Olten
Rohe Kraft alleine bringt es nicht – hier sind auch andere Fähigkeiten gefragt

Bei der Schweizermeisterschaft in Olten zeigen die Jungpontoniere ihr Können mit Ruder, Stachel und Weidling.

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Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere in Olten
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Holten die einzige Kranzauszeichnung für die Oltner beim Heimwettkampf: Andreas Hagmann (vorne) und Flavio Heer (hinten).
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Es fehlten nur 0.4 Punkte für einen Kranzrang für die beiden Oltner Timon Hügli (hinten) und Kevin Strub (vorne).
Das Rettungsboot ist ebenfalls vor Ort.
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere 2017 in Olten
Die Zuschauer verfolgen das Geschehen vom Ufer aus.
Ein Blick in die Festwirtschaft.
Bei der Siegerehrung der Jungpontonier-Schweizermeisterschaft.
Bei der Siegerehrung der Jungpontonier-Schweizermeisterschaft.
Bei der Siegerehrung der Jungpontonier-Schweizermeisterschaft.

Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere in Olten

André Grossenbacher/Toppictures

Die Hosen hochgekrempelt, das Restwasser aus dem Boot geschöpft, noch einen letzten Schluck aus der Pulle und los gehts! Mit aller Kraft stossen sich die Jungpontoniere mit dem Stachel ab. Das ist ein Ruder mit einem Zweizack an der Spitze zur Fortbewegung flussaufwärts und entlang dem Ufer. So geht es am Pontonierhaus vorbei hoch bis zur alten Eisenbahnbrücke. Eilig wird das Ruder gewechselt, denn nun geht es Richtung Flussmitte.

Nach dem Berühren eines Lappens am Brückenpfeiler ist daraufhin eine Querfahrt exakt im 45-Grad-Winkel gefragt. Nun gilt es Fahrt aufzunehmen und dabei zwei Durchfahrten von herabhängenden Stäben zu meistern, wobei jede Berührung einen Punkteabzug gibt. Schliesslich ist beim Ziel auf Höhe der Badi-Gartenwirtschaft abermals ein Wendemanöver verlangt. Präzision ist gefragt, denn es soll eine Ziellandung geben und das Boot exakt an der vorgegebenen Markierung mit einem Schweizerkreuz zu liegen kommen.

Schnell wird einem klar, dass rohe Kraft alleine es beim Pontoniersport nicht richtet. Viel mehr sind Geschicklichkeit, Technik und Erfahrung gefragt. Klar, flussaufwärts geht nichts über die Muskelkraft. Das Bild der Pontoniere, die sich mit ihrem schweren Boot gegen den Strom vorankämpfen, ist immer wieder beeindruckend – besonders wenn Halbwüchsige diese schweisstreibende Arbeit verrichten. Zur Erleichterung ihres Sports sind die Nachwuchspontoniere in der jüngsten Kategorie mit sogenannten Weidlingen unterwegs. Das sind etwas leichtere und kürzere Boote, welche dadurch weniger stabil auf dem Wasser liegen, aber auch besser steuerbar sind. Dennoch bringen die Weidlinge immer noch über 300 Kilogramm auf die Waage.

Herausforderndes Regelwerk

Als wären die geforderten Manöver nicht genug, gilt es obendrein auch noch in der Wettfahrt gegen die Uhr zu punkten. Die vielfältigen Regeln und Aufgaben stellen eine kleine Wissenschaft dar – nicht nur für den unwissenden Besucher. Das Ziel ist möglichst die Maximalpunktzahl in jeder Unterkategorie zu erreichen, wobei jede Unpräzision oder jeder Fehler Abzug gibt. Die Einhaltung des mannigfaltigen Regelkataloges wird durch die wachsamen Augen der Punktrichter kontrolliert.

Von draussen erfahren die Jungpontoniere lautstarke Unterstützung: «Zieh, zieh, zieh», hallt es über die Aare. Und diese ziehen, was das Zeug hält. Ihre Ruder zucken durchs Wasser und wenden den Ponton punktgenau. Das fachkundige Publikum entlang dem Ufer diskutiert das Dargebotene genauso kritisch wie wohlwollend. Bei jedem Strafpunkt verziehen sich die Gesichter, kaum aus dem Boot gestiegen gibt es Schulterklopfer und aufmunternde Worte für die Schützlinge.

Begeisterte Jungpontoniere

Aufgeregt diskutieren auch Caroline Herren, Fabian Herren und Sina Rohner vom Pontoniersportverein Olten ihre Leistung. Die drei haben soeben ihr Tagewerk erledigt und entsteigen dem Weidling nach der zweiten Fahrt im Rahmen der Schweizermeisterschaften in der jüngsten Kategorie. Die Anstrengung der eben beendeten Fahrt ist ihnen am geröteten Gesicht abzulesen. Sie zeigen sich selbstkritisch und stören sich an kleinen Fehlern während der Fahrt. Wenig später erfahren sie dennoch vom guten Resultat und freuen sich umso mehr darüber.

