EHC Olten
Ronny Keller kehrt nach fatalem Check aufs Eis zurück

Es war ein bewegender Moment am Samstagabend im Oltner Kleinholz-Stadion. Acht Monate nach seinem schlimmen Unfall stattete Ronny Keller seinen Fans einen Besuch ab.

Adriana Gubler
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Das ganze Kleinholz-Publikum erhob sich, als Ronny Keller am Samstagabend vor der Partie zwischen Olten und Visp mit seinem Rollstuhl aufs Eis fuhr. Ein warmer, herzlicher Applaus erfüllte das Stadion und bald begannen die Fans, den Namen des Ehrengastes zu skandieren.

Auch Transparente, eines davon mit einem Bild von Ronny Keller zierten die Zuschauerränge. Das alles sprach dafür, mit welcher Empathie die Fans die Nummer 23 erwarteten. «Der herzliche Empfang war sehr schön», schätzt Ronny Keller die Geste der Anhänger.

Etwas mehr als acht Monate ist es mittlerweile her, als sich der tragische Unfall im Kleinholz ereignete. Verteidiger Ronny Keller knallte in der Playoff-Partie gegen Langenthal nach einem Rencontre Kopf voran in die Bande und ist seither ab dem vierten Brustwirbel gelähmt.

Am Samstag nun ist Keller erstmals an den Unfallort zurückgekehrt - in erster Linie um Danke zu sagen. «Ich habe den Zuspruch der Fans in der Zeit nach dem Unfall sehr wohl gespürt», sagt Keller.

Ronny Keller wendet sich an die Zuschauer

Ronny Keller wendet sich an die Zuschauer

Bruno Kissling

«Einerseits waren dies die Kärtchen und Aufmerksamkeiten, die ich persönlich zugeschickt bekam. Andererseits habe ich in Nottwil bald einmal die Zeitungen gelesen und die Berichte im TV geschaut. So habe ich mitbekommen, was nach dem Vorfall abgelaufen ist.» Über die riesengrosse Anteilnahme sei er überrascht gewesen. «Anscheinend geht mein Schicksal den Leuten nah», mutmasst Keller.

Wohl auch deshalb war die Autogrammstunde mit Ronny Keller im Vorfeld der Partie derart gut besucht, dass die Leute Schlange stehen mussten. Zig Trikots, Schals und auch persönliche Utensilien legten die Fans Ronny Keller hin, damit er sie signieren konnte. Aber auch Erinnerungsbilder mit dem 34-Jährigen waren gefragt.

Ronny Kellers Schicksal geht den Fans nah. Sie standen bei seiner Autogrammstunde Schlange.

Ronny Kellers Schicksal geht den Fans nah. Sie standen bei seiner Autogrammstunde Schlange.

Bruno Kissling

Genauso wichtig, wie ein Merci ans Publikum zu richten, war Ronny Keller bei seinem Besuch noch etwas Anderes: «Ich möchte den Leuten zeigen, dass es nach einem solchen Unfall weitergehen kann. Natürlich geht es auch mir nicht immer gut und auch ich habe manchmal schlechte Tage», so Keller. «Aber das Leben bietet noch so vieles.» Mit dieser Einstellung wolle er ein Vorbild sein.

Dass Keller diese Funktion bravourös einnehme, attestierte ihm EHCO-Geschäftsführer Peter Rötheli bei seiner kurzen Ansprache im Stadion: «Ronny hat viel Mut und Courage bewiesen, als er sich in seine neue Situation reingeschickt hat. Es erfüllt uns mit Freude und Stolz, dass er heute hier ist.»

Für Ronny Keller ist es nicht der erste Besuch eines Eishockeyspiels seit dem tragischen Unfall im März. Dreimal war er bereits beim HC Thurgau als Zuschauer vor Ort. «Ich war auch bei der Partie zwischen Thurgau und Olten mit dabei und habe dort auch schon die EHCO-Spieler treffen können», so Keller. «Ich bin froh, dass es mir nach wie vor grosse Freude bereitet, bei einem Eishockeyspiel zuschauen zu können. Dieser Sport war lange Zeit ein sehr grosser Teil meines Lebens, deshalb ist auch jetzt mein Interesse daran noch gross.»

Speziell sei heute für ihn der Moment gewesen, als er just am Unfallort aufs Eis fuhr. «Das war nicht anders möglich, weil ich nur dort mit dem Rollstuhl aufs Eis konnte. Da ich dies aber im Voraus gewusst habe, konnte ich mich mental darauf einstellen.»

Bei seiner Einfahrt und den anschliessenden Worten, die er ans Publikum richtete, war von seinem Respekt nichts zu spüren. Und als er das Eis verliess, während die Fans wiederum seinen Namen skandierten, huschte sogar ein Lächeln über sein Gesicht.