Raumplanung gehe über im Dezenniumsturnus zu revidierende Zonenpläne hinaus: Der dies sagte: Daniel Schneider, Präsident von Stadtgespräche.ch. Schneider hatte im Wesentlichen dafür gesorgt, dass die in einem Schiffscontainer untergebrachte Ausstellung der ETH Zürich zum Thema «Darum Raumplanung» doch auch Einzug hielt in Olten und am Montagabend auf der Kirchgasse eröffnet werden konnte. Also, jenseits der sogenannten Zonenplanung: Worüber hinaus soll sie gehen, die Raumplanung, die in der Schweiz den umgekehrten Weg machte und sich – entgegen der Praxis in andern europäischen Staaten, bis auf einen ersten Ansatz der 1920er-Jahre – aus kommunaler Zonenplanung im Laufe der 1930er-Jahre entwickelte? Erst 1969 nämlich stimmte die Bevölkerung der Bundeskompetenz der Raumordnung zu, doch blieb diese dennoch stark föderal.

Worum sich kümmern?

Bernard Staub etwa, oberster Raumplaner des Kantons, gab im Vorfeld der Ausstellungeröffnung in ganz groben Zügen die Umstände bekannt, welche Raumplanung notwendig machen: Der Boden als nicht vermehrbares Kapital, die in rasantem Tempo schwindende Kulturfläche in der Schweiz (2 m2/Sekunde) und letztlich – der daraus resultierende Interessenskonflikt der Land(schafts)nutzenden. «Dieser Konflikt ist», wie Staub betonte, «immer schwieriger zu handhaben.» Massnahme im Kanton also: Stopp der Zersiedelung, Einfrierung des Siedlungsgebiets bei insgesamt gross genug gehaltenen Bauzonen. Der Laie muss auf Basis dieser Befunde schlussfolgern: Raumplanung hat sich darum zu kümmern, wie bestimmte Flächen effizient, unter Berücksichtigung unterschiedlichster Interessen vor sozialen und wirtschaftlichen Hintergründen, genutzt werden können. Etwas plakativ ausgedrückt: Nicht mehr und nicht weniger als so etwas wie die Quadratur des Kreises eben.

Verdichtung erträglich machen

Weniger Platz bei zunehmendem Landhunger bedeutet Verdichtung; eine einfache Gleichung. Verdichtung übrigens ein Zauberwort, unter welchem aber schier jeder etwas anderes versteht. Nehmen die einen eine Ausnutzungsziffer (AZ) von 2,0 (zum Beispiel 1600 m2 Bruttogeschossfläche auf 800 m2 Grundstücksgrösse) noch mehr oder minder reglos entgegen, so runzeln andere schon bedrohlich die Stirn. Und bei 2,6? «Viel Vergnügen» der Kommentar. Dennoch: Wie viel bauliche Verdichtung erträgt der Mensch, der heute selbst unter «Zivilisationsdruck» steht und unter Dichtestress leiden soll, aber wohl erst noch an die für den urbanen Raum typischen Dichteverhältnisse herangeführt werden muss? Es gibt darauf keine eindeutige Antwort: Eine der Erkenntnisse aus der Eröffnungsveranstaltung aber: Herr und Frau Schweizer sind in der Regel einem dörflichen Genre verhaftet. Von dieser Erfahrung jedenfalls berichtete Architekt und Planer Bertram Ernst (Aarau), der seit Jahren raumplanerische Prozesse in Kloten begleitet und dort mit einer gemischten Zentrumsüberbauung namens «Square» im «Dorf Kloten» den «städtischen Massstab» eingeführt hat. Im Sog des Flughafens hatte sich das Fliegerdorf schier unmerklich zum anonymen, charakterfreien Konstrukt Stadt entwickelt; ein Prozess, der weiten Teilen der Klotener Bevölkerung unbekannt geblieben war. Was «Square» ausmacht: Die räumliche Dichte wird zur dichten Lebensqualität – Wohnen, Einkaufen, Wellness und Arbeiten ermöglichen einen vielfältigen durchmischten Alltag. 81 Wohnungen teilen sich den Bau mit Wellness/Gesundheit und Verkaufsläden.

Nicht Stress – Arbeit

«Dichte ist nicht Stress, sondern Arbeit, braucht Mischung, erfordert politisches Gespür und private Akteure», brachte Ernst die Sache auf den Punkt. Und: «Wo verdichtet gebaut wird, brauchts ein öffentliches Erdgeschoss.» «Square» in Kloten umfasst zwei grosse Häuser, die eine städtische Fassade bilden zum Stadtplatz hin, ein Gegenüber zum Ensemble des Stadthauses und einen fliessenden Übergang zum Stadtpark. Durchgänge verweben die Bebauung im Geflecht der Stadt. Und was ebenso gebraucht wird: Menschen, die sich darauf einlassen, Freiflächen zu nutzen oder – wie man in der Planungssprache sagt – bespielen wollen. Auch wenn das letzte Geheimnis sinnstiftender Raumplanung weder bei der Ausstellungseröffnung offenbart wurde, noch in der Ausstellung selbst offenbart wird: Die Akte Raumplanung ist zu wichtig, als sie lediglich dem Innern eines Containers zu überlassen.

Ausstellung Kirchgasse: noch bis 3. Mai täglich von 11.00 bis 18.30 Uhr geöffnet.