Region Olten

Sachwalter der Christkatholiken: «Es ist nicht mein Job, die verschüttete Milch aufzuputzen»

Am 17. Mai finden die Ersatzwahlen statt. (Archiv)

Am 17. Mai finden die Ersatzwahlen statt. (Archiv)

Am 17. Mai soll Ersatzwahl für den zurückgetretenen Kirchgemeinderat bei der christkatholischen Gemeinde der Region Olten stattfinden – Sachwalter Walter Keller gibt sich sonst neutral.

Seit Anfang Jahr ist Walter Keller als Sachwalter der Christkatholischen Gemeinde der Region Olten tätig. Er hat bereits erste Entscheide gefällt: Am eidgenössischen Abstimmungstermin vom 17. Mai soll die Ersatzwahl des Kirchgemeinderats stattfinden. Dieser ist an der letzten Gemeindeversammlung Mitte Dezember gesamthaft zurückgetreten – wegen Spannungen mit Pfarrer Kai Fehringer. In einem zweiten Schritt soll dann die Ersatzwahl fürs Präsidium erfolgen. Falls nur so viele Kandidaten wie Sitze – deren sieben – für den neuen Gemeinderat zur Verfügung stehen, kann die Wahl nach dem Anmeldetermin auch still erfolgen.

Wer in der Gemeinde gehofft hat, dass sich der Sachwalter darüber hinaus bemüht, die in ein Pro- und Kontra-Fehringer-Lager gespaltene Gemeinschaft zu versöhnen, den muss Keller enttäuschen: «Es ist nicht mein Job, die verschüttete Milch aufzuputzen.» Die Gemeinde müsse sich selbst irgendwie wieder finden. Seine Aufgabe sei es nur dafür zu sorgen, dass die Gemeinde funktionsfähig bleibe und zum Beispiel die Rechnungen bezahlt würden. «Ich fälle keine Entscheide mit grosser Tragweite.» Eine Sachwalterschaft sei ja «sehr undemokratisch», man sei Kirchgemeinderat und Präsidium in einem. Bisher war er auch nie in Olten vor Ort. Sein Aufwand hält sich daher in Grenzen: Zehn Stunden hat Keller für die Christkatholiken seit Anfang Jahr aufgewendet. Dies belastet die Kirchenkasse bis anhin mit 2800 Franken.

Der frühere Gemeindepräsident von Lohn-Ammannsegg stuft seine Sachwalterschaft bei den Christkatholiken als «unspektakulär» ein. Er sei immer dasselbe, wenn Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten müssten: «Es menschelet.» Wer allerdings gesunden Menschenverstand an den Tag lege und nicht allzu schnell beleidigt sei, komme relativ gut vorwärts, sagt der erfahrene Sachwalter. Er hat unter anderem schon die Kirchgemeinden in Kleinlützel oder Hägendorf vorübergehend geführt.

Interessierte können sich für Mitarbeit melden

Derweil werden vereinzelt Kirchgemeindemitglieder aktiv, um Leute für die Mitarbeit im Gemeinderat zu rekrutieren. Einer davon ist Dominik Stirnimann, der zum Pro-Fehringer-Lager zählt. Diesen Freitag hat er zu einem Treffen im Kirchgemeindehaus eingeladen. «Ich kann keine Liste präsentieren, aber ich habe mit einigen über die Möglichkeit einer Mitarbeit im Rat gesprochen.» Er hofft, dass sich auch jüngere Mitglieder dafür erwärmen können. Gewünscht hätte er sich zudem, dass der Sachwalter selbst zum Treffen eingeladen hätte und als Moderator aufgetreten wäre. Keller sagte indes ab. «Ich muss mich neutral verhalten. Als Mediator aufzutreten, hat mir der Regierungsrat nicht aufgetragen.»

Ebenfalls im Hintergrund aktiv ist Kurt Schibler, der Pfarrer Fehringer gegenüber kritisch eingestellt ist. Für den ehemaligen langjährigen Präsidenten der Kirchgemeinde ist es «nicht nach- vollziehbar», dass Walter Keller die Zusammenkunft nicht moderieren will. «Aus meiner Sicht müsste dies der Sachwalter tun, da ich erwarte, dass die Versammlung neutral geführt wird.» Schibler will am Freitag trotzdem am Anlass teilnehmen.

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