Vollbracht. Mit frohen und freundlichen Gesten wurde der erste Schweizer Literaturweg lanciert. In Olten. Einmal mehr irgendwie Hauptstadt seiner selbst. Umrahmt von Förmlichkeiten und Optimismus, Klischees und Nettigkeiten gingen die wohlwollenden Feierlichkeiten am letzten Aprilsamstag über die Bühne. Erst im altehrwürdigen Konzertsaal, mittags in der schönen Kirchgasse und nachmittags auf dem lauschigen Ildefonsplatz. Das ist gut. Mut ist etwas anderes. Davon später.

Wenn TV, Radio, Print und Politik allesamt erscheinen, heisst der Lockvogel Berühmtheit. Ein Wesen mit Status. Das Prominenz-Quintett ist somit komplett. Das ist schön. So schön, dass in diesem Zusammenhang kritische Zwischentöne, auch im Nachgang, kaum toleriert werden. Es wird sich weisen. Dennoch, war so viel davon wirklich nötig? Andere Projekte, wie zum Beispiel der Oltner Kultur-Adventskalender, ziehen deutlich mehr Publikum an. Schier ohne Prominenz. Davon später.

Auf drei Touren sind Kurzgeschichten dreier Autoren, deren Namen hier nicht noch einmal genannt werden sollen, zu hören. Dazu kommen neun Literatheken mit Texten von zwei Autorinnen und fünf Autoren. Alles – bis auf ein paar bescheidene Ausreisser – in bekömmlichen zwei- bis dreiminütigen Happen. Das ist erfreulich. Doch, ob das reicht, um anstelle von Blitztouristen die Tagestouristinnen anzulocken? Das jedenfalls wird vom Schriftstellerweg erwartet. Dass er ein Leuchtturm für die Stadt sei. Da wird vermutlich noch viel Wasser die Kraftwerke runterfliessen, bis dieser Turm zu leuchten beginnt. Hiervon hernach.

Literatur, Theater und Satire sind sich zumindest in der einen Sache verwandt. Die Zeit. Um Tiefgründigkeit, Atmosphäre und Stimmungen entstehen zu lassen, braucht es viel davon. In kurzen Zeitabschnitten lässt sich sehr wohl Tacheles reden. Schönes witzig und berührend erzählen. Das ist populär. Aber knapp bemessener Raum lässt kaum Zwischentöne zu. In kurzen Texten besteht die Gefahr, dass Kritik polemisch wirken könnte. Und Hintergründigkeit plakativ. Doppelbödigkeit oberflächlich. Ein Text von Otto F. Walter, um nur einen zu nennen, liesse sich nicht auf drei Minuten zusammenstauchen. Dennoch wäre es wünschenswert, dass für künftige Literatheken und -touren auch verstummte Oltner Stimmen berücksichtigt würden. Viertel- bis halbstündige Geschichten, die sich bei einem gemütlichen Kaffee geniessen liessen. Das ist, was ich mir wünsche für den hoffentlich kommenden Ausbau des Literaturweges. Vielleicht etwas weniger fürs Gemüt, doch mehr Gemütlichkeit. Für welche es sich lohnt, für einen ganzen Tag nach Olten zu reisen.

Ja, und mutig gewesen wäre, wenn anstelle eines grossen Literaten eine junge Autorin Platz auf dem Podium gefunden hätte. Und so in den Olymp der Prominenten aufgenommen worden wäre. Das Gewicht zweier Autoren hätte bestimmt ausgereicht, um dem Anspruch auf Prominenz gerecht zu werden. Oder wer entscheidet, wann wer als prominent gilt? Das wäre beste Nachwuchs- sowie Standortförderung. Mehr Fokus für das Schaffen diesseits der Prominenz motiviert vielleicht, nicht wegzuziehen. Gleichzeitig wäre das Prominenz-Pulver nicht ganz verschossen. Weitere beteiligte Schreiberlinge sind offenbar höchstens literarische Randnotizen. Wie sonst lässt sich erklären, dass die Literatheken-Autorinnen und -Autoren Alexandra von Arx (Gewinnerin des Schreibwettbewerbs), Lisa Christ, Daniel Kissling, Walter Millns, Rolf Strub und Kilian Ziegler im Rahmen der offiziellen Eröffnung nie namentlich erwähnt wurden? Das, eine Frage ganz am Rande.