Stadtkirche Olten
Ruhevolles Innehalten in der Karwoche

Zu einem berührenden musikalischen wie auch zu einem spirituellen Erlebnis wurde am frühen Abend des Karfreitags das Konzert der Solothurner Vokalisten und des Ensembles Glarean in der Stadtkirche Olten.

Kurt Heckendorn
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Die beiden Chöre unter der Leitung von Patrick Oetterli ermöglichten ein eindrucksvolles Konzerterlebnis. Bruno Kissling

Die beiden Chöre unter der Leitung von Patrick Oetterli ermöglichten ein eindrucksvolles Konzerterlebnis. Bruno Kissling

BRUNO KISSLING

Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen hatte Patrick Oetterli – der sorgfältige, inspirierende Leiter der beiden Chöre – diesmal ein Werk der russisch-orthodoxen Liturgie gewählt: die Passion op.58 von Alexander Grechaninov 1864 bis 1956. Das eindrückliche, anspruchsvolle Werk entstand vor etwas mehr als 100 Jahren und ist heute für einen gut geschulten Chor eine wertvolle Bereicherung zur Passionszeit.

Musikalisch rein und berückend

Die dreizehn Chorteile stellten den gegen 50 Sängerinnen und Sängern vielfältige Aufgaben: Gesungen wurde in russischer Sprache – ein gut gestaltetes Programmheft ermöglichte dem Publikum das Miterleben. Weitgefächerte Klänge – in bis zu 10-stimmigen Doppelchören – erklangen in entspannter Reinheit, ausgeglichen in allen Registern. Der Chor meisterte intonationssicher die heiklen Übergänge in immer wieder neue Tonarten. Die Akustik des Kirchenraumes wurde ideal einbezogen. So wurden vor allem die verhalten ausklingenden Schlüsse der einzelnen Teile zu berückenden Hörerlebnissen.

Mit einem von einer tiefen Bassstimme intonierten «Alleluja» wurde der faszinierende Zyklus eröffnet; ruhevoll, frei schwingend, beseelt vom gemeinsamen Atem «Siehe, der Bräutigam kommt» musiziert und überstrahlt von leuchtenden Sopranstimmen erklang «Ich sehe dein Brautgemach». Eindrücklich in Teil 3 («In deinem Königreich») die Soli einer rezitierenden Altistin über liegenden Pianissimo-Akkorden des Chores und grandios die Steigerung bis zur farbenprächtigen Sechsstimmigkeit.

Dankbare Aufgaben fanden sich im Teil «Lass mein Gebet vor dir taugen» für den Solotenor begleitet von einem Chor der Frauen und von mystischer Ausstrahlung der Doppelchöre.

«Weine nicht um mich»

«Dich, o Herr, den Licht bekleidet», eine Hymne aus der Karfreitagsvesper, in der das Passionsgeschehen geschildert wird, bildete mit einem grossen Crescendo auf die Ankündigung der Auferstehung einen ergreifenden Höhepunkt. Prächtig erklangen in Teil 10 «Der Herr ist Gott» die Legatolinien der Frauen über den tiefen Männerstimmen und wiederum mit einem faszinierend ausklingenden Schlussakkord «Weine nicht um mich, o Mutter». Von zuversichtlicher Fröhlichkeit durchdrungen waren auch die lebhaften Wechselgesänge in «Wie viele euer auf Christum getauft sind».

Vielstimmige Engelschöre und eine Altstimme prägten den Schlussteil mit «Lasst alles sterbliche Fleisch stille sein», einem klangprächtigen Cherubim-Hymnus aus der Karsamstagsliturgie. Und mit einem «Alleluja» – einen grossen Bogen zum Beginn schlagend – klang das eindrucksvolle Werk verhalten aus. Augenblicken der Stille folgte herzlicher Beifall eines sichtlich ergriffenen grossen Publikums. Mit dem innig vorgetragenen Gebet «Otche Nash» von Nikolai Kedrov bedanken sich die Sängerinnen und Sänger und ihr vorbildlicher Leiter.