Olten
«Rentabel ist dies nicht»: Wieso das Seminarhotel auch in Coronakrise offen bleibt

In Olten wirkt sich der Notstand stark auf die Seminarhotels aus – eine Bilanz zeigt auf, wie sie die Situation erlebten.

Patrik Lützelschwab
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Durchlebt gerade turbulente und schwere Zeiten im Seminarhotel Arte: Direktor Lars Güggi.

Durchlebt gerade turbulente und schwere Zeiten im Seminarhotel Arte: Direktor Lars Güggi.

Patrick Lüthy

Seit fast zwei Monaten hält der Bund mit dem Notstand das öffentliche Leben in der Schweiz auf Sparflamme. Erste Lockerungen finden statt, die Zeit nach der Krise bleibt aber für viele Betriebe schwierig und unklar. Die Seminarhotels in Olten haben in diesen aussergewöhnlichen Zeiten ebenfalls hart zu kämpfen. Das Grösste ist das Hotel Arte auf der rechten Stadtseite beim Einkaufszentrum Sälipark. «Kurz gesagt turbulent», schreibt Hoteldirektor Lars Güggi auf die Frage, wie er die Coronakrise bisher erlebt hat. «Wir sind sehr stark betroffen, weil als Erstes unsere Events, vor allem Seminare, weggebrochen sind. Danach kam relativ schnell die Schliessung der Restaurants.»

Trotz der Krise und der strengen Richtlinien des Bundes darf das Hotel Arte weiterhin Gäste empfangen. «Wir bieten ein Frühstück und auch ein Abendessen an. Ab Montag soll auch das Restaurant wieder öffnen, zumindest bis auf weiteres», sagt Güggi. Pro Nacht waren zwischen 5 und 20 Zimmer gebucht – von insgesamt deren 80. «Wir haben ein paar Stammgäste, die eigentlich immer da sind, oder Gäste, die wegen ihrer Arbeit in Olten übernachten müssen», weiss der Hoteldirektor. Touristen seien aktuell wirklich keine unterwegs, auch keine Inlandtouristen – dafür sei Olten sowieso nicht prädestiniert, heisst es von Güggi. Die anderen freien Zimmer wurden zur Homeofficenutzung angeboten, allerdings sei dieses Angebot «sehr spärlich genutzt worden». Man merke das relativ konsequent von zu Hause aus gearbeitet werde.

Coronakrise setzt den Hotels zu

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Region Olten aus? «Der gesamte Tourismus in der Region ist massiv betroffen. Seit dem Verkünden des Lockdown ist die Nachfrage auf geradezu null gesunken», schreibt Stefan Ulrich, Geschäftsführer von Region Olten Tourismus auf Anfrage. «Zahlreiche Hotels haben den Betrieb eingestellt und jene, die offen haben, müssen mit einer Auslastung von vielleicht noch zehn Prozent auskommen», schildert der Geschäftsführer die Lage. Wie hoch die Übernachtungsrückgänge gegenüber den vorherigen Jahren sind, kann Ulrich nicht sagen, dafür gäbe es noch keine konkreten Zahlen des Bundesamts für Statistik. Wo er hingegen keine Zweifel hegt, sind die Ausfälle bei den Hotels. «Das zu kompensieren ist in dem vollen Umfang unmöglich.» Einerseits weil sich die Lage nur sehr langsam beruhige. Andererseits würde es bei einem schnelleren Nachfragewachstum eine Konzentration auf die bereits schon sehr gut gebuchten und beliebten Zeiten geben. Da fehlten dann wieder die Kapazitäten. Auch das Tourist Center ist vom Notstand betroffen und seit Mitte März geschlossen. Gearbeitet wird im Back- und Homeoffice. Nächsten Montag geht die Geschäftsstelle allerdings wieder auf und hat bis auf weiteres von Montag bis Freitag zwischen
9 und 11 Uhr geöffnet. (pl/hub)

Schon vor dem Lockdown Mitte März wurden Veranstaltungen abgesagt. «Bisher sind es über 400 Anlässe, darunter auch unsere Kunstausstellung im September, die nun verschoben wurde», schildert Güggi. Auf die Frage, ob die Schliessung des Hotels schon einmal zur Diskussion stand, schreibt er: «Jedes Thema stand irgendwann zur Diskussion. Wir haben uns aber bewusst zum Offenbleiben entschieden – rentabel ist dies nicht.» Wann es mit dem Normalbetrieb weitergeht, ist für Güggi aktuell noch nicht absehbar. Er hofft aber auf Mitte August. Vergangenes Jahr lag die Auslastung im April gemäss Güggi bei 65 Prozent, dieses Jahr bei 14 Prozent. Der grösste Teil der Mitarbeiter ist in 100-prozentiger Kurzarbeit und bleibt zu Hause.

Hotelier rechnet mit langsamer Erholung

Von der Krise ist nicht nur das Hotel Arte, sondern mit dem Hotel Olten ein weiterer Seminarbetrieb betroffen, wie diese Zeitung vergangene Woche schrieb. Dabei hat sich der Co-Präsident des Oltner Gewerbeverbands Darko Bosnjak zu Wort gemeldet: Der Hotelier spürte die Auswirkungen schon sehr früh. Der Betrieb war im Lockdown fast die gesamte Zeit zu und öffnete vergangene Woche wieder. Zirka 50 Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. «Die wenigen, die noch arbeiten und im Homeoffice beschäftigt sind, nehmen nur Annullationen entgegen», sagte Bosnjak anlässlich des ersten virtuellen Wirtschaftsfrühstücks der städtischen FDP.

Bosnjak rechnet mit einer sehr langsamen Erholung. Bis September erwartet er nur gerade 60 Prozent des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahresmonat. Er hofft auf Inlandtouristen, die allerdings die Umsätze der ausländischen Gäste kaum kompensieren werden.

Der Geschäftsführer des Hotels Astoria wollte sich auf Anfrage nicht zur aktuellen Situation äussern. Auch der Geschäftsführer des Hotels Amaris meldete sich trotz mehrmaliger Anfragen nicht zurück.