Olten
Rettungsschwimmer: «Den Ernstfall proben – das ist das Ziel»

34 Staffeln aus 28 Sektionen kämpften am Samstag im Strandbad Olten um Siegerpokale im Rettungsschwimmen. Bewertet wurden Zeit und korrekter Transport von Rettlingen.

Urs Huber
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Ein Rettungsschwimmer im Becken.

Ein Rettungsschwimmer im Becken.

Bruno Kissling

Puppenstaffel, kombinierte Flossenstaffel, Gurtretterstaffel, Rettungsball-Zielwurf, Rettungsleinenstaffel, Rettungsbrettstaffel: Wem all diese Begriffe nichts sagen, der ist keinesfalls ein Rettungsschwimmer oder eine Rettungsschwimmerin, könnte im Ernstfall aber mal froh sein, dass solche Begriffe, sprich Disziplinen, geprobt werden; auch wettkampfmässig natürlich. Wettkämpfe dieser Art organisiert die Sektion Olten der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) seit 43 Jahren.

Sibylle Hufschmid, Präsidentin der 1933 gegründeten hiesigen Sektion, kann auch mit der heurigen Austragung absolut zufrieden sein. «17 Herren- und 17 Damenstaffeln sind am Start», sagt sie. «Zu den üblichen Favoriten zählen Baden-Brugg sowie Reiden», so die Präsidentin weiter, seit 1981 bei der SLRG dabei und 1992 Knall auf Fall zur Lebensretterin mutiert. An einem kühlen Junimorgen rettete sie quasi im Alleingang eine Frau aus der Hochwasser führenden Aare und brachte diese beim Haus des Ruderklubs ans rettende Ufer. Die Medaille der Christophorus-Stiftung bekam sie dafür überreicht.

Rettungsschwimmer verstehen sich durchaus als (Spitzen-)Sportler und müssen dem Wettkampfdruck trotzen, um den Stress im realen Notfall zu simulieren. Entsprechend die Anfeuerungsrufe von aussen an jene, die eben dabei sind, den Ernstfall zu proben. «Den Ernstfall proben – das ist das Ziel», sagt Stephanie Fiechtner, Presseverantwortliche der Sektion Olten. «Sehr ambitionierte Sektionen trainieren fünf Mal die Woche, in Olten sind die Rettungsschwimmer zwei Mal im Wasser», sagt sie. Die Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaft wurde Rettungsschwimmerin, weil ihr das «Bahnen bolzen» – so nennt sich das schwimmende Abspulen von Bassinlängen in Insiderkreisen – dann doch zu öde wurde. Sibylle Hufschmid dagegen ist so etwas wie «familiär belastet». «Bei uns zu Hause war man einfach bei der SLRG», erklärt sie.

Sechs Disziplinen umfasst der Wettkampf in Olten. «Die Rettungsleinenstaffel ist die körperlich anspruchsvollste», sagt Fiechtner. Und was hat sich ein Laie darunter vorzustellen? Die Wettkämpfer stehen am Start mit Rettungsleine und Gurt bereit. Ein Teilnehmer befindet sich als Rettling auf der gegenüberliegenden Seite. Auf das Startkommando schwimmt der erste Teilnehmer mit der Leine 50 m im freien Stil. Nach dem Anschlagen fasst er den dort bereitstehenden Rettling unter den Schultern.

Anschliessend ziehen zwei Wettkämpfer der Mannschaft ohne Hilfsmittel mit der Leine Retter und Rettling an den Startort zurück. Im Verlauf der Staffel muss jeder der vier Teilnehmenden einmal als Retter (Schwimmer) und einmal als Rettling (Opfer) eingesetzt werden. Voilà. Optisch am meisten her gibt jeweils die finale Rettungsbrettstaffel. Da kommt so etwas wie ein Surffeeling auf im Strandbad. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Beach Boys ihr «Surfin’ USA» aus dem Lautsprecher plärren.

Eine Woche vor den nationalen Meisterschaften in Luzern, an denen auch die Oltner Sektion teilnehmen wird, zeigen sich die Athletinnen und Athleten von ihrer ambitionierten Seite und glänzen mit tollen Leistungen. Und dies, obschon es in Olten – und nicht nur in Olten – abgesehen von Siegerehren nicht viel zu gewinnen gibt. «Einen Wanderpokal», sagt Sibylle Hufschmid mit einem Schmunzeln. Das ändert aber nichts an der Freude der Siegerinnen und Sieger. Und wie die Präsidentin verheissen hat: Darunter befinden sich, nach gut vierstündigem Wettkampf, die Sektionen Baden-Brugg und Reiden.

Die Rangliste

Rangliste Frauen: 1. Reiden 4984 Punkte; 2. Baden-Brugg 1 4883; 3. Chur 1 4742; ferner: 16. Schwelm/Olten 3678.
Rangliste Männer: 1. Baden-Brugg 1 4877 Punkte; 2. Reiden 4604; 3. Innerschwyz 4601; ferner 12. Olten 4119.