«Der Verein Jugendkulturhaus Provisorium 8 geht keine neue Leistungsvereinbarung mit der Stadt ein.» Mit dieser lapidar anmutenden Bemerkung endet ein Kapitel Oltner Jugendkulturgeschichte. Färbi und Provisorium 8 hiessen die lokalen Stationen.

Erstere ist passé, letztere steht per Ende Jahr ohne Trägerschaft da. Für Sandro Gervasoni, Kassier des Trägerschaftsvereins, irgendwie eine logische Konsequenz: «Der Verein hat erkannt, dass die aktuellen Strukturen nicht trag- und zukunftsfähig sind.» Will heissen: Die personellen Ressourcen eines ehrenamtlichen Vereinsvorstandes von fünf Personen sind nicht ausreichend, um auf Unvorhergesehenes zu reagieren und der Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Jugendlichen gerecht zu werden.

Folge: Ende Juni kündigte die Trägerschaft den Mietvertrag per Ende 2016 auf: «Sicher ein Indikator dafür, dass wir nicht weitermachen wollten», so Gervasoni. Der Verein wird sich vermutlich auflösen.

Dass die Stadt mit ihrem eigenen Jugendkonzept zumindest in die Bresche springt, hält Gervasoni für absolut zeitgemäss. «Die schweizweite Entwicklung in der Jugendarbeit zeigt es auf: Historische Vereine, die sich der Jugendarbeit ehrenamtlich annehmen, werden immer häufiger von öffentlichen Strukturen abgelöst.»

Folgen des Sparkurses

Wenn, wie in diesem Falle, auch nicht ganz zufällig. Die Folgen des städtischen Sparkurses trafen den Verein insofern, als dass dieser zu massiver Verunsicherungen führte: Erst in November letzten Jahres wurden im städtischen Parlament die gemäss Trägerschaft «minimal erforderlichen Finanzmittel nur durch ein reines Zufallsmehr gesprochen.»

Für Gervasoni letztlich ein unhaltbarer Zustand: «Es wurde offensichtlich, dass wir in Zukunft auch politisch aktiv werden müssen. Unsere begrenzten Mittel setzen wir jedoch bereits vollständig für Jugendliche ein. Wir waren es aber auch ziemlich leid, unseren Angestellten immer erst Ende Jahr sagen zu können, ob ihr Engagement weitergeführt werden kann oder nicht.

Dieser Unsicherheit wollten wir sie nicht mehr länger aussetzen», so der Kassier. Jährlich schoss die Stadt gut 260 000 Franken ein, in den Jahren 2015/16 nach Budgetkürzungen noch 240 000 Franken. Davon allerdings flossen noch Mieten im hohen fünf- oder gar sechsstelligen Bereich an die Stadt als Liegenschaftsbesitzerin zurück.

Was macht die Stadt?

In die Bresche springt jetzt, zumindest ein halbes Jahr, die Stadt. Der Stadtrat sei gewillt, die Jugendarbeit neu aufzustellen und weiterzuführen, lässt sich die Direktion Bildung und Sport zitieren.

Das Ziel von Stadtpräsident und Bildungsdirektor Martin Wey ist es, in einem halben Jahr Klarheit darüber zu haben ist, wie es mit der Jugendarbeit in Olten weitergeht. Dass es in der Stadt eine solche geben muss, ist für Wey unbestritten. «Vielleicht ergibt sich die Chance, etwas neu aufzubauen.»

Der Leiter der Direktion Bildung und Sport, Ueli Kleiner, hat die Aufgabe, das Thema Jugendarbeit in das städtische Projekt «Kinder-, Jugend- und Familienförderung» zu integrieren: «Sicher ist vorgesehen, im ersten Halbjahr den Betrieb des Jugendhauses etwa in gewohntem Rahmen über die Bühne gehen zu lassen», so Kleiner.

Darüber hinaus allerdings kann der Direktionsleiter keinerlei konkrete Angaben über die Ausgestaltung künftiger Jugendarbeit machen, bis die Resultate der Projektarbeit vorliegen. «Vorstellbar wäre vielleicht, dass neue Aspekte der Jugendarbeit hinzukommen, weniger stationär, mehr aufsuchend», mutmasst Kleiner.

Allenfalls gelte es auch, ein Auge auf verschiedene, bereits im Auftrag der Stadt agierende andere Player zu haben. Kleiner führt da «Open Sunday» oder «Midnight Olten» als Beispiele an. Möglich auch, dass die Errichtung eines Jugendbüros, so etwas wie ein «Jugendtreff plus», ins Auge gefasst würde. Bis Ende 2016 sollen Resultate vorliegen, welche die Zukunft der Jugendarbeit näher beschreiben können.