Kultur auf Top-Niveau: Das konnte das Stadttheater Olten auch in der vergangenen Saison bieten. Bekannte Grössen wie Cellistin Sol Gabetta, die Band Mnozil Brass oder die Camerata Salzburg liessen die Herzen der Musik-Fans höherschlagen. Daneben gab es leichtere Kost wie das Musical «Höchste Zeit», die Breakdance-Show von Brodas Bros oder den Schwank «Der Raub der Sabinerinnen» mit Star Katharina Thalbach. Aber auch anspruchsvolle Theaterliebhaber kamen bei «Zorn» mit Rufus Beck als Protagonisten, Frischs «Homo Faber» oder Grass’ «Die Blechtrommel» auf ihre Kosten.

Der Geschäftsführer Herbert Schibler scheint mit seinem Mix aus guter Unterhaltung und bürgerlicher Hochkultur den Königsweg für sein Gastspielhaus gefunden zu haben. Das zeigen nun die Besucherzahlen der Saison 2016/17: Eine Auslastung von 86 Prozent kann das Oltner Stadttheater aufweisen. «Das ist eine Messlatte, die wir kaum mehr überbieten können», sagt Schibler dazu. Bereits eine Saison zuvor lag man bei hohen 84,3 Prozent.

Ein Vergleich mit anderen Häusern in der Schweiz zeigt, dass sich Olten in der Spitzengruppe befindet: Die Pfauen-Bühne am Schauspielhaus Zürich oder die Grosse Bühne am Theater Basel haben eine Auslastung von 55 respektive 52 Prozent (Zahlen der Spielzeit 2015/16). Von den grösseren Häusern weist nur die kleinere Bühne Box am Schauspielhaus Zürich mit 84 Prozent eine ähnlich hohe Belegung auf wie das Oltner Stadttheater.

Tagungsbetrieb als Einnahmengarant

Bei den absoluten Zahlen hat das Stadttheater zudem eine Schallmauer durchbrochen: Erstmals haben über 14 000 Besucher die 36 Aufführungen gesehen. Das sind im Schnitt 412 Besucher pro Vorstellung. Zehn Vorstellungen waren ganz ausverkauft. 550 Plätze bietet das Stadttheater, deren 441 der Konzertsaal. Am schlechtesten besucht war wie schon so oft das Klavierrezital. Doch Schibler wird an diesem weniger beachteten Anlass festhalten. Sein Kommentar: «Die Einschaltquote darf nicht zum Intendanten werden.»

Da könnten Politiker hellhörig werden, die auch von der Kultur fordern, dass diese sich selbst finanzieren soll. Doch Schibler hat für diese Kritiker Antworten parat, zum einen eine wirtschaftliche und zum andere eine kulturpolitische. Die wirtschaftliche: Dank des Tagungsbetriebs, der mit 261 Belegtagen ebenfalls einen neuen Rekord aufweist, hat das Stadttheater einen Eigenfinanzierungsgrad von hohen 76 Prozent. Das heisst umgekehrt: Nur ein Viertel der 2,2 Millionen Umsatz mit kleinem vierstelligen Gewinn machen Subventionen der Stadt oder des Kantons aus.

Der Rest ist mit Abo- und Ticketverkauf, Miete, Catering oder Sponsoren/Gönnern eigenfinanziert. Zum Vergleich: Häuser mit eigenen Produktionen wie etwa das Stadttheater Solothurn müssen vom Staat ungleich höher subventioniert werden. Die kulturpolitische Antwort Schiblers: Die öffentliche Hand soll die Grundversorgung der Kultur finanziell gewährleisten. Erst dann könne eine Gegen- oder Alternativkultur entstehen, die sich gegen etwas Bestehendes richte. Genau das passiere derzeit in Olten und mache die Stadt zu einem Ort mit einem breiten Kulturverständnis.

Ein neues Bühnenhaus ist fällig

Während Schiblers Rückschau sehr positiv ausfällt, blickt er etwas besorgt in die Zukunft. Zwar wurde das Stadttheater 2005 für rund vier Millionen Franken renoviert, doch dies betraf damals nur die Immobilie selbst. Es gab einen neuen Anstrich, eine neue Klimaanlage, die WC-Anlagen wurden saniert und das ganze Haus behindertengerecht gemacht. Aussen vor gelassen wurde damals das schon längst in die Jahre gekommene Bühnenhaus mit Technik, Warenlift und den verschiedenen Bühnen. Schibler rechnet mit einer Investition von mindestens 10 bis 12 Millionen Franken.

Die Stadttheater Olten AG ist ein öffentliches Unternehmen, das zu hundert Prozent der Stadt Olten gehört. «Diese Investition muss in den nächsten fünf Jahren geschehen, jetzt ist keine Pflästerlipolitik mehr möglich», sagt Schibler in Richtung Stadt. Das Anliegen hat er bereits vor Jahren im Stadthaus deponiert, doch im Finanzplan 2017–2023 ist die Investition bisher nicht vorgesehen.

Baudirektor Thomas Marbet bestätigt, dass dem Stadtrat das Anliegen bekannt ist. «Bisher war kein konkreter Betrag ausgewiesen, daher ist das neue Bühnenhaus noch nicht im Finanzplan aufgenommen worden.» Sobald eine Kostenschätzung des Vorhabens vorliege, müsse der Stadtrat darüber befinden, ob und zu welchem Zeitpunkt die Investition in den Finanzplan aufzunehmen ist – dies unter Berücksichtigung der anderen anstehenden Grossprojekte in der Stadt Olten, die untereinander priorisiert werden müssen.