Kunst
Prunkstücke und Ladenhüter sind in Olten genussvoll vereint

Das Kunstmuseum Olten rückt mit der Ausstellung «... wie der Schatten das Licht» seine Sammlung ins Zentrum. Die neue Leiterin Dorothee Messmer mixt genussvoll historische mit zeitgenössischer Kunst und expandiertgar bis ins Oltner Stadthaus.

Sabine Altorfer
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Das Kunstmuseum Olten zeigt seine Prunkstücke
5 Bilder
«Die Bretonin» von Cuno Amiet
Aus der Oltner Sammlung: «Lui» von Louis Soutter
Aus der Oltner Sammlung: «Die Zwillingsschwester Erna» von Varlin.
Ursula Palla. belle-vue 4, Videoinstallation mit Leiter

Das Kunstmuseum Olten zeigt seine Prunkstücke

HO/Kunstmuseum Olten

Eine Winterausstellung nennt Dorothee Messmer ihre zweite Schau im Kunstmuseum Olten. «... wie der Schatten das Licht» heisst sie und holt weit aus in der Kunstgeschichte: Irritierendes Hell-Dunkel, göttliches Licht, Mondmagie und verzehrendes Höllenfeuer beschäftigen Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten. Zwei Ziele verbindet die neue Museumsleiterin mit diesem Projekt: «Ich wollte die Sammlung kennenlernen und ich möchte das Museum den Oltnerinnen und Oltnern näherbringen.» Das Zweite meint sie nicht nur symbolisch. Sie expandiert mit dieser Ausstellung über das Haus hinaus.

Ron Temperli setzt der Baustelle vor dem Museum nachts einen fluoreszierenden Wald entgegen. Im Baum hinter dem Museum hängen leuchtende Brote von Isabelle Krieg, und die Inschrift über Begierden von Johannes Gees mag Nachtschwärmer zum Innehalten bringen. Selbst ins Stadthaus reicht das Licht der Schau. Die Werke im Aussenraum stammen nicht aus der Oltner Sammlung. Messmer hat zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eingeladen, um die Sammlung mit dem Hier und Heute zu verquicken.

Zwei Wochen im Keller

Dorothee Messmer und Assistentin Katja Herlacher haben die Sammlung durchforstet. «Die zwei Wochen im Keller haben Spass gemacht. Und wir haben neben Bekanntem auch Unerwartetes gehoben», erzählte Messmer gestern an der Führung für Medienleute.

Einige Schlüsselwerke zum Thema Licht und Schatten hatten die Museumsfrauen schnell gesetzt. «Den Rest haben wir spielerisch und assoziativ kombiniert.» Diese Lust am Kombinieren spürt man als Besucherin. Und man schätzt die thematische Ordnung der Ausstellung, welche die Gegensätze über die Zeiten und Stile hinweg erhellt.

Eine geisterhafte Frauenfigur begrüsst das Publikum. Otto Lehmann hat die Frau mit wallenden Haaren 1981 mit weisser Wandtafelkreide auf schwarzen Grund gemalt. Daneben zündet Christian Rothachers «TGV» – eigentlich eine verkleidete Leuchtstoffröhre – verspielt ins Halbdunkel. Und Roman Signer beweist mit einer Installation von 1980, dass Feuer und Wasser Kunst in die Luft zu zeichnen vermögen, wenn man sie zu fassen versteht.

Das göttliche Licht beschwor mit einer Darstellung von Christi Geburt ein unbekannter Barockmaler. Dasselbe heilige Leuchten hat Agnes Barmettler 1976 einem weiblichen Gesicht aufgesetzt. Daneben feiern Keller/Hemauer mit einer berückend schönen Foto-Serie den Abgesang auf Edisons Glühbirne.

Lustvolle Inszenierung

Dem Himmel mag der Glanz gehören, die Hölle aber trumpft mit Hitze und Feuer auf. Ein dankbares bildnerisches Thema! Marc-Antoine Fehrs Monumentalgemälde «Inferno» von 1983 stellt Andreas Helbling mit der Mini-Video-Projektion «Brave Heart» eine ironische Antwort mit einem brennenden Künstlerherz entgegen.

In den beiden oberen Stockwerken geht es ums Schwarz-Weiss (etwa mit einem expressiven Louis Soutter) sowie um Licht und Schatten bei Porträts und Landschaften. Schön die Bretonin mit den farbigen Lichtstreifen auf dem Gesicht von Cuno Amiet, malerisch raffiniert das kleine Bildnis von Varlin und raffiniert Frank Buchsers Lichtkringel in der Sommerlandschaft. In der allerletzten Ecke überrascht einen das Künstlerduo Glaser/Kunz mit «Aton & Amen». Die beiden miteinander über den Sinn des Lebens philosophierenden New Yorker Jungs wirken dank kinematografischer Technik unheimlich lebendig.

Die Oltner Sammlung hat ihre qualitativen Grenzen. Die werden nicht versteckt, aber die Schau zeigt, wie man mit einigen Prunkstücken, Lokalem und einigen Ladenhütern dank einer lustvollen Inszenierung punkten kann.

Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat des syrisch-deutschen Autors Rafik Schami. Der ganze Satz heisst: «Der Tod begleitet das Leben wie der Schatten das Licht.» Besinnlichkeit ist darin angelegt, Gegensätze ebenfalls. So passen düstere Nachtgedanken zu lockeren Irrlichtern – und selbst André Bless’ überraschender, verspielt-kitschiger Sonnenuntergang findet Platz.

«...wie der Schatten das Licht» Kunstmuseum Olten, 24. November bis 27. Januar. Vernissage: Sa, 24. November, 18.30 Uhr.

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