Querschnittgelähmt

Ronny Keller: «Anfang September will ich nach Hause»

Erstmals spricht der seit Anfang März querschnittgelähmte Eishockeyspieler Ronny Keller über sein Schicksal. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Er absolviere derzeit das härteste Trainingslager seines Lebens in der Reha in Nottwil.

Im zweiten Playoff-Halbfinalspiel zwischen dem EHC Olten und dem SC Langenthal knallt der EHCO-Verteidiger Ronny Keller kopfvoran in die Bande. Der 33-Jährige ist seither querschnittgelähmt. Nun erzählt er erstmals über seinen schweren Kampf im Paraplegikerzentrum in Nottwil.

«Mein vorheriges Leben ist jetzt vorbei, ich habe ein neues Leben. Der Kopf ist zwar derselbe, aber der Körper ist wie bei einem Baby. Man muss alles neu erlernen. Aber ich will leben und darum stecke ich alle Energie in die Rehabilitation», sagte Ronny Keller an der einberufenen Pressekonferenz in Nottwil.

Es sei das bisher härteste Trainingslager seines Lebens. «Der Therapie ist sehr schwierig. Ein leichtes Aufstützen ist beispielsweise gleich anstrengend wie vorher 60 Minuten lang Hockey spielen. Das ist schon befremdend und zieht dich in ein Loch.

Ronny Keller an seinem ersten Mediengespräch nach dem Unfall

Ronny Keller an seinem ersten Mediengespräch nach dem Unfall

Keine Erinnerungen an den Unfall

An den Unfallhergang kann sich Ronny Keller nicht mehr erinnern. «Mir fehlen die ersten zehn Minuten komplett», sagt er. «Erst im Samariter-Raum bin ich aufgewacht.»

Es habe eine Zeit gedauert, bis er wirklich realisiert habe, was mit ihm geschehen sei. «Zuerst liegst du auf der Intensivstation und dir wird gesagt, dass du querschnittgelähmt bist. Dann denkst du, dass du jetzt halt deine Beine nicht mehr bewegen kannst. Aber realisieren tust du das erst später, was das bedeutet. Es steckt viel mehr dahinter, als nur die Beine nicht mehr bewegen zu können», so Keller.

Keller dürfe auf viel Unterstützung von seiner Familie, seiner Frau und seinem besten Freund zählen. Das gebe ihm viel Halt. «Natürlich weint man da hin und wieder zusammen», so Keller.

Ronny Keller: Das sagt sein Arzt

Ronny Keller: Das sagt sein Arzt

Dem Eishockey verbunden bleiben

Der 33-Jährige hat sich bei der einberufenen Pressekonferenz mit bewundernswerter Gelassenheit gezeigt und mit viel Akzeptanz über sein Schicksal gesprochen.

Zumindest nach aussen gibt sich der Sportler kämpferisch: «Mein Ziel ist es, dass ich so schnell wie möglich wieder selbstständig werde.» Dem Eishockey will Keller verbunden bleiben. Selbst zwei Tage nach seinem Unfall habe er im Spitalbett bereits die Playoff-Spiele im Fernsehen angesehen.

«Erstaunlicherweise hat mir das nichts ausgemacht», so Keller. Und auch derzeit freut sich Keller mit der Schweizer Nationalmannschaft über deren Erfolg an der Eishockey-WM in Stockholm.

In Zukunft will Keller gerne beim HC Thurgau, seinem Stammverein, in irgendeiner Funktion tätig sein. Ausserdem will er vermehrt in einem Treuhandbüro in Uster arbeiten, in dem er bereits als aktiver Hockeyspieler gearbeitet hatte. (sha)

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