Rechnung 2021
Olten schreibt Gewinn von 10 Millionen statt Verlust – Stadtrat will daher nächstes Jahr auf Steuererhöhung verzichten

Die Corona-Pandemie hat kaum Spuren in der Oltner Rechnung 2021 hinterlassen: Sie schliesst auch dank Steuernachzahlungen von Firmen und natürlichen Personen viel besser ab als budgetiert. Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli macht deswegen eine Ansage.

Fabian Muster
Drucken
Gewinn statt Verlust: Um knapp 14 Millionen schliesst die Rechnung 2021 gegenüber dem Budget besser ab.

Gewinn statt Verlust: Um knapp 14 Millionen schliesst die Rechnung 2021 gegenüber dem Budget besser ab.

Bruno Kissling

Schon vor der Volksabstimmung zum Budget 2022 Mitte Februar war klar, dass die Rechnung 2021 statt einen Verlust von 3,75 Millionen einen Gewinn ausweisen wird. Anfang Jahr ging Finanzverwalter Tanner gegenüber dieser Zeitung von einem Plus von 3,5 Millionen Franken aus.

Nun sind es gar 10 Millionen geworden, wie die Stadt gestern mitteilt. Das heisst: Die Rechnung 2021 schliesst um knapp 14 Millionen besser ab als geplant. Damit reiht sich dieser Abschluss in jene der Vorjahre ein: Seit 2015 schreibt Olten auch ohne Steuererhöhung immer einen Millionengewinn.

Das sind die Hauptgründe für die bessere Rechnung 2021

Es gibt mehrere Hauptgründe, wieso die Rechnung klar besser ausfiel als geplant: Erstens konnte die Stadt von Steuernachzahlungen der Firmen aus Vorjahren profitieren (+4,7 Millionen): Zwar sanken die Einnahmen wegen der schrittweisen Umsetzung der Unternehmenssteuerreform, diese Mindereinnahmen wurden aber teilweise durch Gegenmassnahmen wie der Anpassung der kantonalen Abschreibungspraxis kompensiert.

Zweitens sind die Einnahmen bei den natürlichen Personen gestiegen (+3,4 Millionen), weil viele Personen, die bisher Quellensteuer zahlten, nun ordentlich besteuert wurden. Drittens wurden «ausserordentlich hohe Erlöse» bei den Grundstück- und Kapitalgewinnsteuern registriert (+1,7 Millionen Franken). Auch der Sachaufwand ist fast um eine Million Franken tiefer ausgefallen (+939'000 Franken), was unter anderem auf die nicht durchgeführten Lager und das abgesagte Schulfest zurückzuführen ist.

Nicht zuletzt wurden auch die Liegenschaften im Finanzvermögen um 4,2 Millionen Franken höher bewertet, was zwar nicht mehr flüssige Mittel in die Stadtkasse bringt, aber bei der Rechnung zu einem Buchgewinn führt.

Stadtrat will für 2023 keine Steuererhöhung beantragen

Es kam aber wegen Corona auch zu Mindereinnahmen von rund 1 Million Franken: Gelder fehlen wegen ausgefallener Veranstaltungen wie der Chilbi oder wegen nicht verrechneter Gebühren für die Aussenwirtschaften als Coronahilfe für das Gastrogewerbe.

Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli.

Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli.

Bruno Kissling

Auf Anfrage sagt Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli, dass der Stadtrat wegen der guten Ausgangslage «von sich aus keine Steuererhöhung fürs Budget 2023 beantragen wird, wenn die Voraussetzungen so bleiben wie bisher». Dank den gelockerten Budgetrichtlinien darf die Nettoschuld pro Kopf sogar auf 4000 Franken steigen, um die anstehenden Investitionen tätigen zu können. Derzeit beträgt diese 1233 Franken.

Höhere Abschreibungen wegen Millionengewinn

In den letzten Jahren konnten die Nettoschulden um 21,1 Millionen auf noch 22,7 Millionen Franken reduziert werden. Im 2021 war kein Schuldenabbau mehr möglich, weil ein Investitionsfehlbetrag von 2,4 Millionen Franken resultierte, der über das Eigenkapital verrechnet werden musste.

Netto investiert wurde im vergangenen Jahr 14,7 Millionen Franken, 300'000 Franken mehr als budgetiert. Dank des Millionengewinns macht die Stadt ausserordentliche Abschreibungen von 3,2 Millionen Franken für das Haus der Museen, was zu tieferen Abschreibungen in späteren Jahren führen wird. Zudem können weitere 3,2 Millionen Franken für den Neubau der Schulanlage Kleinholz vorfinanziert werden.

zvg

Der Vergleich mit anderen Städten und Kantonen zeigt, dass alle Gemeinwesen generell von tieferen Erträgen ausgegangen sind. Die Personalkosten überschritten die geplanten Kosten um rund 158‘000 Franken oder 0,4 Prozent. Während die Personalkosten für das städtische Personal um rund 135‘000 Franken unter dem Budget lagen, wurde jenes des Lehrpersonals um rund 235‘000 Franken überschritten.

Aktuelle Nachrichten