Olten

«Rita national» bleibt trotz unsicheren Zeiten bis Frühling 2022

Rita Ledermann in ihrer «Waadtländerhalle», in der sie schon seit 1978 arbeitet; seit 2002 als Wirtin und Gastgeberin.

Rita Ledermann in ihrer «Waadtländerhalle», in der sie schon seit 1978 arbeitet; seit 2002 als Wirtin und Gastgeberin.

Die Wirtin der Oltner «Waadtländerhalle» hält Gerüchten entgegen, sie würde die Beiz im kommenden Jahr verlassen. Die vielen Komplimente helfen ihr in der schwierigen Zeit.

«Ja, ja, schreiben Sie das nur», sagt sie, die Wirtin der Oltner «Waadtländerhalle». Hartnäckig nämlich hält sich das Gerücht, sie würde im kommenden Frühling die Wirtschaft aufgeben, in den Ruhestand treten. «Nichts da», sagt Rita Ledermann, die sich das Gerücht auch nicht so richtig erklären kann. «Vielleicht, weil die Gäste wirklich um die Waadtländerhalle bangen», spekuliert sie vorsichtig. Und dann folgt die Entwarnung: Sie habe immer gesagt, sie würde mit dem ordentlichen Pensionsalter ihre Tätigkeit aufgeben. Das wäre im Frühling 2022. «Wenn das irgendwie möglich ist in diesen unsicheren Zeiten, dann halte ich den Termin auch ein.»

Umsatz auf die Hälfte geschmolzen

Unsichere Zeiten. Sie sagt das fast ungerührt. Aber die Geschäftseinbrüche sind eklatant. In den argen Zeiten schmolz der Umsatz auf die Hälfte zusammen. Und jetzt entfällt auch die Fasnacht 2021. «Ja, die Fasnacht ist ein sehr wichtiges Standbein für uns», sagt Rita Ledermann. Keine rosigen Aussichten in die nahe Zukunft also. «Es ist vor allen Dingen auch nicht so motivierend», gesteht die Wirtin, die aber zum Ende ihrer Laufbahn noch einmal die Zähne zusammenbeissen will.

Motivierend dagegen die vielen Komplimente, die Rita, wie sie von den allermeisten Gästen gerufen wird, in den letzten Jahren erhalten hat und – logischerweise – noch immer erhält. «Uh ja, Rückmeldungen der Gäste sind wichtig», meint sie dann. Tadel erfährt sie höchst selten. Und über den ist sie auch bestens informiert, wenn der etwa in einer Google-Bewertung auftaucht. Sie schafft in der Gunst der Gäste übrigens viereinhalb von fünf möglichen Sternen. Wenn einer schreibt: «Unfreundliches Personal. Wollte immer gleich nach jedem Getränk kassieren, zeugt nicht gerade für Vertrauen gegenüber neuen Kunden», dann sagt Rita Ledermann: «Es gibt nur zwei Anlässe, bei denen umgehend einkassiert wird: Fasnacht und Bänzenjass. Denn das sind jeweils turbulente Zeiten in der Beiz. Da geht schnell etwas vergessen.»

Maxime: Nur Bares ist Wahres

Amüsant übrigens, dass sich die Wirtin grundsätzlich nur auf Bares verlässt. Negativ sei das nie kommentiert worden, weiss sie. Und wenn halt jemand für einmal bloss die Karte dabeihabe, gehe er für Bares rasch zum Bankautomaten um die Ecke. Anstandslos.

«Waadtländerhalle»: Fast die Letzte ihres Standes

Die «Waadtländerhalle» gehört mit zu den letzten Beizen in der Stadt, die so etwas wie dörflichen Charme versprühen. Wohl darum hängen so viele Gäste am Restaurant an der Marktgasse 23. Rita Ledermann nickt. «Stimmt.» Sie hat übrigens auch nichts gegen den Begriff «Beiz» einzuwenden. «Eine Beiz, das ist so was wie das Zuhause für den Gast», sagt die Wirtin, die 1978 in der «Waadtländerhalle» als Serviertochter begann. Jassen, reden, sich wohl fühlen, gar verstanden wissen.

Als sie von der Serviertochter der «Waadtländerhalle» zur Wirtin der «Waadtländerhalle» avancierte vor 18 Jahren, wurde sie von viele Gästen dazu ermuntert. Denn nicht wenige fürchteten bereits um die Jahrtausendwende um das Schicksal der Beiz. So wurde sie, die Rita, vollends zur Seele des Hauses; so etwas wie «Rita national» eben.

Schritt zur Wirtin ohne grössere Bedenken gewagt

«Ich muss sagen, meine Erfahrungen im Service waren eigentlich so erfreulich, dass ich diesen Schritt zu Wirtin ohne grössere Bedenken gewagt habe», sagt sie, die sich rasch auf Rösti zu spezialisieren begann. Warum Rösti? «Das gab’s eigentlich sonst nirgends», meint die Wirtin. Heute kennt sie ein rundes Dutzend unterschiedliche Rösti-Angebote, viele auf den Namen von Oltner Zünften getauft: Diejenige mit Speck, Schinken und mit Käse überbacken etwa ist nach der Altstadt-Zunft benamst. Wenigsten in Ritas Rösti lebt also die Fasnacht fürs Jahr 2021 fort.

«Nichts ändern» heisst der Leitgedanke

Und was kommt nach Rita? Die Besitzer der Liegenschaft wollen nicht namentlich erwähnt werden, aber legen Wert auf die Feststellung, die «Waadtländerhalle» im Wesentlichen unverändert erhalten zu wollen. Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass sich für die «Seele Rita» ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin findet.

Autor

urs huber

urs huber

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