Doch was verschlägt ein quirliges Kind zum Pontoniersport? «Wir mögen den Zusammenhalt», rufen die drei wie aus einem Mund. Im Ferienpass hätten sie bei den Pontonieren reingeschnuppert und sofort Gefallen daran gefunden, berichtet Caroline, mit neun Jahren die Jüngste im Bunde. Derweil ist die vierzehnjährige Sina bereits ein alter Hase. Seit nunmehr sechs Jahren hantiert sie mit Ruder und Weidling auf der Aare. «Wir gewinnen oder verlieren nie alleine, dazu braucht es immer zwei», hat sie ein Grundsatz der Pontoniere bereits bestens verinnerlicht. Seit dieser Saison bildet sie gemeinsam mit Fabian, dem Bruder von Caroline, ein gemeinsames Gespann.

Dieser erklärt sein Gefallen am Pontoniersport: «Es ist schön, auf der Aare unterwegs zu sein und das Boot möglichst gut zu beherrschen», zeigt er sich angefressen. Über Bord gegangen sei noch keiner. Einzig Fabian habe einmal dranglauben müssen, als ihn die Kollegen zum Spass aus dem Boot beförderten, erzählen die drei lachend. Als Belohnung für den geleisteten Krampf wollen sich die drei einige Züge im kühlen Nass der Aare gönnen. Verdient haben sies allemal.

Die Regionalen spielen bei Titelvergabe keine Rolle

Es war gewaltig etwas los, am Sonntag – auf und neben der Aare. Auf dem Wasser sorgten über 300 Jungpontoniere (bis 20 Jahre) für die Musik, vom Land aus wurden sie von Eltern, Verwandten und Bekannten tatkräftig angefeuert. Und mit Ausnahme von ein paar Regentropfen spielte das Wetter ebenfalls mit. Schon nur deswegen konnte das gesamte Wochenende als erfolgreiches Fest verbucht werden.

Für ein paar Jungpontoniere war das Wochenende natürlich besonders erfolgreich. Bei den Jüngsten (bis 14 Jahre) durften sich Silas Dreikorn und Sebastian Burkhard aus Mumpf AG zum Schweizermeister küren lassen. Aus der näheren Umgebung von Olten vermochten einzig Simon Wüthrich und Timon Flückiger von der Sektion Wynau in den vorderen Viertel der Rangliste und somit in die sogenannten Kranzränge zu fahren.

Ganz bitter verlief der Wettkampf für die Oltner Fabian Herren und Sina Rohner, denen nur gerade ein halber Punkt für einen Kranzrang fehlte. Trotzdem durften die Oltner mehr als zufrieden sein mit dem Abschneiden der Jüngsten. Schliesslich absolvierten insgesamt sieben Oltnerinnen und Oltner den Parcours bei den Jüngsten. In den Kategorien II (14- bis 17-jährig) und III (17- bis 20-jährig) kommen die Schweizermeister beide aus Schwaderloch AG: Joshua Huber und Neil Schibli beziehungsweise Jérôme Huber und Remo Mösli.

Von den Regionalen holten sich in der Kategorie II Remo Dietschi und Elia Kiener (Murgenthal), David Ineichen und Jonas Wyss (Aarburg), sowie Dominik Wyss und Willy Hofer (Murgenthal) eine der begehrten Kranzauszeichnungen. In der Kategorie III holten sich Noel Heller und Sacha Zurbuchen (Schönenwerd), Roman Schmid und Yannick Flückiger (Wynau), sowie Patrik Zeltner und Markus Brönnimann (Murgenthal) einen Kranz. Auch hier fehlte den Oltnern nur wenig für eine Kranzauszeichnung. Timon Hügli und Kevin Strub trennte nur gerade 0.4 Punkte davon.

Wettfahren zum 130-Jahr-Jubiläum
Bereits am Freitagabend und am Samstag absolvierten die Aktiven (älter als 20 Jahre und die Frauen) auf demselben Parcours wie die Jungpontoniere ein nationales Wettfahren anlässlich des 130-Jahr Jubiläums des Pontoniersportvereins Olten. Bei den Aktiven absolvierten mehr als 200 Boote den Wettkampf. Die Regionalen konnten dabei ihren Heimvorteil nicht ausnutzen. In der Kategorie D (ab 42 Jahre) landete das unbestrittene Topduo Richard Fritz und Manfred Ingold auf dem zweiten Platz, dies weil sie bei einer Durchfahrt einen Punkt abgaben. Auf dem sechsten Platz landeten mit Heinz Wälti und Alain Schmid zwei Aarburger – und somit zwei von der Oltner Nachbarsektion. In der «Königskategorie» C (bis 42 Jahre), ist erst auf dem achten Platz ein erstes «regionales» Boot zu finden: nämlich die beiden Wynauer Simon Oschwald und Daniel Ammann. Auf Platz 11 landeten mit Heinz Bieri und Adrian Brönnimann zwei Murgenthaler. Mit derselben Punktzahl auf Platz 12 konnte mit Flavio Heer und Andreas Hagmann immerhin ein Oltner Boot den Heimvorteil für sich ausnutzen. (aha)