25 Jahre gibt es sie schon, die Nachtwächter-Zunft. Ein Vierteljahrhundert. «Also eigentlich sind wir erstaunt, dass es uns schon so lange gibt», sagt Hans Rumpe und lacht laut. Bei der Gründung 1992 waren auch noch weibliche Mitglieder in der Zunft zugelassen. Seit 2008 ist die Nachtwächter-Zunft eine reine Männerangelegenheit. «Früher waren wir vor allem im Wagenbau stark», weiss Rumpe, der schon seit der Gründung mit von der Partie ist. «Dann wurden wir Fuko-Mitglied.»

Da hätten sie sich gedacht, nun auch qualitativ Gas geben zu müssen. «Jetzt sind wir vor allem für die Qualität unserer Schnitzelbänke bekannt», weiss Zunftmeister Roland Schibler. «Die Leute freuen sich jeweils richtig, uns singen zu hören.»

Gute Verse sind die Show

Die Nachtwächter liefern auf ihren Schnitzelbanktouren denn auch nicht eine grosse Show, sondern beschränken sich auf gute Verse. «Pro Auftritt tragen wir acht verschiedene Schnitzelbänke vor», erklärt Hans Rumpe, nimmt ein Blatt Papier hervor und zeigt sogleich, was er draufhat. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. «Wir sind Waggis, das zeichnet uns aus», erklärt er anschliessend. 

Waggis nennt sich die traditionelle Verkleidung mit Larve, die vor allem von der Basler Fasnacht her bekannt ist, die einen Elsässer Tagelöhner in der Arbeitstracht des Elsässer Gemüsebauern darstellen soll. Neben der Qualität der Schnitzelbänke und den Larven ist den Nachtwächtern vor allem eines wichtig: die Freundschaft. «Wir sind alle extrem gute Freunde geworden, die sich auch neben der Fasnacht treffen», erzählt Roland Schibler. Als bisherigen Höhepunkt der Vereinsgeschichte nennen die beiden das Jahr 2007, als die Nachtwächter erstmals den Obernaar stellten.

Aktuell zählt die Nachtwächter-Zunft 15 Mitglieder und zwei Ehrenmitglieder im Alter von 25 bis 58 Jahren. «Stell dir vor, unser Jüngster wurde im Jahre unserer Gründung geboren», hebt Hans Rumpe erstaunt hervor. Eigens für dieses Jubiläum haben die Nachtwächter eine Anzahl Fotos zusammengestellt und daraus eine 75-teilige Ausstellung gefertigt, welche seit Mitte Januar in der Oltner Vario-Bar angeschaut werden kann.

Chef der Fasnacht

«Das Tolle an der Fasnacht ist ja, dass alle gleich sind, egal ob Bankdirektor oder Kaminfeger», sagt Roland Schibler strahlend. Für ihn ist die Fasnacht 2017 eine ganz spezielle. Zumal er nicht nur Zünfter, sondern auch der diesjährige Obernaar mit dem klingenden Namen «Role, dr Nachtwächter» ist.

Der Obernaar wird abwechselnd von jeder Zunft, welche zur Fuko gehört, gestellt. Dies in einem Turnus von 18 Jahren. Vor fünf Jahren wurde festgestellt, dass 2017 ein Platz in diesem Turnus frei wird. «Ausserdem feiern wir heuer ja unser Jubiläum», erklärt Roland Schibler. Aus diesem Grund war damals schnell klar, dass der Obernaar 2017 ein Nachtwächter sein wird. Einen internen Kampf darüber, wer das Amt schlussendlich ausüben darf, habe es nicht gegeben. «Einer muss es machen», meint Role. Ausserdem sei es keine One-Man-Show, welche die Nachtwächter abziehen. «Wir machen das zusammen», lautet das Credo.

Obernaarenamt – ein Highlight

Für eine Zunft sei es das Highlight, könne sie den Obernaar stellen, sagt er. «Als Obernaar hast du die Aufgabe, die Leute auf die Gassen zu holen und sie zu motivieren, an der Fasnacht teilzunehmen», erklärt Role sein Amt. Der Obernaar sei quasi Chef der Fasnacht. «Wichtig ist vor allem, dass sich der Obernaar beim Volk zeigt», ergänzt Hans Rumpe. Damit Role und seine vier Trabanten, welche ihm stets den Rücken freihalten, während der Fasnacht alle Termine wahrnehmen können, logieren sie für eine Woche in einem Hotel der Stadt. Ja richtig, in einem Hotel. «Es geht nicht anders», ist Role überzeugt.

Die Nachtwächter wollen die diesjährige Fasnacht nicht besser, schöner oder schneller machen. «Wir möchten sie einfach in typischer Nachtwächter-Manier durchziehen. Also auf eine einfache und lustige Art», erklärt er. Das Motto der Fasnacht lautet «Oute Wöud Wescht» und ist eine Anspielung auf Olten Südwest – ein latent aktuelles Thema in der Dreitannenstadt. «Unsere Rösser grasen dort unten in der Prärie», scherzt Role.