Die Schweiz hat sich ins WM-Finale katapultiert, der Titel ist zum Greifen nah! Doch bevor Fussballfans sich verdutzt die Augen reiben und im Schweizer Trikot durch die Gegend rennen – hier eine nicht ganz unwesentliche Zusatzinformation: Das aus 21 Mitgliedern im Alter von sechs bis sechzehn Jahren bestehende Team hat sich nicht dank eindrücklichem Dribbling für die Endrunde qualifiziert, sondern sich vielmehr mit Zehenspitzengefühl ins Finale getanzt: Die Rede ist vom Dance World Cup; die Tanzweltmeisterschaft für Kinder und Jugendliche, deren Final vom 29. Juni bis zum 5. Juli in Algarve, Portugal, ausgetragen wird.

Um den Sieg...

...wird unter anderem die russische Kinderballettschule Spectacolo Dance Academy aus Olten kämpfen, die sich im März an der regionalen Vorausscheidung im deutschen Offenburg gegen insgesamt über 18 000 Wettkampfteilnehmer aus 38 Ländern durchgesetzt hat. Mit dem Finaleinzug ging ein lang gehegter Traum in Erfüllung: «Seit 2010 bestreitet meine Tanzschule die Vorausscheidungen und schneidet mit jedem Mal besser ab», freut sich Schulleiterin Victoria Gsell.

In den vergangenen Jahren sausten die Oltner knapp am Final vorbei, bis es heuer nun endlich geklappt hat. Die Kinder brachten in Offenburg fünf Tänze (klassisches Ballett, Modern, zwei Charaktertänze sowie Jazz und Showdance) in Gruppen von jeweils vier bis zehn Leuten auf die Bühne. Derweil einer der Charaktertänze die Juroren nicht vollends zu überzeugen vermochte, qualifizierte sich das Team in den übrigen Disziplinen für den Final. «Die Stimmung war wahnsinnig gut, die Teilnehmerzahl rekordhoch und noch nie waren die Reihen im Publikum so voll», erinnert sich Gsell. Entsprechend nervös seien die Tanzlehrer gewesen, nicht einmal gegrüsst hätten sie sich. Ihre Konzentration galt eben nur den Schützlingen.

Und auch die jungen Leute...

...richteten ihre ganze Aufmerksamkeit aufs Tanzen. «Die Kids legten einen unglaublichen Kampfgeist an den Tag, wobei sie die Jury mit einer synchronen und fehlerlosen Darbietung überzeugt haben», betont Gsell stolz.

Gsells Freude über den Erfolg ist auch deshalb so riesig, weil sich die Spectacolo Dance Academy als eine der kleinsten teilnehmenden Tanzschulen besonders durchboxen muss: «Beim Zusammenstellen des Teams sind meine Auswahlmöglichkeiten um einiges beschränkter als diejenigen der grossen Schulen. Zudem trainieren die Kinder anderer Länder viel häufiger, weil es das dortige Schulsystem erlaubt.»

Trotzdem mangelt es der Oltner Formation ja offenbar nicht an Qualität. Victoria Gsell schreibt dies vor allem der Ballettausbildung zu, welche die Schweizer Finalisten ausnahmslos durchlaufen haben. Die Grundprinzipien aller Tänze, namentlich richtige Haltung und Körperspannung, würden beim Ballett nämlich erlernt, erklärt sie. Ferner legt die Lehrerin Wert darauf, ihre Schüler mit Auftritten vertraut zu machen. «Durch die jährliche Tanzpräsentation im Oltner Stadttheater gewinnen die Kinder an Bühnenerfahrung. Unser kürzliches Gastspiel auf der Kirchgasse am Kultur Tag Olten – ein aufgrund des harten Bodens schwieriges Unterfangen – war dann die ultimative Feuerprobe fürs Finale.»

In der Endrunde...

...werden nochmals dieselben Tänze wie in Offenburg vorgetragen. Und da sie schon bald vor der Tür steht, legen sich alle nochmals kräftig ins Zeug: Momentan ist man daran, am «absolut synchronen» Auftreten zu feilen, eine Woche vor Abreise soll dann noch der Ausdruck im Fokus stehen.

Bereits im Vorfeld des Wettkampfes haben die Kinder emsig trainiert: Bewegungsabläufe wurden unzählige Male wiederholt, Proben auf Video aufgezeichnet wie auch gemeinsam ausgewertet und selbst zu Hause schwangen sie zu Übungszwecken das Tanzbein. «Da zwei Mitglieder die Reise nach Portugal nicht antreten können, sind Ersatztänzer eingesprungen, die innerhalb weniger Wochen eingearbeitet werden mussten», nennt Gsell die bisher grösste Hürde. Doch auch diese beiden Kinder haben die Kurve rechtzeitig gekriegt und die von Gsell sowie Helfern ausgearbeitete Choreografie verinnerlicht. Trotz der seriösen Vorbereitung ist aber niemand ganz vor Fehltritten gefeit. Zumal die Kinder in Portugal mit völlig anderen Dimensionen konfrontiert werden: «Da etwa die Bühne breiter ist, werden die Tänzer in grösserem Abstand zueinanderstehen. Mit der möglichen Konsequenz, dass Schritte nicht mehr stimmen könnten», bedenkt Gsell. Um ein optimales Resultat zu erzielen, will sie mit ihrer Truppe sogar während des mehrtägigen Wettkampfes so oft es geht Tanzschritte üben – «zeitig frühstücken und trainieren lautet die Devise», kündet sie das Programm an.

Der Aufenthalt steht also definitiv nicht unter dem Motto «Vamos a la playa». Vielmehr soll er gemäss der gebürtigen Ukrainerin eine Art Weiterbildungsfunktion erfüllen: Die Schüler können sich von anderen Tänzern inspirieren lassen und Gsell wird Gelegenheit erhalten, neue Ideen für Choreografien oder Kostüme zu sammeln. «Die Kinder werden mit einem ganz anderen Bewusstsein fürs Tanzen nach Hause kommen und noch mehr trainieren wollen», prophezeit Victoria Gsell. Anpfiff!