom, der englischen Trompetenviruosin (10. November)? Oder Mnozil Brass? Die Formation bringt Blechmusik zur Explosion (11. November), der rumänische Meisterpianist Radu Lupu (17. November) zelebriert den Charme leiser Töne. Und warum eigentlich nicht dem Gershwin Piano Quartett (28. März) die Ehre erweisen? Oder gar allen? He ja, warum nicht.